Gelesen

Ich hatte in den letzten Tagen viel Zeit zum Lesen, wenn es auch mit 1,5 Augen und Kopfschmerzen oben drin nicht so der wahre Genuss ist. Aber der Tucholsky Kurt, der gefällt mir, das konnte ich auch „halbtot“ noch einwandfrei feststellen. Der hat Biss. So einer müsste heute noch leben. Hah, das wär was! Die vielen lieben Gefälligkeitsschreiber und Pseudojournalisten der heutigen Zeit können da nicht im Ansatz das Wasser reichen.

Mittlerweile und viel zu schnell habe ich „Ein Pyrenäenbuch“ beendet und lese nun eine Auswahl an Artikeln und Aufsätzen aus dem Zeitraum von 1920 bis 1923. Obwohl schon so alt haben viele der Beiträge eine Frische und Gültigkeit über die Entstehungszeit hinaus, dass es die reine Freude ist. Mein Liebling bisher – „Dämmerung“. Eine Kostprobe:

„… Es ist durchaus nicht allen gemeinsam und selbstverständlich, daß das Vaterland das Höchste ist, woran sich anzuschließen Pflicht und Gewinn sei – sondern das ist sehr bestritten. Es ist durchaus nicht allen gemeinsam, daß die Familie der Endpunkt der Entwicklung und etwas Selbstverständliches sei – das ist sehr bestritten. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, daß der Kapitalismus notwendig oder gar nutzbringend sei – das ist sehr bestritten. Sie reden verschiedene Sprachen, die babylonischen Menschen, und sie verstehen einander nicht. Sie sprechen aneinander vorbei, und sie haben weniger gemeinsam den je.
Seltsam dieses Bürgertum. (Und in Deutschland sind alle Bürger.) Seltsam dieses starre Festhalten an Formen, die leer sind, an Dingen, die es eigentlich nicht mehr gibt. Vorbei, vorbei – fühlt ihr das nicht?“

Aus Kurt Tucholsky, Dämmerung, 1920

Munteres Wrack

Fast hatte ich mich schon abgefunden mit der Tatsache, dass meine linke Gesichtshälfte vom Hals über Ohr und Wange bis zum Auge schmerzhaft geschwollen ist, da beginnt es nun langsam zurückzugehen. Eine weitere schmerzhafte Begleiterscheinung ist auch noch aufgetreten und hat sich mächtig entwickelt, warum nicht. Ist mal was anderes.

Das selbst Haare wehtun können, wusste ich bisher auch noch nicht. Man lernt nie aus. Heute wollte ich meiner Hausärztin dann doch mal 10 Euro vorbeibringen, um meine Laiendiagnose bestätigt zu bekommen, aber die ist, seit sie am Mittwoch verschwand, noch nicht wieder aufgetaucht. Morgen dann.

Nachtrag 11:26 Uhr:
Das ein Schmerzmittel, welches im Jahr 2000 abgelaufen ist, im Mai 2007 nicht mehr konsumiert werden kann, ist völlig falsch. Das schmeckt immer noch so gut, wie am ersten Tag.