Der 11. Mai 1988 ist jetzt 19 Jahre her. Die sich mir stellende Frage, was ich mit der Zeit angefangen habe, verdränge ich lieber. Und die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn ich damals … gleich mit. Ich bin undankbar, ich weiß.

Je mehr Zeit vergeht, desto drängender stellt sich aber die Frage: Wie hast du die Chance und die Zeit seitdem genutzt? Leider ist es mir nicht so gegangen, dass eine Erleuchtung über mich gekommen wäre. Ich bin so ratlos wie am ersten Tag. Und staune und frage mich, warum denn gerade ich Glück hatte und wozu, wenn ich doch gar nichts damit anzufangen weiß?


9 Responses to “Wieder Jahrestag”  

  1. 1 a.

    das klingt extrem mysteriös, und ich würde gern weiterfragen, traue mich aber nicht …

  2. 2 Bardamu

    Am 11. Mai 1988 hatte ich eine große Operation, Entfernung des Muskelgewebes am rechten Unterschenkel mit Resektion der Lymphdrüse in der rechten Beuge.

    Malignes Melanom oder auch schwarzer Hautkrebs nannte sich das, Turmorgröße nach Breslow 0,9 mm und Clark Level III. Das Clark Level gibt die Tumoreindringtiefe an, III ist schon mittleres Stadium:

    CL I - Epidermis
    CL II - oberes Korium (Lederhaut)
    CL III - mittleres Korium
    CL IV - tiefes Korium
    CL V - Subkutis (Unterhaut)

    Das Maligne Melanom neigt schon in frühem Stadium zur Metastasenbildung, meistens in den Lymphdrüsen oder inneren Organen mit dann schlechten Überlebenschancen. Bei mir waren trotz schon fortgeschrittenerem Stadium die benachbarten Lypmphdrüsen nicht befallen. Einfach nur Glück.

  3. 3 a.

    Ja. Glück. Für eine “Erleuchtung” warst Du wahrscheinlich noch zu jung. Sowas passiert nur den Älteren (denke ich so …), die dann beginnen, entweder einen Haufen Unsinn zu machen oder cooler werden. Je nachdem.

    Nicht, daß ich zu körperlichen Gebrechen viel zu sagen hätte - ich hatte bislang noch nicht einmal das Vergnügen, eingegipst zu sein, dabei gehörte das doch irgendwie zum Kindsein dazu, oder? Ich will’s nicht beschwören …

    Wenn’s was bringen würde, dann würde ich mich hier virtuell mit rosa Pompoms hinstellen und Dir gehörig “zu-cheeren” - wie beim Football ;)

  4. 4 Bardamu

    Damals vielleicht noch zu jung aber später…?

    Ich habe mir so ein Ereignis immer vorgestellt als eine Art Fanal, einen Wendepunkt an dem man innehält, um dann die Richtung zu ändern, ein neues Niveau zu erreichen. So etwas wie ein Weckruf, schwer zu beschreiben.

    Wahrscheinlich kann man auch über seine eigenen Ansprüche stolpern. Jedenfalls, das Leben ist einfach so weitergegangen, ich habe nichts besonderes daraus gemacht, genaugenommen falle ich selbst hinter den Durchschnitt noch zurück.

    Da ist man ganz gerührt, will etwas Großes vollbringen und dann fällt einem ums Verrecken nichts ein. Schon seltsam. Vielleicht sollte ich einfach kleinere Brötchen backen (was mir auch schon schwer genug fällt).

    Und danke fürs danke für dein Cheer-Angebot (ziehst du auch einen kurzen Rock an?). ;o)

  5. 5 derbaum

    bei mir ist dieses einschneidende erlebnis “erst” 13 jahre her (ich wäre fast an einer akuten bauchspeicheldrüsenentzündung gestorben) - aber ich denke ich lebe seitdem intensiver…

    irgendwann wird dir bewußt werden wozu das “glück” gut war - laß es auf dich zukommen….

  6. 6 Bardamu

    Ich lebe nicht intensiver, glaube ich. Vielleicht war der Einschnitt gar nicht so groß bei mir, vielleicht hatte ich auch viel zu wenig zu verlieren, um wirkliche Lebensangst zu bekommen. Ich weiß nicht. Ich weiß so vieles nicht, unglaublich.

    Vielleicht versuche ich nachträglich eine Bedeutung hineinzulegen, die gar nicht da ist. Genauso wenig, wie es die meisten “verdient” haben daran zu sterben, haben es die anderen “verdient” zu überleben. Vielleicht resultiert aus dem Überleben also gar nicht die Pflicht etwas aus sich machen zu müssen, den Beweis erbringen zu müssen zu Recht überlebt zu haben, wie ich mir unbewusst oder teilbewusst einrede.

  7. 7 derbaum

    viel wahres in deinen worten - ich war damals schon eine zeit verheiratet, hatte ein 5 jahre altes kind- da hat man bestimmt andere prioritäten - und ich habe mir nicht auf die fahnen geschrieben “hurra, ab heut wird intensiver gelebt” - nur mit heutigem abstand betrachtet ist e einfach so….

    nichts suchen wo nichts ist - annehmen was ist - das rate ich dir!

  8. 8 Bardamu

    Ich glaube, das macht viel aus, wie verwurzelt man ist, eine eigene Familie, ein Kind und neben diesen persönlichen Dingen auch noch andere, wie integriert man sich in die Gesellschaft fühlt.

    Wie erkennt man aber, wo “was” ist? Woher weiß man das? Versuch und Irrtum? Bleibt also nichts übrig als weiter herumzuexperimentieren in seinem Leben und zu hoffen, das man mal ein Körnchen Weisheit findet? Wahrscheinlich geht es gar nicht anders.

  1. 1 Wurde Zeit « Ostblog - Eine Art Tagebuch…

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