Archive for September, 2006
Igelschwemme
Jede Menge Igel gibt es dieses Jahr, fast so viele wie Spinnen. Man muss nachts Slalom fahren, um ihnen ihr Leben zu erhalten. Gegenüber den Spinnen haben sie einen klaren Sympathievorsprung. Auch wenn sie mir immer vor’s Auto kacken, die kleinen Stachelviecher. Gestern saß einer unter dem Strauch im Garten und grunzte zufrieden vor sich hin. Ich ging meine Kamera zu holen, als ich zurück kam, war er weg.
Lindenblatt

Erster Eindruck: Javier Marías, Mein Herz so weiß
Ein Drittel des Buches habe ich jetzt gelesen. Der erste Eindruck ist geteilt. Ein paar schöne Szenen und Gedankengänge waren schon dabei, z.B. als der Erzähler, welcher Dolmetscher ist, bei einem Gipfeltreffen zwischen dem spanischen Regierungschef und der englischen Regierungschefin einfach diesen Personen ein paar nie von ihnen gesagte Sätze in den Mund legt und dadurch ein wirkliches Gespräch zwischen den beiden in Gang bringt. Oder die Idee, dass Ereignisse, die nie eingetreten sind ein Leben ebenso beeinflussen, wie Ereignisse, die tatsächlich stattgefunden haben; das diese gleichwertig nebeneinander stehen.
Dem gegenüber stehen leider auch ein paar langatmige Passagen und ohne Zweifel kommen in diesem Buch mindestens 10 Millionen Kommata vor. Da kann man schon mal morgens gegen 2:00 Uhr in seinem Bettchen, das Buch in der Hand, den Faden verlieren. Trotzdem überwiegt bisher der positive Eindruck und ich hoffe, das setzt sich so fort.
Beim Friseur
Da war ich schon als Kind immer gern. Auch heute gehe ich da noch gerne hin. Das Kämmen und Haareschneiden, das Wuseln der Hände auf dem Kopf - ein Genuss. Muss immer an mich halten, dass ich nicht zu schnurren anfange. Leider ist immer alles viel zu schnell vorbei und dann muss ich wieder vier oder fünf Wochen warten. Also kein Wunder, dass der Film “Der Mann der Friseuse” einer meiner Lieblingsfilme ist.
Ungarischer Tanz
Keine Ahnung, warum sich die Ungarn so aufregen, Politikdarsteller lügen immer, das weiß man doch einfach.Tststs… Einfach mal ein Beispiel am deutschen Michel nehmen, der kratzt sich höchstens am Ohr, dreht sich um und schläft weiter.
Alles nur geträumt…
Seit einigen Nächten träume ich wirre Sachen. Früh habe ich fast alles vergessen aber einige Details fallen mir im Laufe des Tages wieder ein.
Der eine Traum spielt in großen Häusern - das heißt ich glaube immer im selben - die mal wie große Lagerhallen oder Kühlhäuser (ohne kalt zu sein) sind, dann wieder verwinckelt mit einzelnen kleineren Wohneinheiten (?), die seitlich abgehen. Es könnte auch eine Schule sein, so eine aus der wilhelminischen Zeit oder eine Art Festung. Vielleicht auch ein Bunker unter der Erde. Alles ist schummrig beleuchtet, sehr hohe Räume und nirgends Fenster. Ich laufe herum und schaue in verschiedene Räume, manchmal (selten) treffe ich Leute, die so aussehen als wüssten sie mehr als ich. Als wüssten sie Bescheid, sie schauen mich komisch an. Beunruhigend und beklemmend. Irgendwann klettere ich durch eine Luke oder (doch) Fenster, komme aber nur in eine weitere Kammer…
Der zweite Traum ist ganz anders. Ein Polizist oder ein Reporter führt mich an einen kleinen Fluss. Eine Frau sei tot. Das Wasser ist ganz klar. Ich kann im Wasser ein kleines Auto erkennen, ein Kran versucht es herauszuziehen. Dann liegt noch ein Teil eines Flugzeuges, die Nase, im Wasser. Wir steigen hinein und waten herum, die Frau ist nicht zu finden. Dann sehe ich ihre Kleider im Wasser. Aber sie sind nicht durcheinander gespült und im Wasser verteilt, wie zu erwarten, sondern so, als ob der Körper noch darin wäre, als ob er die Kleider noch ausfüllen würde nur unsichtbar wäre. Plötzlich fühle ich mich unwohl, als ob mich gleich etwas an den Beinen packen könnte…
Elder statesman vs. heutige Politkasper
Gestern Abend zufällig bei Beckmann hängengeblieben. Das passiert mir in der Regel nicht, ich kann diese Plaudertaschen mit ihren sogenannten Talkshows nicht vertragen. Aber gestern bin ich aus Trägheit kurz dabei geblieben, das lag am ersten Gast - Hans-Jochen Vogel. Mit ihm verbinde ich keine konkreten Erinnerungen, wie etwa mit Hans-Dietrich Genscher. Trotzdem, wenn man diesem alten Mann zuhört, stellt sich Respekt und Achtung wie von selbst ein.
Diese Menschen, waren noch Politiker, die diese Bezeichnung auch verdienten, bei allen Fehlern, die sie sicher auch begangen haben. Der immense Niveauverlust der heutigen lächerlichen Politdarsteller im Vergleich zu diesen wahren elder statesman könnte himmelschreiender gar nicht sein. Beliebigkeit, Korruption, Lüge; parteiübergreifend ist heute nur aufgeblasenes Pack ohne jede Substanz zu erkennen, keiner von denen bleibt zu Recht länger im Gedächtnis haften. Was für ein kolossaler Abstieg der politischen Kaste innerhalb von fünfzehn Jahren.
Der vergessene Stuhl

Kein Text!
Ich wollte eigentlich etwas zum NPD-Wahlerfolg in Mecklenburg-Vorpommern schreiben, war noch heute morgen voller Tatendrang, hatte sogar schon einen Text geschrieben, böse und polemisch, wie ich mir einbildete. Dann ließ ich ihn liegen, weil ich etwas anderes erledigen musste. Beim späteren erneuten Lesen gefiel er mir dann plötzlich nicht mehr, zu platt, irgendwie unrund. Ich habe daran herumgeändert, immer wieder, mit dem Resultat, dass er mir noch weniger gefiel. Also wieder zurückgeändert. Hin und her. Das Ergebnis? Auch Mist! Die Luft war raus. Jetzt habe ich ihn endgültig gelöscht.
Spätsommer oder Früherbst?


