Koofmich
Ein Vertreter für Medizinprodukte. Der ewig gleiche Typus. Geschwätzige zielgerichtete Leutseligkeit, überschwengliche Lobpreisung, dieses Produkt sei das Beste, penetrante Nennung des Gegenübers beim Namen zur Schaffung verlogener Intimität…


Der will doch auch nur leben und hat vielleicht einen Kredit abzubezahlen (oder weiß der Geier was). Vielleicht ist er aber überzeugt von seiner Ware – das wäre für ihn ein Glücksfall. Im übrigen sollte man in Pharmaaktien investieren.
an.na
22. Oktober 2008 um 11:06
Nene, die sind alle so.
Und zwar „zu Recht“, wenn ich das höflich vermerken darf.
Denn jeder Kunde möchte zuvorkommend umgarnt werden. Er steht drauf. Notfalls auch aufs Übertriebene. Egal ob er Chefarzt oder Einkäufer einer Klinik oder eines Pflegeheims ist, oder die alte Dame an der Haustür. Der Wunsch nach überschwenglicher, positiver Beachtung ist leider zutiefst menschlich und der Pharma-Akquisiteur richtet sich lediglich danach. Dazu gibt es komplette Vertriebsausbildungsgänge. Daher wirken sie wie alle aus der gleichen Schule kommend.
Der Wunsch ist so stark (fast möchte man böse sagen die psychiatrische Bedürftigkeit), dass viele Angesprochene es gar nicht mehr merken, wenn zu dick aufgetragen wird.
Bardamu hat ein feines Gespür für zu dicke Schminke und das ehrt ihn.
Viele Leute aber haben kein so feines Gespür, oder es wird überdeckt, weil ihr Wunsch nach Beachtung stärker ist als das Gespür. Und zwar egal, ob sie, da einsam, übermäßig nach Kontakt hungern, oder ob sie in der Chef-/Einkäuferetage eigentlich alles an Zuspruch haben, was sie brauchen (devote Angestelle, ehrerbietige SekretärInnen). Sie wollen mehr, es kann nie genug Egoumschmeichelndes sein.
Das lässt sie nachlässig werden und schwupps.
Ich selber mag es ebenfalls überhaupt nicht, wenn mein Name im Gespräch übermäßig oft vorkommt oder wenn überschwenglich auf mich zugeeiert wird. Das klingt geschult und unecht und ich ziehe mich sofort zurück.
Aber ich merke, dass es meine Kunden oft von mir erwarten. Sie sind enttäuscht, wenn ich trocken und sachlich argumentiere, sie nicht oft genug lobe, all das. Ich arbeite dran, aber manche Kunden sind unersättlich.
Alore Bardamu, der mainstream sind wir beide grade nicht….
Vroni
22. Oktober 2008 um 13:40
Es stimmt, dass jeder Kunde umworben sein will. Das sehe ich als Freiberufler mit etwa einem Dutzend relativ festen Auftraggebern auch so. Ich bin froh, dass ich nicht mit Pharma-Proben durch das Land reisen muss und dass ich auch meine Aufträge auf andere Weise akquirieren kann.
Vroni sagt: Jeder Kunde will umworben sein. Sie weist auf die Vertriebslehrgänge hin, die alle Pharmavertreter gleich erscheinen lassen. Der Pharmavertreter müsste allerdings professionell arbeiten, die Situation erkennen — und Bardamu in diesem Fall auf andere Weise überzeugen.
Im Grunde ist es aber ein Problem beider Kommunikationspartner: auch der potentielle Kunde muss (meiner Meinung nach) professionell genug sein, dem Vertreter seine Auffassung darzustellen. Vielleicht sollte man Ärzte, Pfleger und Verwaltungsfachkräfte speziell darin schulen, wie sie am besten mit Pharma-Referenten umgehen können;-)
stefanolix
26. Oktober 2008 um 13:36
„Nene, die sind alle so.“ Eben. Kennt man einen, kennt man alle. Egal, was sie verkaufen. Der Typus ist mir zuwider, auch wenn sie privat liebe Familienväter sein mögen, ihre Frauen nicht schlagen und die Schwiegermutter gern haben. Ich hab sie nicht gern.
Ich bin kein Kommunikationspartner. Ich will nicht umworben sein. Im speziellen Beispiel nicht und prinzipiell nicht. Ich beobachte nur. Mich geht das alles gar nichts an.
Ferdinand Bardamu
27. Oktober 2008 um 19:31