Archiv für September 2008
Gefunden
Schon länger existent, von mir aber erst gestern wahrgenommen: Seen.by. Eine Plattform, die Foto-, Grafik-, Fashion- und Designarbeiten auf ihren Seiten präsentiert. Für mich sind vor allem die Fotoarbeiten interessant, habe da schon einige interessante Bilder gefunden. Bemerkenswert, dass der vielgescholtene SPIEGEL da seine Finger drin hat. Dafür mal ein kleines Lob.
Schloss Kuckuckstein
Liebstadt
Heute nach Liebstadt gefahren. Das Auto unten auf dem Marktplatz gelassen und herumgestrolcht. Hochgeklettert zur Kirche mit Friedhof. Von da das Schloss Kuckuckstein fotografiert, welches fern an eine Raubritterburg erinnert. Früher gehörte dieses Schloss bzw. die Vorgängerburg ebenfalls den Burggrafen von Dohna, bis sie in der schon genannten Fehde mit den Markgrafen von Meißen unterlagen.
Auf einer Streuobstwiese oberhalb von Liebstadt stahl ich mehrere Äpfel. Rot die der Sonne zugewandte Seite, grün die andere, Würmer anbei. Sehr schmackhaft. Sah dort ebenfalls noch etliche Lesesteinwälle mit entsprechendem Bewuchs: Feldahorn, Bergahorn, Esche und Eberesche. Wie sich das gehört. Die bucklige Landschaft hat sich erfolgreich der industriellen Landwirtschaft verwehrt, zumindest, was die Flurbereinigung angeht.
Als ich auf einer Bank saß und was ins Büchlein schrieb, lief mir ein freundlicher Labrador zu. Er brachte mir ein Stück Holz mit und legte sich zu meinen Füßen. Erst nach einer ganzen Weile kam das Herrchen, ein älteres, den Weg herauf und freute sich über meinen schönen Hund. Unaufgefordert erzählte er mir große Teile seiner Lebensgeschichte beim Hund beginnend über die Kinder, die Enkel wieder zum Hund zurück. Ich habe fast nichts gesagt, nur zugehört. Er hat sich trotzdem gefreut.
Parallelen?
Stieß in dem Beitrag über Edward Weston auf fokkusiert.com auf die Gruppe f/64. Deren Postulate und ihre Gegnerschaft zu den Pictorialisten erinnert mich ein ganz klein wenig an die heutige Zeit und die unterschiedlichen Ansichten der Fotoentwicklung zwischen den Minimalentwicklern und den Photoshopisten.
Die Technik mag wohl fortschreiten, die verschiedene Herangehensweise, die Vorstellung, was Fotografie sein soll, ist seit den Anfängen sehr viel beständiger.
Autobahn
Heidenschanze
Auf der Heidenschanze bei Coschütz gewesen. Fast ist es wie früher, wenn in der Tiefe nicht der Verkehr rauschte. Herumgelaufen und durch ein Loch im Maschendrahtzaun die Autobahn fotografiert. Habe zu Hause lange überlegt, welche Bildversion mir besser gefällt, die schwarzweiße oder die farbige. Knapper Vorsprung für die schwarzweiße…
Später oben auf der Wiese gesonnt. Die Grillen führten sich auf als wär noch Sommer. Kein Mensch weit und breit. Kann man schön seinen Gedanken nachhängen und was ins Büchlein kritzeln. Später: Eine Frau mit Hund, Rentner mit Fahrrädern. Eine Wolke vor der Sonne und die Grillen machten Feierabend. Zeit zu gehen.
Feminine Egozentrik
Männer jammern und tun als ob sie sterben müssten, wenn sie ein kleines Zipperlein mit sich herumtragen, heißt es immer. Es heißt auch Frauen täten das gerade nicht. Ich weiß nicht, wer diese Mär erfunden hat (eine Frau wahrscheinlich). Das stimmt jedenfalls nicht.
Ich bin auf Arbeit umgeben von Frauen, die sich den lieben langen Tag ihre Erkältungsgeschichten, Rückenschmerzen, Hitzewellen und was-weiß-ich-noch-alles vorerzählen. Ein Füllhorn des Leides wird da täglich entleert. Unglaublich. Es leidet sich wohl besser, wenn man die kleinen Unpässlichkeiten des Lebens so richtig in Szene setzt. Vor Publikum versteht sich.
Mir geht das Geflenne auf die Nerven, denn ich bin auch ein Leidender. Ich bin auch erkältet, mein Rücken tut auch weh, ich habe den siebenten Tag Dienst usw. usf… Aber ich leide still und heldenhaft, wie sich das gehört. Die Damen sollten sich an mir ruhig ein Beispiel nehmen.
Telefonterror
Da sie nun doch anrufen, die SPIEGEL-Burschen, meine Meinung zu hören: Hier ist alles gesagt. Es bleibt dabei, ich telefoniere nicht. Buchen Sie die Aktion bitte unter Marketingfehlschlag.
Nachschub
Gestern kam die Nachfolgerin für die verstorbene Frau H. Der Fall ist noch komplexer. Eine stark übergewichtige Komapatientin mit Trachealkanüle, Magensonde, Dauerkatheter und weiß der Kuckuck. Komplikationen bei und nach einer Hirntumoroperation. Deshalb auch kein Schädeldach mehr. Muss man nicht nur mit dem Kamm Obacht gaben… Patientin kann sich nicht äußern, kein Schmerzempfinden, kein Lichtreflex in den Pupillen, Cheyne-Stokes-Atmung… Der Ärztebericht hat sechs Seiten.
Auf dem Nachttisch der obligatorische Blumenstrauß und das Herzlich-Willkommen-Kärtchen.




