Archiv für November 2007
Feste feiern
Weihnachtsfeier auf der Bowlingbahn abgehandelt. Der Weihnachtsmann kam zu allem Unglück auch noch. Peinliche Situation. Er wollte ein Gedicht oder Lied von jedem. Sehr unangenehm. Natürlich verweigert. Geschenk trotzdem bekommen. Kopfschmerzen seit dem Nachmittag, versucht ihn mit Tablettendauerfeuer hinzumorden – vergeblich. Den Gedanken an alkoholische Getränke verworfen.
Insgesamt wieder sehr fremd gefühlt. Bin nicht zu integrieren. Will das auch nicht. Was aber nicht heißt, es nicht hin und wieder zu bedauern und als Manko zu empfinden. Ich werde ein Fremdkörper bleiben egal, was ich mache. Es gibt wahrscheinlich solche Leute, die einfach übrig sind, die nirgends passen und zu nichts zu gebrauchen sind. Das muss man akzeptieren. Bleibt nichts weiter übrig.
Besonders unangenehm wird es, wenn man beginnt Vergleiche anzustellen mit Menschen in ähnlichem Alter. Ein Fehler, den ich manchmal in besonders schwachen Stunden begehe. Das sollte man natürlich nicht tun, auch wenn klar ist, dass man die Lebensumstände dieser Personen im Geiste meist zu rosig darstellt.
Kurzes Zeitfenster
Oft schreibe ich was in mein Notizbuch mit der Absicht, es später hier im Blog erscheinen zu lassen. Dann schlag ich später, wenn ich Zeit habe, das Büchlein auf, lese mir alles noch mal durch… Und dann geht das nicht. Ich kann das so nicht mehr schreiben. Anders auch nicht. Gar nicht mehr. Die Gedanken kommen mir abgestanden vor, die Stimmung, in der ich sie aufschrieb, ist verflogen und lässt sich auch nicht mehr künstlich erzeugen. Das Zeitfenster ist verpasst.
Nur ein Spiel?
Frauen, die Psychologen sind, verunsichern mich in besonderem Maße. Die ganze schöne Fassadenmalerei scheint mir durch sie entlarvt. Sehr schlimm. Aber es ist ein bisschen wie beim Verbrecher, der bei jedem neuen Bruch hofft nun endlich verhaftet zu werden, seinen Meister zu finden. Und dann wird es wieder nichts und er muss nachts weiter raus.
Aber sie reizen mich auch mit ihnen zu spielen. Ein durchaus sehr lustvoller Vorgang. Man lässt etwas von seinem wahren Kern aufblitzen – von dem man selber nicht weiß, ob es nun der wahre Kern ist – und beobachtet den anderen, wie er das findet. Ich provoziere ein bisschen und versuche sie aus der Reserve zu locken. Meist wird es schnell langweilig. Manchmal bereue ich’s später auch, aber nicht sehr lange.
Da blüht was
Im Garten steht ein Strauch, den Namen kenne ich nicht. Er hat keine Blätter mehr aber jede Menge kleine weißrosa Blütenknospen. Ein paar der Blüten sind schon aufgegangen. Sie sind fast weiß mit einem leichten Stich ins rosafarbene. Das sieht merkwürdig aus, wie aus der Zeit gefallen. Als ob’s kein Spätherbst wär.
Ich wäre gerne raus gegangen, mir den Strauch aus der Nähe anzusehen statt nur vom Fenster. Aber die Hunde waren los. Und Mme. Lilli hat’s nicht gern, wenn ich nach Hund rieche. Vielleicht sind morgen die Hunde verreist, dann wird der Strauch begriffen.
Affen der Assoziation
Über das Denken:
[...] man denkt ungeheuerlich schnell, man denkt auch manchmal polyphon – während ein schwerer Gedanke wie ein Glockenton in der Tiefe brummt, hüpfen oben die Affen der Assoziation auf und ab.
Kurt Tucholsky, Ulysses, 1927
Morbus Cleartype?
Taumele zuverlässig meinem ersten Cleartype generierten epileptischen Anfall entgegen. Cleartype – das Hübschmachen von Schrift auf LCD-Bildschirmen – könnte eine feine Sache sein, wenn die Schrift nicht so verwaschen und unscharf würde. Scheine zu der Minderheit zu gehören, die das besonders intensiv empfindet. Warum musste ich nur mit Cleartype herumspielen? Jetzt kann ich Texte ohne Cleartype nicht mehr ertragen und mit auch nicht. Eine Tragödie. Hoffe noch auf einen Gewöhnungseffekt.
Eichhörnchen und Weihnachtsbäume
Gestern von meinem Fenster aus ein rotes Eichhörnchen gesehen. Es lief sehr eilig durch Nachbars Garten, blieb nur ab und zu kurz stehen, um die Lage zu peilen. Schließlich rannte es über die Straße davon. Die Biester sind jetzt sehr beschäftigt. Müssen Eichen und Walnussbäume pflanzen.
Auch sah ich gestern einen Lastwagen bis oben hin beladen mit Weihnachtsbäumen. Die Bäume waren in Netze gesteckt und eng verschnürt. Damit auch keiner abhauen kann. Der Fahrer hampelte auf der Ladefläche herum, das Abladen vorzubereiten. Mir wurde ziemlich besinnlich.
Sieh zu und lerne!
Ein feiner Artikel des Freitag, der es auf den Punkt bringt: Spieß umgedreht. Die Lokführergewerkschaft gibt ein Lehrstück. Es wird Zeit, dass auch ein klein wenig Verunsicherung von unten nach oben transferiert wird. Nur weil lange keine Gefahr bestand und ihr da oben eure neoliberalen Späßchen weitgehend ungestört gespielt habt, heißt das nicht, dass es ewig so weiter gehen muss.
Man glaubt eurer Propaganda nicht mehr. Das ist schon ein wichtiger Schritt:
Der inszenierte mediale Aufschrei, dass ungezogene Lokführer „ein ganzes Land lahm legen“, fand nicht die Resonanz wie erwartet. Klammheimlich sind vielleicht nicht alle zwangsflexibilisierten Individuen so tief traurig darüber, wenn die Mobilität für den Billig-Job ein wenig still gestellt wird. Wo die Normalität nachgerade unerträglich ist, wünscht man sich gelegentlich eine Art Erdbeben. Auch die Anklage, dass womöglich der „Aufschwung“ kaputt gestreikt wurde, riss kaum jemanden vom Hocker. Welcher Aufschwung? Bei den allermeisten ist da nichts angekommen.
Es muss sich nur genug Wut akkumulieren, dann geht auch was im Lande. Leider dauert in Deutschland alles etwas länger. Wenn’s denn nur gut würde.
Bedingt abwehrbereit
Heute sehr missvergnügt gewesen. Alles störte, selbst die Katze. Böse Worte an sie gerichtet. Später aber bereut. Habe mein seelisches Gleichgewicht mit Einbruch der Dunkelheit wiedergewonnen. Oder die Illusion davon. Möchte das gerade nicht näher untersuchen.
Gewinne zunehmend den Eindruck, dass das übrige Jahr nur dafür da ist, um mich von den Zumutungen der Vorweihnachts- und Weihnachtszeit erholen zu können. Denn diese strengen sehr an. Auch scheinen mir die Weihnachtsfeste in immer schnellerer Folge zu begegnen. Es war doch grad erst eins. Und nun: Überall wo man nur hinsieht und hinhört – Besinnlichkeitsfaschisten. Schon wieder.
Wichtelphobie
Da ich mich der Peinlichkeit des Wichtelns nicht entziehen kann, brauche ich nun ein kleines Geschenk. Es wurde die Festlegung getroffen, ein Ramschwichteln durchzuführen. Da soll man kein Geschenk kaufen sondern etwas verschenken, was man besitzt aber nicht (mehr) benötigt.
Nun stellt sich aber für einen Messie aus Überzeugung der Fall, dass er einen Gegenstand nicht mehr brauchen könnte, praktisch nicht. Was weiß denn ich, das eben Verschenkte kann ich durchaus einen Tag später dringend benötigen. Das ist eine sehr reale Möglichkeit.
Da sieht man wieder: Soziale Kontakte bringen nichts als Probleme!

