Archiv für August 11th, 2008
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Gefunden in einer Buchbesprechung Tucholskys von Kästners „Ein Mann gibt Auskunft“:
Ich glaube: Kästner hat Angst vor dem Gefühl. Er ist nicht gefühllos; er hat Angst vor dem Gefühl, weil er es so oft in Form der schmierigsten Sentimentalität gesehen hat. Aber über den Leierkastenklängen gibt es ja doch ein: Ich liebe dich – es gehört nur eine ungeheure Kraft dazu, dergleichen hinzuschreiben.¹
Anmerkung: Das Aussprechen ist auch nicht einfacher.
[¹ Kurt Tucholsky, Auf dem Nachttisch, 1930]
Nikolaikirche
Kirchgang
Auf dem Friedhof an der Nikolaikirche in Dippoldiswalde gewesen. Wollte eigentlich Sonnenblumen fotografieren, die mickerten aber nur. Also Friedhof – auch schön.
Der Friedhof ist unspektakulär, aufwendig gestaltete Grabmale habe ich nicht gefunden. Das Beeindruckende ist die Kirche selbst. Eine weitgehend unverfälschte romanische Basilika. Ganz klassisch schlicht, hat nicht mal einen Kirchturm. Die Tür war offen, keiner drin. Ich also hinein. Drinnen fast ganz dunkel, nur wenige kleine Fenster. Kühl ist es, wie immer in Kirchen, und es riecht nach den vergangenen Jahrhunderten. Wenn man einen Begriff von der Zeit haben will, soll man sich alte Kirchen ansehen. Da steckt sie in jeder Mauerfuge. Alte Fresken oben auf den Wänden des Hauptschiffes, kaum noch zu erkennen. Darstellungen aus dem Leben des heiligen Nikolaus, lese ich später.
Rings um die Kirche die Gräber. Einige Leute – meistens alte – sind mit Harken und Gießkannen zu Gange und richten die Gräber ihrer Angehörigen. Sie sind mit Ernst bei der Sache. Ich mache Fotos der Kirche und stelle dabei fest, die besten Standpunkte dafür scheinen mitten in den Grabanlagen oder besser noch auf den Grabsteinen selbst zu liegen. Ich probiere das nicht aus.


