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Gesundes Volksempfinden

mit 9 Kommentaren

Sah neulich oben am Spitzhaus eine biedere Familienkutsche mit einem Aufkleber am Heck: „Todesstrafe für Kinderschänder“ in Fraktur stand darauf. Hätte gerne gewartet und mir den Autobesitzer angesehen. Was ist das für ein Typ, der so was hinten an sein Auto klebt? Schon mal über die Todesstrafe ein wenig reflektiert?

Geschrieben von Ferdinand Bardamu

8. April 2009 um 13:13

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9 Antworten

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  1. Wieso Typ? Vielleicht hat sein Weibchen den Aufkleber angepappt?
    Ich sah letztens Mütter/Furien die ihren Kindern Transparente mit dem Aufdruck „Raus du Sau!“ in die Hände drückten…
    G.M.gemeiner Mob
    http://de.indymedia.org/2009/03/244812.shtml

    Talia

    8. April 2009 um 18:46

  2. Das ist doch so ein Werbeslogan der hiesigen NPD. Ich sehe hier auch häufig ein Auto damit herumfahren. Der Typ, der das Auto fährt, sieht (leider) genauso aus, wie man sich so jemanden vorstellt.

    an.na

    8. April 2009 um 21:23

  3. Meiner Meinung nach erfüllt ein solcher Aufkleber den Tatbestand der Volksverhetzung (Höchststrafe 5 Jahre Knast); auf jeden Fall ist es ein Aufruf zur Gewalt (Strafmaß mir unbekannt, aber wohl nicht viel anders).

    Claudia

    9. April 2009 um 22:39

  4. NPD – das glaube ich gerne. Vor allem wird man immer verdächtigt, wenn man gegen die Todesstrafe sei, sei man wohl für die Täter, hege Sympathien für sie. Sei wohl selber, wie in diesem Falle, ein verkappter Kinderschänder. Wie kann man sich für solche Leute einsetzen? Dabei hat es mit der Straftat gar nichts zu tun, natürlich muss eine Gesellschaft hier eine harte und der Schwere der Tat angemessene Sühne finden. Nur die Todesstrafe als Sühne lehne ich grundsätzlich ab. Ohne religiös zu sein, empfinde ich ganz stark: hier übersteigt der Mensch sein Maß.

    Ferdinand Bardamu

    10. April 2009 um 11:27

  5. Zudem muß, wer Todesstrafe will, auch Henker wollen. Todesstrafe bringt professionelle Killer mit sich. Wer dafür ist, muß sich sagen können: Besser meine Tochter wird Henkerin, als daß sie arbeitslos ist.

    Claudia

    10. April 2009 um 19:44

  6. Man kann ja dann auf Nachfrage erzählen: „Meine Tochter macht irgendwas mit Menschen, was Soziales halt.“

    Nein, gar nicht lustig.

    Ferdinand Bardamu

    11. April 2009 um 09:57

  7. Ich habe ein Autoheck gesehen, auf dem stand der selbe Spruch in einer typischen Schreibschrift, die eigentlich nur Frauen nutzen.

    Es scheint ursprünglich aus dem Englischen zu kommen, wobei es dort noch »Kindermörder« hieß (an einem Auto sah ich beide Versionen).

    Ich fürchte, es beschränkt sich nicht nur auf Neonazis im engeren Sinne. Dieser Spruch kommt auch bei Rechtsextremen und Rechtskonservativen.

    Da finde ich es sehr beruhigend, dass wir einen stabilen Rechtsstaat haben, in dem man Strafen nicht nach dem kranken Volksempfinden einführen kann.

    stefanolix

    21. Juni 2009 um 06:54

  8. Das Volksempfinden muss ja nicht immer krank sein, es kann durchaus ein die verkopfte und verbücherte Jurisprudenz ergänzendes Element sein. Das Geschworenensystem, wie in anderen Ländern angewandt, ist ja eine domestizierte Form der Berücksichtigung des gesunden Volkesempfindens.

    Stabiler Rechtsstaat – ich bin da kleinlaut geworden. Die Legislative und besonders die Exekutive, die habe ich weitgehend abgeschrieben, auf der Judikative, besonders der obersten Gerichte, liegen immer noch meine Hoffnungen. Sie nehmen aber langsam die Form frommer Kinderwünsche an. Das Staatsgebilde erscheint mir in seiner Gesamtheit zunehmend als ein Koloss auf tönernen Füßen. Die Grundübereinstimmung des Staatsvolkes mit seiner Administration zerbröselt. Und das ist auf Dauer wirklich bedenklich.

    Ferdinand Bardamu

    21. Juni 2009 um 19:04

  9. Ich gebe Dir recht, dass das Volksempfinden manchmal auch ein ergänzendes Element sein kann und gestehe zu, dass vielleicht sogar Verbesserungen daraus erwachsen können.

    Manchen Ausdruck des Volksempfindens muss ich akzeptieren, auch wenn ich anderer Meinung bin. Das Volksempfinden einer Mehrheit der Dresdner kann durchsetzen, dass bald ein hässliches Bauwerk unser Elbtal verschandelt. Ich kann wiederum dagegen sein, aber da geht es ja nicht um Leben und Tod.

    Ich halte es wirklich für den Ausdruck einer kranken Psyche, wenn vereinzelt die Wiedereinführung der Todesstrafe gefordert wird. Der Mensch darf sich nicht von der Gier nach der extremsten Form der Rache beherrschen lassen. Ich hoffe, dass die Mehrheit weiterhin hinter der Abschaffung der Todesstrafe steht und dass das Verbot der Todesstrafe nicht eines Tages ernsthaft verteidigt werden muss. Aber in dieser Sache ist der demokratische Rechtsstaat heute wirklich noch stabil.

    stefanolix

    21. Juni 2009 um 22:01


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