Zur Akte Filbinger

Im Baseblog (http://www.deutsch.baseface.com) hatte ich heute morgen zum Thema Filbinger in dem Beitrag Funeral Party (http://www.deutsch.baseface.com/funeral-party) folgenden Kommentar geschrieben:

„Ich glaube nicht, dass Filbinger ein überzeugter Nazi war, nur hat er sich bereitwillig auf deren Linie begeben um Karriere machen zu können. Er hat sich damit zum Teil des Ganzen gemacht und den Laden am Laufen gehalten. Diese moralische Schuld hat er, da braucht man sich gar nicht in juristischen Spitzfindigkeiten zu verlieren.

Was man bei ihm vermisst, ist dass er sich mit diesem Teil seiner Schuld nach dem Krieg nicht auseinandergesetzt hat. Dieses widerliche ‚Aber ich habe doch niemandem geschadet.‘, ‚Die Zeit war eben so.‘, ‚Ich konnte gar nichts tun.‘ kommt immer von den Tätern und Mitläufern, das ist auch aus der DDR-Zeit bekannt.

Das Wesentliche: Er hätte nicht Jura studieren müssen. Wäre sein Abscheu vor den Nazis so groß gewesen, hätte er für sich den Schluss gezogen, wenn ein Studium der Rechtswissenschaften nur möglich ist, in dem ich Mitglied in der NSDAP und im NS-Studentenbund werde, dann studiere ich eben nicht. Er hat sich anders entschieden, menschlich verständlich aber eben moralisch verwerflich. Ein Opportunist und Mitläufer war Filbinger und ist dadurch schuldig geworden, auch wenn er selber das nie eingesehen hat.

Das sich Oettinger jetzt diese relativierende Sicht Filbingers zu eigen macht, ist einfach nur zum Kotzen. Eine Beerdigung ist nicht der richtige Ort für eine Generalabrechnung mit dem Verstorbenen. Richtig. Aber die dunklen Seiten eines Menschen nun in strahlend weiße zu verkehren, ist auch falsch.“

Dazu noch ein paar Gedanken:
Es ist keine Frage, dass es schlimmere Nazis im Dritten Reich gab als Filbinger und für einen Nazi halte ich ihn. Man könnte noch differenzieren zwischen Nazis aus Überzeugung und Nazis aus Karrieregründen wie Filbinger. Wobei mir der Karrierenazi eigentlich die größere Gänsehaut macht.

Ich halte Filbinger noch nicht einmal seine Vergangenheit vor, was mich stört ist seine später fehlende kritische Auseinandersetzung mit seiner Rolle in dieser Zeit. Immer dieses vertuschen, verschleiern, sich nicht erinnern können, abstreiten, Hetzkampagne rufen – einfach widerlich. Man kann auch nicht alles mit dem Totschlagsargument „Ihr Nachgeborenen habt ja keine Ahnung.“ zu den Akten legen.

Es geht mir nicht darum, ob Filbinger juristisch eine Schuld nachzuweisen ist, wahrscheinlich ist sie das nicht einmal, ich sehe die moralische Frage. Mir geht es nicht darum naseweise Ratschläge zu geben: Er und andere in dieser Zeit hätte sich so und so verhalten müssen, hätten Widerstand leisten müssen etc., das ist nachträglich aus der sicheren Zukunft ziemlich billig. Ich wäre wohl selbst auch kein Widerstandskämpfer geworden. Aber wenn sich einer aus Karrieregründen, die ich sogar verstehen kann, mit dem Teufel einlässt, macht er sich schmutzig. Der Dreck klebt am Rock, es bleibt ihm nichts anders übrig als es später wenigstens einzugestehen.

Nachtrag 19.05.2007 10:59 Uhr:
Wie ich bemerken musste, werden die Links zum nicht mehr existierenden Blog „Baseblog“ zu einer inhaltsfremden „Videoseite“ umgeleitet. Da für Außenstehende somit ein verwirrender Eindruck entsteht, habe ich die vormals aktiven Links, die nach der Löschung des Blogs „Baseblog“ und vor der Umleitung eine logische 404 Fehlermeldung erzeugten, deaktiviert.

27 Gedanken zu “Zur Akte Filbinger

  1. Und was sagt der Moralist dazu?

    “Heute, den zehnten August neunzehnhundertfünfundneunzig – 10.8.1995 – erschien vor mir, Dr. Eckart Keller,

    Notar in München, an der Geschäftsstelle in 81241 München (Pasing), (Gleichmannstr. 6/11:)

    Herr Guido Forstmeier geb. am 16.04.1912, Oberamtsrat a.D.
    wohnhaft Sanderplatz 10, 81247 München,
    nach Angabe im gesetzlichen Güterstande lebend,

    Der Erschienene wies sich aus durch Vorlage eines amtlichen Lichtbildausweises.

    Der Erschienene erklärt mit dem Antrag auf Beurkundung was folgt:

    Vom Notar wurde ich über die Bedeutung einer Versicherung an Eides Statt und über die strafrechtlichen Folgen einer wissentlich oder fahrlässig falsch abgegebenen Versicherung an Eides Statt unterrichtet.

    Hiermit erkläre ich, Herr Guido Forstmeier, die Richtigkeit der in der Anlage aufgeführten Angaben an Eides Statt, damit gegenüber Behörden oder sonstigen Dienststellen eine tatsächliche Behauptung oder Aussage glaubhaft gemacht werden kann.

    Ich bitte, mir eine Ausfertigung von dieser Urkunde zu erteilen.

    Vorgelesen vom Notar

    von den Beteiligten genehmigt

    und eigenhändig unterschrieben:

    Anlage

    lm Bewußtsein der strafrechtlichen, Bedeutung erkläre ich Folgendes an Eides statt.

    Als Oberleutnant und Kompaniechef in Hammerfest, Nordnorwegen, habe ich im Jahre 1944 zwei Stabsfeldwebeln – an mehreren Abenden – meine politischen Ansichten über den Krieg und die Politik dargetan. Ich hatte den Männern vertraut, es waren aber Denunzianten.

    Das Todesurteil schien absolut unvermeidlich. Trotzdem haben Kriegskameraden über einen mir unbekannten Juristen namens Dr. Hans Filbinger vom Marinekriegsgericht in Tromsö einen Rettungsversuch für mich unternommen. Heute, nach 50 Jahren kann man es sich kaum mehr vorstellen, wie schwer und gefährlich es war, für einen politisch Angeklagten einzutreten.

    Dr. Filbinger hat es getan.

    Die befohlene Rede zum 20. Juli 1944 soll nach Aussagen eines Oberfeldwebels eine klare Verteidigung der Attentäter gewesen sein.

    Ich hatte den Feldwebeln etwa gesagt.- “Hitler ist zum Verbrecher geworden, weil er mit dem Schicksal des deutschen Volkes gespielt hat.

    Wir Soldaten in Rußland sind getäuscht worden. Wir haben mit allen Verbündeten und Einheiten aus Spanien, Frankreich, Norwegen und Holland gegen den Kommunismus Stalins gekämpft. Hitler aber verfolgte eine Kolonialisierung des Ostens.”

    Ich habe Göring als Scharlatan bezeichnet, der unsere Luftwaffe kaputt gemacht hat und Goebbels ein Lügenmaul genannt, dem man kein Wort glauben könne.

    Nach einiger Zeit wurde ich verhaftet und nach Tromsö zum Kriegsgericht gebracht.

    Der Untersuchungsführer, Dr. Filbinger, zeigte mir das Protokoll meiner Aussagen und darin waren elf Punkte rot unterstrichen. Dr. Filbinger sagte, das seien die Punkte, auf denen Todesurteil stehe. Er sagte mir auch ganz deutlich, daß er keine Chance sehe, ein Todesurteil zu vermeiden, es sei denn, es gelänge den Prozeß so lange zu verzögern, bis die Kriegslage eine entscheidende Beeinflussung bringen würde.

    Dr. Filbinger fragte mich, ob ich Entlastungszeugen benennen könne die auch zuverlässig seien. Es sollten angesehene Offiziere sein, damit deren Aussage Gewicht habe. Wir haben uns dann zusammen bemüht, auch Offiziere zu benennen, die in der deutschen Bucht oder in Nordfrankreich stationiert seien. Er wollte dann die Akten zur Vernehmung versenden, um Zeit zu gewinnen.

    Aber das genügte noch nicht. Dr. Filbinger ließ die beiden Stabsfeldwebel kommen, die die Anzeige erstattet hatten und gestaltete die Vernehmung so, daß die Aussage entschärft werde.

    Die entscheidende Frage lautete:

    “Können Sie ausschließen, daß Ihr Kompaniechef Forstmeier diese Äußerungen nur machte, um Ihre Standfestigkeit zu prüfen, für den Fall, daß der lwan kommt?” Die beiden Denunzianten müssen mehr oder weniger sprachlos gewesen sein und daraufhin diktierte Herr Dr. Filbinger ins Protokoll: “Wir können natürlich nicht ausschließen, daß das alles nur Äußerungen waren, durch die unsere Standfestigkeit geprüft werden sollte.”

    Die Denunzianten gaben Ihre Unterschrift und das war natürlich von großer Bedeutung.

    Diese Vorgänge spielten sich im November 1944 ab. Bis die Akte von den Vernehmungen wieder zurückkam war es Februar 1945. Die Kriegslage hatte sich entscheidend verschlechtert, und ich kam mit einer Gefängnisstrafe davon.

    Dr. Filbinger hat mir das Leben gerettet. Er hat sich selbst in Gefahr gebracht, denn sein Vorgesetzter, Oberstabsrichter Dr. Rüger, war überall als ein “Blutrichter” gefürchtet.

    Einer meiner Zellennachbarn im Gefängnis von Tromsö war der Marinepfarrer Möbius. Wegen politischer Äußerungen war er bereits dreifach zum Tode verurteilt. Auch sein Leben konnte Dr. Filbinger retten.

    Vorstehende Abschrift stimmt mit der Urschrift überein

    München, den 10. August 1995

    Notar”

  2. Noch zwei interessante Dokumente aus dem Archiv des Diözesanarchivs Berlin


  3. Aha, das verbarg sich also hinter dem Einwurf, warum denn niemand nach Guido Forstmeier frage.

    Der Fall Forstmeier und Forstmeiers Äußerungen zu Dr. Filbinger während der Besatzungszeit in Norwegen waren mir bisher nicht bekannt. Wenn es so gewesen ist, wie Forstmeier seinen Fall schildert, spricht das für Filbinger, keine Frage.

    Ich sehe darin aber auch keinen Widerspruch zu meinen bisherigen Äußerungen. Ich habe ja nicht gesagt Filbinger sei ein ganz extremer Nazi gewesen, der in jedem Fall im Sinne des nationalsozialistischen Rechtsverständnisses das Maximum des damals möglichen gefordert hat. Der Fall Forstmeier zeigt doch aber, dass ein gewisser Spielraum der Entscheidungsfindung möglich war.

    Was für mich bleibt: Die Entscheidung Filbingers sich mit dem System trotz vorheriger Ablehnung (und innerlich vielleicht weiterbestehender) aus Karrieregründen einzulassen, hat er schon vor dem Krieg getroffen. Für mich bleibt er deshalb ein Karrierenazi. Die Konflikte und Probleme im weiteren Verlauf des Krieges hängen mit der Karriereentscheidung Filbingers zusammen.

    Noch einmal, dem System aus Karrieregründen nachzugeben ist durchaus menschlich und verständlich. Ich schwinge mich auch nicht auf aus sicherer späterer Zeit zu sagen, man hätte sich damals ganz anders und zwar so und so verhalten sollen. Ich wäre sicher auch kein Held gewesen. Aber sich kritisch mit seiner Rolle im Dritten Reich auseinanderzusetzen, das hätte man von Filbinger später schon verlangen können.

  4. Die Gruppe um Staufenberg war auch vollintegriert in das Dritte Reich: Hochrangige Wehrmachts- und Marineoffiziere mit Fronterfahrung und entsprechenden Auszeichnungen.

    Also nach Deiner Definition ebenfalls und eindeutig Karriere-Nazis.

    Im Gegensatz zu denen, die mit einem dilletantischen Attentatsversuch sich letztlich selbst an den Galgen oder vor das Erschiessungskommando gebracht haben, hat Filbinger beispielsweise nachweislich für Pfarrer Möbius sehr viel riskiert und diesem mutmasslich das Leben geretten. (siehe obige Links)

    Du siehst, die Begrifflichkeiten verschwimmen sehr schnell…

  5. BTW. Nicht nur Du „wusstest“ das nicht, obwohl es in Oettingers „Skandalrede“ deutlich erwähnt wurde. Und nicht nur Du bist dem nicht selbstständig nachgegangen.

    Warum auch? Es ist wie bereits von mir dargelegt (Baseface) wesentlich komfortabler, wie gewohnt und gelernt zu reagieren: nämlich kritiklos das zu konsumieren, was auf den Tisch kommt, bzw. in diesem Fall einen Vorwurf, der schon damals aus historischer Sicht haltlos war und nur zum Rücktritt Filbingers führte, weil es im Kern ausschliesslich um parteipolitische Interessen zwischen SPD und CDU – also Macht -ging, und niemals wirklich um die Sache selbst.

    Darum, um die politische Macht – geht es übrigens auch heute wieder. AUSSCHLIESSLICH.

    Auch ein Grund dafür, dass an der objektiven Aufarbeitung eigentlich gar keiner ein richtiges Interesse hat. Hauptsache Oettinger kriegt was auf’s Maul.

    Da Oettinger sich nicht in einem Männermagazin in Latex hat ablichten lassen, wie Pauli, kommt das ja auch sehr gelegen. Politischer Kannibalismus ist ja kein neues Phänomen.

    PS.: Um dem vermeindlich Unvermeidlichen schon mal vorzubeugen: Ich stehe übrigens weder der CDU noch einem der sonstigen bundespolitischen Karnevelsvereine in irgendeiner Weise nahe. Und bin auch weder Nazi, Kommunist, Katholik oder Scientologe.

  6. Na vielleicht kann man festhalten, dass eine moralisch falsche Karriereentscheidung nicht automatisch heißt, dass der Mensch für das Richtige endgültig verloren ist. Was das Richtige ist, muss er selbst herausfinden, nur im Rückblick sieht es meistens recht einfach und eindeutig aus.

    Ich bin durchaus der Meinung, dass es in der Wehrmacht, Kriegsmarine und Luftwaffe eine ganze Reihe von Karrierenazis gab. So weit ich weiß standen große Teile der Reichswehr bei Hitlers Machtergreifung 1933 dem Nationalsozialismus abwartend bis ablehnend gegenüber. Die beginnende Aufrüstung und Aufwertung der Reichswehr/Wehrmacht hat viele das neue System akzeptieren lassen.

  7. Wieder mal nicht recherchert!

    Das Offizierskorps der ehem Reichswehr war Hitler schon 1940 ein Dorn im Auge, da regelmässig Kritk an seinen Entscheidungen kam.

    Aus diesem Grund hat er sich ja im Dez. 41 schliesslich auch selbst als Oberbefehlshaber eingesetzt und von Brauchitsch direkt und dessen Vorgänger v. Fritsch indirekt „rausgekegelt“

    Die Einführung des SD und dessen Installation in der Wehrmacht, ist zudem auch darauf zurückzuführen, dass zuviel gemotzt wurde und es zuviele Befehlsverweigerungen gab, denen man juristisch nicht beikommen konnte, da die Jungs nicht dumm waren und die Vorschriften ganz genau kannten.

    Die SD-Leute wurden auch häufig „under Cover“ in verdächtige Einheiten, bzw. Stäbe versetzt. Auch in die Einheiten, wo es aufföllig viele Begnadigungen bzw. Urtielsumwandlungen (Todesurteil/Zuchthaus/Strafbattalion) bei Desertation, unerlaubtem fernbleiben, Wehrkraftzersetzung gab.

    Mit vollständiger Funktionsbereitschaft des SD nahm die Vollstreckung von Todeurteilen drastisch zu. Dann auch unter ehem. Offizieren aus der Reichswehrzeit, sofern die nicht das Maul halten konnten oder wollten.

  8. Zu der ganzen Situation noch mal eine persönliche Sache, bzw. Anekdote:

    In unserer Familie gab es einen Cousin meiner Mutter der erst im Jungvolk, dann in der HJ, schliesslich in einer Napola war.

    Wenn er bei Familienfesten auftauchte, wurde allen vorher eingebleut, die Schnauze zu halten, weil er vor nichts zurückschreckte und sogar mal meinen Opa anzeigte, weil der dem Wellensittich „Rot Front, Rot Front“ beigebracht hatte. Opa selbst Partei-Mitglied und nach eigenen Aussagen bis Stalingrad Nazi, musste eine Nacht in den Knast, wurde von der Beförderungsliste gestrichen und bekam seitens seines Vorgesetzen (Zollgrenzschutz) eine Ansage vor Versammelter Mannschaft. Gemacht hat er es, weil er es schlicht lustig fand, wenn der Wellensittich das plapperte. Der wurde fortan im Schlafzimmer „in Arrest“ genommen, wenn Besuch kam.

    Der Cousin wurde übrigens 1939 beim Polenfeldzug abgeschossen, worüber keiner so recht traurig war, außerd en leiblichen Eltern versteht sich.

  9. Ich würde eher sagen, Du hast eine merkwürdige Art zu rezipieren.

    Woraus entnimmst Du, dass ich Dir zugestimmt hätte? :-)

    Interessanter finde ich allerdings die Frage, ob Du nun nach besserer Kenntnis „der Akte Filbinger“ den Artikel in dieser Form wiederholen würdest, bzw, etwas zu relativieren hast?

  10. „Berlin – Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky habe die Andacht „untersagt“, sagte heute Bistums-Sprecher Stefan Förner. Sterzinsky wolle verhindern, „dass der Gottesdienst missbraucht und missverstanden wird“.

    Ursprünglich wollte Prälat Wolfgang Knauft in der Andacht am Dienstag in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale daran erinnern, dass Hans Filbinger in seinem früheren Amt als NS-Marinerichter den Berliner Priester Karl Heinz Möbius vor der Vollstreckung eines Todesurteils bewahrt habe.“

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,477463,00.html

  11. Übrigend tat er dies in seinem Amt als „Untersuchungsführer“ und nicht als Richter! Aber das scheint alles völlig schni-schna-schnuppi zu sein…

  12. Ich ertrage nur schlecht, wenn ich nicht das letzte Wort haben kann. Das du mir einfach Recht geben sollst, war der (augenzwinkernde) Versuch die Sache zu beenden. Denn wirklich weiter kommen wir ja eigentlich nicht, oder? Wenn du immer noch einen draufsetzt, geht die Spirale immer weiter. Denn das ich dich überzeugen könnte, glaube ich auch nicht so recht. ;o)

    Ich habe ja nicht geschrieben Filbinger sei der schlimmste Nazi gewesen nach Hitler. Er hat sich obwohl er anfangs gegen die Nazis eingestellt war, um sein Staatsexamen machen zu können in den 1930’er Jahren darauf eingelassen, Mitglied der NSDAP und im NS-Studentenbund zu werden. An dieser Stelle nein zu sagen hätte in erster Linie und Konsequenz nur bedeutet, die angestrebte Juristenkarriere wäre nicht möglich gewesen. Seine späteren Konflikte während des Krieges in seiner Rolle als Marinerichter (Ankläger) hängen ursächlich mit dieser ersten Pro-Regime-Entscheidung (wenn auch ohne innere Überzeugung) zusammen und wären ohne diese nicht entstanden. Wie der Fall Forstmeier und Möbius zeigen, war er ja trotz dieser Karriereentscheidung kein absoluter Unmensch und hat seinen Einfluss zumindest in diesen Fällen für die Betroffenen geltend gemacht.

    Mir geht es auch nicht um einzelne Fälle, in denen Filbinger sich „gut“ oder „schlecht“ verhalten hat. Mir geht es grundsätzlich darum, wenn man sich mit dem Regime aus was für Gründen auch immer einließ, machte man sich zum Teil des Apparates, zum Rad, dass den großen Mechanismus am Laufen hält. Um diesen nicht unbedingt justiziablen Teil der Schuld geht es mir vor allem.

  13. Ja, aber man konn doch weder Filbinger noch Oettinger zum Vorwurf machen, dass sie sich nicht mit DEM Aspekt der Geschichte befasst haben, der Dir jetzt (zurück rudernder Weise) besonders interessant erscheint, oder was?

    „Fehler“ einzugestehen ist übrigens für Nachkriegskinder m.E. eine Zier und keinesfalls Schwäche.

    Deshalb noch mal meine Frage: Stehst Du zu Deinen ursprünglichen Äußerungen?

    Ich weiss, das ist ultralästig. Aber Journalismus, auch und insbesondere privater, sollte nach Qualität streben und vor allem Objektivität.

  14. „kein absoluter Unmensch“ ist übrigens eine gute Bezeichnung für jemanden, der sich aktiv, freiwillig, ohne Not und nicht ohne persönliche Risiken für das Leben zweier Menschen eingesetzt hat. Hat was….

  15. Sorry übrigens wegen der im übrigen nachweisbaren Argumente, die ich immer wieder draufsetze. :-)

  16. Das habe ich noch vergessen.

    „war er ja trotz dieser Karriereentscheidung“. Filbinger WOLLTE nicht in die Marinejustiz, er wurde dorthin versetzt, da er Jurist war.

    Er selbst gibt sogar an, sich dagegen gewehrt zu haben, was sich allerdings nicht belegen lässt.

    Während seines Jurastudiums konnte er zudem kaum klar wissen, welche Folgen dies u.U. später haben könnte.

  17. Ich bin kein Journalist und kein Historiker. Ich habe zu einem aktuellen Thema meine Meinung gesagt bzw. geschrieben mehr nicht. Ich habe meine Meinung versucht zu begründen und kann auch nicht so recht erkennen, wo ich da zurückgerudert sein soll.

    Das ich bei meiner ursprünglichen Aussage, Filbinger sei für mich ein Karrierenazi, bleibe, dachte ich wäre klar geworden.

    Auch glaube ich nicht, dass Fragen der moralischen Schuld, Probleme der direkten und indirekten Verstrickung in verbrecherische Systeme und der Umgang damit nur mich interessieren.

    Du schreibst:

    Filbinger WOLLTE nicht in die Marinejustiz, er wurde dorthin versetzt, da er Jurist war.

    Genau das ist ja für mich der springende Punkt. Er hatte beschlossen in diesem System Jurist zu werden, auch um den Preis sich dem System annähern zu müssen, Parteimitglied zu werden, Mitglied im NS-Studentenbund usw.. Sein moralisches Versagen liegt also schon vor dem Krieg und den Justizfällen, mit denen er dann betraut wurde.

    Dieses moralische Versagen der Eliten ob nun in der Justiz, der Verwaltung oder in der Reichswehr war weit verbreitet. Ich verurteile deshalb niemanden, weil er damals so gehandelt hat aber ich bin der Meinung, dass man sich damit auseinandersetzen muss, weil man nur so verstehen kann, wie eine ganze Gesellschaft, die anfangs gar nicht so nazibegeistert war, umkippen konnte.

  18. @ mbberlin
    Deine letzten Beiträge habe ich gelöscht, denn sie enthielten nur beleidigtes und beleidigendes Geblubber.

    Du hast dich als ein hysterischer Geiferer entpuppt, der glaubt seine locker aufgeschütteten Google-Recherchen seien schon Argumentation genug und eine kritische inhaltliche Auseinandersetzung und Wertung derselben unnötig. Auch scheinst du große Probleme zu haben andere von deiner eigenen Meinung abweichende Ansichten ertragen zu können. Die müssen dann notwendig oberflächlich und falsch sein.

    Das du jetzt in anderen Blogs über mich und meinen Blog weitergeiferst, bestätigt nur meine Meinung über dich. Ich habe den Fehler gemacht zu glauben, man könnte mit dir reden aber da ein Meinungsstreit nach deiner Auslegung wohl nur so enden kann, dass man dir vollkommen und in allen Punkten Recht gibt, hast du dich als Ernst zu nehmender Gesprächspartner selbst erledigt.

  19. @ mbberlin
    Ein letztes Mal wende ich mich an dich. Findest du es nicht irgendwie komisch, dass nach deinem Auftreten als Co-Blogschreiber oder Kommentator die Diskussionskultur in den Blogs rasant zu Tale fährt und die Blogs, wahrscheinlich aus letzter Notwehr heraus, den schnellen Löschtod sterben?

    Erst dieser hier:

    http ://deutsch.baseface . com/

    Dann jener dort:

    http://www.dpetereit.de/

    Da bin ich ja noch froh, dein „Potenzial“ rechtzeitig erkannt und dich in die Wüste geschickt zu haben. Auch wenn in meinem Blog vergleichsweise wenig los war.

    Nachtrag 21.04.2007 09:43 Uhr:
    Der zweite Blog der genannten ist wieder offen. Viele Kommentare im entglittenen Beitrag wurden gelöscht oder nachbearbeitet und mbberlin als Kommentator endgültig gekickt, denn widerliche Denunzianten kann nun wirklich niemand leiden.
    http://www.dpetereit.de/?p=861#comment-9598
    Ich halte das für eine richtige Entscheidung und freue mich darüber.

    Nachtrag 19.05.2007 10:38 Uhr:
    Wie ich bemerken musste, wird der erste Link zum nicht mehr existierenden Blog „Baseblog“ zu einer inhaltsfremden „Videoseite“ umgeleitet. Da für Außenstehende somit ein verwirrender Eindruck entsteht, habe ich den vormals aktiven Link, der nach der Löschung des Blogs „Baseblog“ und vor der Umleitung eine logische 404 Fehlermeldung erzeugte, deaktiviert.

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