Geschafft
Der alte Mann ist tot, am Freitagabend Donnerstagabend¹ gestorben. Am Montag ist er schon halb vergessen. Sein Name fällt nur noch im Zusammenhang mit dem Papierkrieg, der mit seinem Ableben einhergeht. Die Person spielt keine Rolle mehr. Habe einen Blick in sein Zimmer geworfen, das Bett steht anders, die Dekubitus-Matratze ist zusammengepackt und wird sicher bald von der Krankenkasse abgeholt.
Sein persönliches Eigentum ist in Kisten und Säcke gepackt, ein Protokoll darüber geschrieben worden. Bis zur Abholung durch die Hinterbliebenen wurden seine Sachen nun in ein mit “Nachlassraum” hochtrabend bezeichnetes Kämmerchen gestopft. An der Wandzeitung wird es bald einen nichtssagenden Standardtext über den Tod des alten Mannes geben. Das war’s. Wieder einer abgehakt.
¹ Selbst über das Sterbedatum kursieren unterschiedliche Varianten.
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Was mich wundert ist, dass anscheinend keine Angehörigen gerufen wurden, als er im Sterben lag. So kenne ich das aus meiner Heimat: auch wenn man zu Lebzeiten nicht immer grün miteinander war, man kommt. Es ist der letzte Dienst, ihn da zu begleiten. In Bayern bekommt man frei vom Arbeitgeber.
Wenn seine Sachen im Nachlassraum deponiert wurden und nicht gleich weggeworfen hatte er doch welche, oder?
Sehr nachdenklich.