Archiv für die Kategorie ‘Innenleben’
Innerer Reichtum
Meinen Jackpot hat ein anderer. Wie kommt der dazu? Ich hatte das Geld fest eingeplant. Wovon soll ich das Schloss jetzt bezahlen? Der macht sich nun einen schönen Lenz mit meinem Geld. Frechheit!
Dafür weiß ich seit gestern, dass ich drei Nieren habe – insgesamt. Die rechte ist doppelt. Braucht jemand eine? Beste Qualität und schon eingearbeitet! Ich kann sie nicht ganz billig abgeben (das Schloss!) aber sie ist jeden Cent wert. Nur ernstgemeinte Zuschriften von Kaufinteressenten erbeten.
Anmerkung
In den Weinbergen zu sitzen, in der Abendsonne – umtorkelt von Faltern, umzirpt von Grillen -, und dem Wein beim Reifen zuzusehen, ist nicht die schlechteste Art seine Zeit zu verbringen.
Farbspiel
Sehe für meine Zukunft gerade schwarz. Das ist aber – bei Lichte besehen – auch nichts Neues. Was bleibt, ist nur Haltung zu bewahren bis zuletzt.
Nachtrag 14.09.09 00:13 Uhr:
Na gut, sagen wir dunkelgrau.
Kuckucksnest
Mittlerweile in der Psychiatrie gelandet. Zum Teil rührt mein Unbehagen auch von der Ahnung her, einige Insassen könnten mir nur ein paar Schritte voraus sein. Starker Tobak.
Flüchtig
Heute einer Frau gefolgt, einzig aus dem Grund, weil mich ihr Parfum an eine Frau erinnerte, an die ich gar keine Erinnerung mehr hatte. Selbst ihr Parfum hatte ich vergessen – bis heute.
Nachthimmel
Habe gestern Abend einige Zeit bei den Mülltonnen mit Kopf im Nacken zugebracht. Es hatten sich einige Wünsche angesammelt, die ich gerne vorgebracht hätte angesichts von Sternschnuppen. Sind aber keine gekommen. Werd ich eben nicht glücklich, mir doch egal.
Buy two, get one
Ich hasse Reklamationen an der Kasse. Habe mir aus diesem Grund ein Hemd heute lieber ein zweites Mal gekauft, in der Hoffnung, dass dieses nun fehlerfrei ist. Das erste dann klammheimlich weggeschmissen. Vielleicht Geldverschwendung, auf alle Fälle jedoch Nervenschonung.
Beständigkeit
Das Gefühl der Fremdheit ist das beständigste in meinem Leben. Schön, wenn man sich auf etwas verlassen kann.
Zwischennotizen
Kann sehr gute und auch optisch ansprechende To-do-Listen anlegen. Habe aber Probleme bei der Abarbeitung. Das sollte am besten jemand anders übernehmen.
Arbeite sehr gerne am Wochenende, besonders am Sonntag. Die Stadt ist dann morgens so schön menschenleer. Viele Ampeln schlafen noch oder blinken gelb vor sich hin.
Heute Abschiedstour in der Ambulanz. Das letzte Öko-Ei mit Kaffee bei Herrn M. in der Küche verzehrt. Bald nun für Wochen im Hospiz. Keine Angst vor der konzentrierten Begegnung mit Sterben und Tod, nur diffuse Angst zu versagen.
Elektrisches
Habe mich heute unter Buchen aufgehalten – während eines Gewitters. Falls das nichts genutzt hätte, wäre ich dennoch nicht fehl am Platze gewesen. Die Buchen standen auf dem Johannisfriedhof in Dresden.
Vorher war ich bei der wunderbaren Frau B., die selbst im verschwitzten Zustand noch sehr gut aussieht. Ich habe das dienstliche Gespräch künstlich in die Länge gezogen und ihr zum Abschied gleich zweimal die Hand gegeben. Natürlich ist auch die Hand – Pars pro toto – von hervorragender Qualität. Ein haptisches und optisches Gedicht.

