“…das alles heißt noch nicht denken.”
Ich habe ja nie von mir geglaubt, je einen originären Gedanken gehabt zu haben, aber was Henry Ford in seinem Buch “Philosophie der Arbeit” schreibt, deprimiert mich schon ein bisschen. Ich hätte mir wenigstens die Illusion noch ein Weilchen erhalten:
“Es ist leicht Gedanken zu haben. Aber wem gehören sie, und was sind sie wert? Etwas im Sinne haben, heißt noch nicht denken. Sich wundern, sich fragen, heißt noch nicht denken. Nachgrübeln, sich Sorgen machen, heißt noch nicht denken. Aufmerksames Zuhören und das Streben, etwas aufzufassen und im Gedächtnis zu behalten, was irgendjemand aus dem Schatze reichen Wissens zum besten gibt, das alles heißt noch nicht denken. Wir alle besitzen Intelligenz, denn Intelligenz ist die Fähigkeit, aufzunehmen; aber wenige besitzen die Fähigkeit selbständigen Denkens.”
Henry Ford, Philosophie der Arbeit - Autorisiertes Interview mit Fay Leone Faurote
Das kleine Büchlein aus den 1930′er Jahren (schätze ich) habe ich gestern für einen Euro neben zwei anderen Büchern auf dem Flohmarkt erworben.


alles quatsch.
bored
7 Aug 06 at 0:58
Ja. Die Frage, was denn denken überhaupt sei, ist damit nicht beantwortet. Und insofern Ford dies nicht noch an anderer Stelle des Textes tut, ist obiger Ausschnitt indiskutabler Blödsinn:
“Ein Löwe ist keine Taube, weil er nicht flieget. Er ist auch kein Hahn, da er nicht krähet. Auch ist er keine Kuh, wenn er keine Milch gebet. Noch ist er eine Fledermaus, da er nicht kopfüber hänget in dunklen Höhlen. (…)
So ist denn damit der Beweis erbracht, dass es auf der Erde wohl viele verschiedene Tiere und Arten gebe, darunter aber kein einziger Löwe sich befindet.”
-Zitat aus dem “Logicus”, Hauptwerk des ehrwürdigen Griechen Nachtus Begegnus-
nachtbegegnung
7 Aug 06 at 12:35
Vielleicht wollte er mit seinen Worten nur sagen, dass Denken an sich nicht erklärbar ist, wenn es als “Geistiges Eigentum” eines einzelnen Wesens angesehen wird. Seltsam … dass gerade dieses Denken nicht wirklich durch denken erklärt werden kann.
Wenigstens ist es bei mir so. *fg
——
Die Hauptkategorien des Denkens – bewusstes, unbewusstes oder vorbewusstes Denken – sind beim Problemlösen nicht zu trennen. Jedem bewussten Denkprozess gehen unbewusste Denkschritte voraus. Viele Erkenntnisse “reifen” unbewusst, in einer Phase der Entspannung, wenn man sich von dem Problem distanziert hat. Etliche große wissenschaftliche Einsichten kamen den Forschern quasi im Schlaf oder “aus heiterem Himmel”.
(Wikipedia)
Ruhmraff
7 Aug 06 at 19:31
Alles zu kompliziert,so philosophisch.
Cogito,ergo sum.
Talia
7 Aug 06 at 20:55
Mir gefällt gerade die Aussage von Ford, was Denken nicht (noch nicht) ist. Was er in dem Zitat beschreibt sind Vorarbeiten fürs Denken aber noch nicht das Denken selbst.
Nachtus Begegnus? Alter Kumpel vom Platon? Gibt es eine Gesamtausgabe?
Bardamu
8 Aug 06 at 11:44
Ja, Nachtus Begegnus stand tatsächlich in einer Art Beziehung zu Platon: Er war seine Putze und hat viel von dem alten Meister gelernt. Das er nicht annähernd so bekannt wurde wie Platon lag an einem kleinen, historischen Missgeschick: Als sein Hauptwerk erschien, war es sofort vergriffen, weil alle wussten, was da für Potential drinsteckt. Verkaufte sich also wirklich gut. Allerdings kamen immer mehr Leute, und wollten wissen, wer der ominöse Nachtus Begegnus eigentlich ist. Ihnen wurde geantwortet: Na die Putze vom großen Platon. Das notierten sie sich dann alle auf dem Umschlag des Buches: “Putze Platon”. Aber später, bei der Übersetzung wusste keiner was mit dem griechischem Begriff “Putze” anzufangen, da es sich um einen Begriff aus dem Slang handelte. Die Übersetzer hielten es für den Spitznamen Platons, (so wie Kalle Kohlmann, Manni Mehnert usw.) Weil aber “Putze” als Spitzname wirklich dämlich klingt (jaha, auch im Griechischen), ließen sie das Wort einfach unter den Tisch fallen. So kam es, dass sämtliche Werke des Nachtus Begegnus heute dem Platon zugeschrieben werden.
Bedauerlich.
nachtbegegnung
9 Aug 06 at 1:03
Am Ende hat der Platon nur bei seiner Putze abgeschrieben - weil er neidisch auf den Erfolg war und ein bisschen partizipieren wollte, da seinen eigenen Kram keiner las - oder er hat es zumindest unterlassen das Missverständnis später aufzuklären, als es noch möglich war, ist heute also ganz zu unrecht so bekannt. Man glaubt’s ja nicht…
Bardamu
9 Aug 06 at 18:43