Archiv für Oktober 2007
Tod am Morgen
Heute nach reichlich vier Wochen der erste Todesfall. Ich hätte mir die Leiche gerne mal angesehen, hatte aber mit den noch Lebenden zu tun. So ein alter, kranker Mensch bleibt jedenfalls ein Ärgernis, selbst wenn er nur stirbt. Er stört den Betrieb auf nicht unerhebliche Weise damit. Frechheit!
In ein paar Tagen wird ein weiterer Mensch sterben, das ist absehbar. Wenn die Blätter fallen, hat der Undertaker Hochkonjunktur. Dann steht der alte Mensch wenigstens einmal noch im Mittelpunkt, auch ein Trost. Man wird bescheiden.
Herzblatt

Putzverweigerung
Gerade fiel mir die Aussage von Elke Heidenreich aus der letzten Sendung Lesen vom Freitag wieder ein:
Der Sinn des Lebens kann nicht darin bestehen
eine aufgeräumte Wohnung zu hinterlassen.
So einen Sonnentag sollte man nicht mit einem Staubwedel in der einen und dem Staubsaugerrohr in der anderen verbringen. Das ist klar. Deshalb werde ich heute Nachmittag außerhäusig meine Zeit verbringen. Vielleicht erledigt Mme. Lilli inzwischen die notwendigen Reinigungsarbeiten.
Für die Katze verboten
„… von der Unmöglichkeit der Nähe“
Gestern sah ich mir den Film „Ein spätes Mädchen“ an. Ein interessantes Sujet und ein sehr guter Film. Um so bedauerlicher, dass ich kurz vor Ende des Filmes einschlief, was mit der Qualität des Filmes gar nichts, um so mehr mit meiner nunmehr fehlenden Tagesfreizeit zu tun hat.
Beiläufig fiel mir ein, so wie ich mich meist mit anderen Menschen langweile und ihnen nichts zu sagen habe, langweilen sie sich mit mir in gleichem Maße. Das finde ich nur gerecht. Ist es nicht besser lieber zu schweigen als um jeden Preis zu reden?
Melancholia
Vor ein paar Tagen ging der letzte Schachzug meines Planes auf. Die Bank ist, ohne es zu ahnen, den von mir angelegten Pfad gewandelt und hat eine für mich günstige Entscheidung getroffen (die Bank glaubt das Gegenteil und das soll sie auch).
Durchaus also ein vollkommener Sieg. Und trotzdem, das fühlt sich alles so leer an. Die Stille nach der Schlacht, um ein albernes Bild zu bemühen. Man reibt sich die Augen, wundert sich, dass man noch lebt und fragt sich: Was nun?
Was ich vielleicht bei Gelegenheit lernen sollte ist, mich über Erfolge zu freuen. Das gelingt mir nie so recht. Vielleicht, weil mir im Grunde die letztendliche Vergeblichkeit meines gesamten Tuns sehr möglich erscheint.
Gefressene Poesie
Seit Tagen geht es mir im Kopf herum, ich musste das alte Zitat noch mal herauskramen:
Aber später, wenn das Leben einem gründlich gezeigt hat, wie viel Verschlagenheit, Grausamkeit und Bosheit man braucht, um nur einfach bei 37° zu überleben, dann wird es einem klar, man weiß Bescheid und begreift endlich, wie viel Niedertracht eine Lebensgeschichte enthält. Man braucht für all das nur sich selbst gründlich zu betrachten, wie schäbig man geworden ist. Kein Geheimnis mehr, keine Unverdorbenheit, man hat seine ganze Poesie gefressen, während man bis jetzt gelebt hat. Ein Scheißspiel das Leben.
Louis-Ferdinand Céline, Reise an Ende der Nacht
Geburtstagskind
Auf dem Tisch eine vertrocknete Orchidee, in den Topf gesteckt eine „100″ aus Pappe mit bunten Bändern daran. Im Bett die Jubilarin: 100 Jahre alt. Sie liegt mit offenem Mund und röchelt leise, fast blind und nahezu vollkommen steif. Über das Gesicht laufen Fliegen. An der Decke eine helle Neonlampe. Der Fernseher läuft. Die Dekubitus-Matratze brummt. Herzlichen Glückwunsch.
In Gesichtern lesen
Bei Frau Buschheuer fand ich diesen Test. Man soll 28 Gesichter anhand ihrer Mimik einschätzen und aus sieben vorgegebenen Gefühlen das richtige auswählen. Ich war überdurchschnittlich gut, nur Angst konnte ich sehr schlecht erkennen. Nanu…?
Strategische Prüfungsvorbereitungen
Am Wochenende haben sie mir meine Prüfungsomi kaputt gemacht. Sie ist jetzt im Krankenhaus. Kaum ist man mal nicht da… Die war so niedlich, die kleine Frau K. Ich rechnete sehr auf den Niedlichkeitsbonus bei der Prüfung. Jetzt muss ich mir wohl was anderes einfallen lassen. Zur Wahl stehen jetzt noch der 100+x Jahre Bonus und der Dementen²-Bonus. Mal schauen. Ist ja auch noch Zeit.

