Archiv für Dezember 2007
Sozialkontakt
Verspüre wenig Lust der Silvestereinladung zu folgen. Warum sage ich solchem Mist auch immer zu? Das ist mir vollkommen klar: Weil die Feier zum Zeitpunkt der Zusage noch meilenweit entfernt ist. Außerdem sollte man eine Absage auch so begründen, dass der Einladende sich nicht zu sehr vor den Kopf gestoßen fühlt. Eine Zusage ist da zunächst viel einfacher und nun habe ich den Salat. Jetzt muss ich wieder witzig, interessiert und gut gelaunt tun obwohl ich das alles nicht bin und nur meine Ruhe will. Das Schönste an so einer Feier ist, dass sie vorbeigeht.
Das war so und das bleibt so
Ob Kriege oder Klimawandel, das wird schon irgendwie:
Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, daß Menschheits-Probleme „gelöst“ werden. Sie werden von einer gelangweilten Menschheit liegengelassen.
Kurt Tucholsky, So verschieden ist es im menschlichen Leben, 1928
Stille Nacht weg
Die Dummbeutel haben sich wieder mit Knallern bewaffnet und üben schon fleißig für den Jahreswechsel. Kaum senkt sich die Nacht, werfen sie wieder Feuerwerkskörper in der Gegend herum und freuen sich an Lärm und Gestank. Bumm, bumm, bumm – bis die Schachtel leer ist. Erst dann geben sie kurz Ruhe. Zumindest bis Mutti eine neue Schachtel aus dem Fenster herunterwirft. Mir wird ganz warm ums Herz. Es wird so viel verboten, warum nicht dieses blöde Herumgelärme zum Jahreswechsel, fragt man sich?
Ganz einfach. Wahrscheinlich hat ein mögliches Verbot des Ganzen wiederum die Wirtschaft verboten. Die ARBEITSPLÄTZE, die verloren gingen! – werden sie wie recht häufig argumentiert haben. Großer Gott, die ARBEITSPLÄTZE! Denkt denn niemand an die ARBEITSPLÄTZE? Was sind dagegen schon ein paar verlorene Finger, angebratene Gesichter oder die eingebüßte Gemütsruhe einzelner Miesepeter – Bagatellen!
Ausgelüftet
Heute einen Spaziergang um den Block gemacht mit dem Ziel, dabei die Kopfschmerzen loszuwerden. Das habe ich nicht erreicht. Schön war’s trotzdem. Die Sonne stand kurz nach Mittag immer noch so tief, dass man nach Süden hin nur blinzeln konnte. Von Nordwesten zog langsam eine Wolkenbank herein, der Wind war schwach aber kalt.
Die Maulwürfe auf den Wiesen waren vom Frost der letzten Tage nicht sehr beeindruckt und stießen mit dem Köpfchen wacker ins Freie. Seit langer Zeit wieder einmal in einem Garten Apfelbäume mit weiß gekalkten Stämmen gesehen. Ist das jetzt noch altes Wissen oder schon wieder neues Wissen?
Fehldeutung
Man warf mir einen skeptischen Blick vor, dabei musste ich nur pinkeln.
Eingang Schloss Nickern
Am Schloss Nickern
Habe mir heute einen Spaziergang verordnet aus Verdauungsgründen und um Kopf und Lunge auszulüften. Also deshalb heute zum Nickerner Schloss begeben. Aus Dösigkeit aber zu spät abgebogen, so dass ich am Bach, von dem ich glaube, dass es der Geberbach war, zum Schloss zurücklaufen musste. Der Bach hatte an den Rändern schon eine hübsche Eisschicht angesetzt, in der Mitte floss das Wasser dafür zu schnell. Nur an manchen Stellen war der Bach oberflächlich ganz zugefroren. An den Abruchkanten konnte man die Eisstärke abschätzen – ca. 4 cm würde ich sagen.
Oberhalb des Schlosses hat man ein Bachareal hübsch renaturiert mit kleinen Mäandern und natürlicher Uferbefestigung. Das freut mich immer obwohl ich damit beruflich gar nichts mehr zu tun habe. Als ich am Ufer stand, wieselte irgendwas durch das hohe Gras davon. Eine Maus vielleicht. Eine Menge Amseln fraß an den verbliebenen Äpfeln der auf der Wiese stehenden Bäume herum. Die von der Sonne nicht erreichten Bereiche in dem kleinen Tälchen hatten noch eine dicke Reifschicht. Es war kalt im Tälchen.
Traumfragmente + statistischer Hinweis
Träume seit kurzem wirre Sachen. Es kommen Wälder, merkwürdige Vorgänge und seltsame Menschen vor. Früh habe ich bis auf ein paar Bruchstücke alles vergessen. Wahrscheinlich wird die Traumfabrik durch Überfressung zu später Stunde noch angeregt. Dann sitzt der schwarze Hund auf dem Bett, sagt mein Onkel immer. Könnte stimmen.
Habe am 24. Dezember auf Arbeit von einer Kollegin eine Batterie Underberg Kräuterlikör geschenkt bekommen. Werde es mir zur Angewohnheit werden lassen, vor dem zu Bett gehen ein Fläschchen zu verzehren. Aus rein medizinischen Gründen.
(Nicht das es wichtig wäre aber dieser Eintrag ist der tausendste hier im Ostblog.)
Dombrowski und andere
Gestern ein Buch bekommen und zwar dieses hier: Georg Schramm, Lassen Sie es mich so sagen…. Sehr darüber gefreut. Ich halte Georg Schramm für einen der besten zeitgenössischen politischen Kabarettisten, wenn nicht den besten. Gehn Sie mir weg mit den zahnlosen sogenannten Comedians, diesen lächerlichen und peinlichen Figuren, die glauben ihre Hampeleien hätten etwas mit Kabarett zu tun. Schlechte Pausenclowns sind das bestenfalls.
Georg Schramm ist Kabarettist der alten Schule, was für sich genommen schon ein Qualitätsmerkmal ist. Das der Scheibenwischer auf dem absteigenden Ast ist, liegt zum einen am Aufhören von Hildebrandt zum anderen am Weggang von Schramm. Absolut sehenswert: Neues aus der Anstalt – das (nicht mehr ganz) neue Fernsehbetätigungsfeld von Schramm nach dem Scheibenwischerschlussstrich.
Ganz anders
Möchte dem zustimmen:
Dies ist, glaube ich, die Fundamentalregel alles Seins:
„Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders.“
Kurt Tucholsky, So verschieden ist es im menschlichen Leben, 1931


