Archive for Juli 28th, 2006
Endlich Regen
Es hat geregnet! Aber nur leicht und nicht sehr lange. Schade…
Enrique Líster über Ernest Hemingway
Enrique Líster über Hemingway in seinem Buch “Unser Krieg” (”Nuestra guerra”):
“Ich kannte Hemingway aus den Tagen der Schlacht von Guadalajara. Er war ein Mann, der alles selbst und genau sehen wollte und der, wenn man es ihm nicht erlaubte, störrisch wurde wie ein kleiner Junge, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Mehrmals war er mir böse, weil ich ihn nicht bis zu den vordersten Linien gehen ließ; aber das gab sich dann später wieder.
Als ich einige Jahre nach dem Ende des Krieges sein Buch “Wem die Stunde schlägt” las, war ich unangenehm überrascht, aber ich wunderte mich nicht allzusehr. Ich hegte nicht den geringsten Zweifel, daß sich Hemingway mit unserer Sache während des Krieges und bis zu seinem Tod identifizierte. Wie ist es dann zu erklären, daß er dieses Buch schrieb, das ein grobes Zerrbild unseres Krieges und des heroischen Kampfes unseres Volkes und der “Freiwilligen der Freiheit” darstellt? Ich glaube, daß er damals nur die Oberfläche sah, nicht imstande war, das Ganze zu erfassen. Der Kampf des spanischen Volkes war allzugroß, als daß ihn Hemingway trotz seines Talentes in all seiner Tiefe hätte verstehen können. Hemingway ließ sich wie viele andere oft vom Äußerlichen leiten, vom Anekdotischen, vom Sichtbaren unseres Kampfes, ohne in sein Inneres einzudringen und vor allem ohne die tiefen Nachwirkungen zu verstehen, die diese heroische Seite unserer Geschichte auf die ganze demokratische Entwicklung Spaniens haben mußte.”
Ich glaube - ohne es belegen zu können - Líster hat Hemingway besonders die Szene in “Wem die Stunde schlägt” übelgenommen, in dem der Weg des Boten zum Generalstab beschrieben wird und der Bote ewig durch einen vollkommen nutzlosen aber gefährlichen politischen Kommissar aufgehalten wird und dadurch die Nachricht zu spät im Generalstab ankommt. Im übrigen war Hemingway in erster Linie Schriftsteller und das er den Spanischen Bürgerkrieg auch als Kulisse für seinen Roman genommen hat, kann man ihm nicht ernsthaft vorwerfen.

