Hängt sie höher
10Mai08
Gestern sah ich NPD-Leute ihre Wahlplakate in 2,50 Meter Höhe an den Straßenlaternen anbringen. Die lernen dazu. Gibt’s schon wieder was zu wählen? Interessiert mich das? Interessiert das irgendwen?
Heute dann die Wahlbenachrichtigungskarte - Kreistag und Landrat sollen gewählt werden. Ach guck an. Mein Glaube, dass sich durch eine “Wahl” irgendetwas ändern ließe, ist seit Jahren mausetot. Es ist scheißegal welches Parteibuch die Wahl gewinnt. Folklore für den “mündigen” Bürger. Bloße Demokratiesimulation.




Die Wahlen sind eine Farce. Es gibt nichts mehr zu wählen im Einheitsbrei. Die Steigbügelhalter der Wirtschaft regieren.
Ganz kann ich dem nicht zustimmen. Obwohl ich die mutlose Gefühlsgemengelage nachvollziehen kann, ist sie doch nicht her logisch:
Zur Wahl gehen, bedeutet, dass eben genau die Rechten, die im Übermaß (im Vergleich mit den gescholtenen gemäßigten Parteien) von Protestwählerpotenzial leben, nicht überhand nehmen und ist heute geradezu Bürgerpflicht eine besonnenen, wenn auch gedemütigten Bürgers.
Schon aus dem Grunde der Eindämmung rede ich hier vom Gleichgewicht der Kräfte.
Weiterführend als nur für diesen wichtigen Punkt will ich gar nicht argumentieren, denn ich würde hier damit wahrscheinlich eh nicht durchdringen.
Ich verstehe den Frust sehr gut wegen der Kungelage der meisten Parteien mit der Wirtschaft (in Weimar damals gab es genau den gleichen Frust und die gleiche Parteienverdrossenheit, sic!), aber tut mit den Gefallen, lasst um Himmels Willen die NPD und sonstige Nazis nicht durch das Nichtwählertum allein schon stark werden. Reicht schon so.
Heute vor 75 Jahren war auf dem Berliner Bebelplatz Bücherverbrennung. NS-Studenten haben am 10. Mai 1933 Hunderte Bücher jüdischer, sozialistischer und pazifistischer Autoren ins Feuer geworfen.
Das muss ich nicht noch mal haben, ansonsten gehe ich persönlich zu Bardamu rauf und ziehe ihn kräftigst an den Ohren, was er sich bei seinem Aufruf zur Wahlverweigerung gedacht hat: wohl nix.
Grüße aus München,
wo die Nazis damals ebenfalls kräftig am Ruder waren.
Und heute auch rumschleichen.
Wenn ich Rechte sehe, wird mir kotzschlecht und
ich gehe allein schon deswegen zur Wahl.
Ich hab zu gar nix aufgerufen, aus dem Alter bin ich raus. ;o)
Ich habe nur meiner Desillusionierung Ausdruck gegeben. Ich empfinde mich nicht als Teil des Ganzen. Ich bin draußen in mehrfacher Hinsicht.
Wen ich wählen sollte, wüsste ich immer noch nicht. Die Nazis nicht, ist klar. Aber wen von den anderen? Die sind vielleicht nicht so dumm und unelegant wie die Nazis aber in moralischer Hinsicht mindestens eben so verkommen.
Ganz einfach, strategisch und unemotional:
Ich wähle die ab, die zu lange schon dran sind.
Verhindert Filz, beste Methode ever.
Nach Parteiprogrammen oder nach Gesichtern oder nach Ethik braucht man kaum wählen. Das ist alles Medien-Hype.
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“Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.”
(Winston Churchill am 11. November 1947 bei einer Rede im Unterhaus )
Auch keine befriedigende Strategie. Ich bin diesen ganzen pseudodemokratischen Budenzauber müde. Man kann ein verkommenes System nicht mit den Mitteln ändern, welche eben dieses System seinen Untertanen zur Verfügung stellt.