Javier Marías, Mein Herz so weiß
Hab das Buch nun ausgelesen. Es ist nicht langweilig, es ist in Teilen etwas langatmig, das ist etwas anderes. Der Schluss des Romans hat mich wieder etwas mit ihm versöhnt. Es ist nicht unbedingt ein Buch, das man einfach so im Vorbeigehen lesen kann, ich jedenfalls nicht. Die Stimmung muss passen, wenn das nicht der Fall ist, besteht die Gefahr, das als Manko dem Buch anzulasten.
Erzählen oder Verschweigen, was kann schlimmer sein? Gibt es für alles, auch für das Erzählen eines Erlebnisses, einer Tat, eine Zeit, einen richtigen Zeitpunkt und wenn dieser vorüber ist, sollte man besser schweigen?
“… das eigene Leben hängt nicht von den eigenen Handlungen ab, davon, was man tut, sondern davon, was die anderen von einem wissen, was sie wissen, daß man getan hat.”
Das Erzählen davon oder das Nichterzählen geben diesen Ereignissen Bedeutung. Was nicht erzählt wird, woran man sich nicht erinnert oder erinnert wird, verblasst und verliert an Bedeutung. Irgendwann kommt es einem vor als wäre es gar nicht geschehen oder nur ein Geschichte, die man gehört hat. Dem steht die so weit verbreitete Auffassung gegenüber, über alles reden zu sollen oder zu müssen. Nur wenn man über das Geschehene spreche, könne man es verarbeiten (eine Vokabel, die mir zum Hals heraushängt, nichts wird je wirklich verarbeitet) und damit abschließen.
“Wenn man etwas nicht erzählt, dann löscht man es ein wenig aus, vergisst es ein wenig, leugnet es, wenn man seine Geschichte nicht erzählt, kann das ein kleiner Gefallen sein, den man der Welt erweist.”
Das Buch war doch ein Bereicherung für mich, obwohl ich zwischendrin kurz daran gezweifelt habe. Ich bin froh es gelesen zu haben.

