Archiv für die Kategorie ‘Zitate’
Fredrik Marsh, Übergänge – Das Dresden Projekt
Eine Ausstellung in den Technischen Sammlungen Dresden, die ich mir unbedingt ansehen werde. Fotografien aus der Nachwendezeit, die den Übergang vom Alten zum Neuen in Dresden zeigen:
Fredrik Marshs Vorgehensweise ähnelt der eines Archäologen:
Verlassene Wohn- und Industriegebäude in den Randzonen der Stadt übten auf ihn eine magische Anziehung aus. [...]
Das kann ich nun wirklich nachvollziehen. Die Website von Marsh zeigt einige Bilder aus dem Dresden Zyklus.
(Dank an fokussiert.com für den Hinweis.)
Woran liegt das?
Einer Anregung Frau Buschheuers folgend. Schulische Beurteilung des kleinen Bardamu vom Ende des ersten Halbjahres der ersten Klasse, 6. Februar 1981:
Bardamu ist ein stiller, gewissenhafter Schüler. Er ist sehr um gute Leistungen bemüht. Das gelingt ihm auch schriftlich besser als mündlich. Seine Mitarbeit im Unterricht könnte wesentlich besser sein. Oft weiß er die Antwort, hebt aber nicht die Hand. Bardamu, woran liegt das? Zuverlässig erfüllt Bardamu seine Dienste und ist stets hilfsbereit. Ins Kollektiv hat er sich gut eingefügt. Schwatze nicht mit S.¹!
[¹] S. war meine Sandkastenfreundin.
Top-down?
Aus dem Freitag, Nr. 37, Im Wendekreis des Discofox – Beim Klassentreffen wird Bilanz gezogen. Was werden sollte. Was daraus geworden ist.
„[...] „Du hast doch studiert, was machstn da auf der Straße?“ Darüber streitet man dann eine Weile. Ob das Studieren eine(n) nicht zwinge, ein ganzes Leben lang studierte Arbeit zu machen.“
Solche Fragen! Darauf weiß ich immer keine Antwort – außer „Quatsch“ zu sagen. Was ich dann doch nicht tue. Ich stelle mir andere Fragen. Auf die ich dann auch keine Antwort weiß. Aber es sind andere Fragen. (Und zu Klassentreffen gehe ich auch nicht mehr.)
Augenblicke
Aufgeschnappt in einem kürzlich aufgefundenen Büchlein mit Anekdoten und Beobachtungen:
„Nimm, was du siehst, nichts siehst du zweimal!“
(Erwin Strittmatter, Schulzenhofer Kramkalender, Mardersuche)
Dem möchte ich mich anschließen. Futter sammeln für spätere geistige Wanderungen. Gestern zum Beispiel sah ich zwei Störche auf den Wiesen spazierengehen – mit großem Ernst und sehr würdevoll, so schien es mir jedenfalls.
Vier Eigenschaften guter Fotos
Beim Analysieren von Fotos, die ich instinktmäßig als „gut“ empfand, fand ich, daß diese Bilder ausnahmslos, obwohl in verschiedenem Maße, vier besondere Eigenschaften hatten:
- Aufmerksamkeit zu erregen,
- Absicht und Sinn zu offenbaren,
- gefühlsmäßig zu wirken,
- grafische Gestaltung zu besitzen.
Andererseits fehlten den Fotos, die mich kalt ließen, eine oder mehrere dieser Eigenschaften, und je größer diese Mängel in dieser Hinsicht waren, um so weniger gefiel mir das Bild.
Aus: Andreas Feininger, Andreas Feininger’s Große Fotolehre, 1978
Geschenkt?
Wenn man nicht geliebt wird, hat man sich zu wenig bemüht. – Wo las ich das noch? Las ich das irgendwo? Stimmt es gar?
Müdigkeit
Kurz notiert:
Wir sehen heute Nichts, das grösser werden will, wir ahnen, dass es immer noch abwärts, abwärts geht, in’s Dünnere, Guthmütigere, Klügere, Behaglichere, Mittelmässigere, Gleichgültigere, Chinesischere, Christlichere – der Mensch, es ist kein Zweifel, wird immer „besser“ … Hier eben liegt das Verhängnis Europa’s – mit der Furcht vor dem Menschen haben wir auch die Liebe zu ihm, die Ehrfurcht vor ihm, die Hoffnung auf ihn, ja den Willen zu ihm eingebüsst. Der Anblick des Menschen macht nunmehr müde – was ist heute Nihilismus, wenn er nicht das ist? … Wir sind des Menschen müde …
Friedrich Nietzsche, Zur Genealogie der Moral
Im Geist
Wir fühlen im Herzen, im Geist und im Bauch, dass unser Leben mit dem aller anderen verknüpft ist, dass wir nicht darauf verzichten können, zu lieben und geliebt zu werden, zu verstehen und verstanden zu werden, beizustehen und Beistand zu erhalten. Das Gefühl intellektueller und moralischer Überlegenheit über andere erfüllt nur den Hochmütigen mit Stolz.
George Sand, Ein Winter auf Mallorca
Betäubung
Die gesellschaftliche Ordnung, mit der nicht mal ihre Verteidiger wirklich sympathisieren, befriedigt niemanden, und jeder zieht sich dahin zurück, wo es ihm zusagt. Der eine wirft sich auf die Kunst, der andere auf die Wissenschaft, die meisten betäuben sich so, wie sie es vermögen.
George Sand, Ein Winter auf Mallorca
Schwäche
Die Unruhe des Geistes ist kein Zeichen von Größe. Jedes Fehlen von Harmonie zwischen dem Wesen und den Gegebenheiten, zwischen dem Leben und seinen Gesetzen rührt selbst bei den großen Menschen nicht von ihrer Größe her: es rührt von ihrer Schwäche her. – Warum diese Schwäche zu verbergen suchen? Ist der Schwächere der Liebe weniger würdig? – Er ist ihrer weit mehr würdig, denn er braucht sie mehr.
Romain Rolland, Das Leben Michelangelos

