Kundus 1969

„… ,doch in zwanzig Jahren ist Kundus die lebendigste Stadt in Afghanistan geworden. Sie hat zwei Theater mit einem Programm, das jeden Abend wechselt, und das läßt sich nicht einmal von Kabul sagen, es hat ein Museum und eine seltsame, unbenutzte kleine Bibliothek. Zugleich ist es in sehr großem Maße eine Landstadt, Kamele, die mit blaugrauer Artemisia beladen sind, ziehen an den bemalten Lastwagen und den Ponykarren vorüber, der Asphalt nach Osten erstirbt nahezu in Sichtweite des zentralen Verkehrspolizisten; man kann für einen Spottpreis die besten Melonen kaufen, die es auf der ganzen Welt gibt, manchmal reiten usbekische Jungen auf großen Pferden ohne Sattel durch die Straßen. Es existiert ein gewisses Destillat aus Staub, Schatten und Frieden, welches die Atmosphäre des Provinziellen überall auf der Welt ausmacht, und Kundus hat diese Atmosphäre in sehr reiner Form.“

Peter Levi, Im Garten des Lichts, Mit Bruce Chatwin durch Afghanistan, 1969

Mit diesem Buch komme ich nur langsam voran. Es hat gute Passagen, dort wo es Reisebeschreibung ist, und es gibt zähe Passagen, dort wo der geschichtliche Exkurs zu weit getrieben wird mit Anmerkungen und Fußnoten. Levi schreibt im Vorwort selbst über die Probleme der literarischen Form. Das Hauptmanko des Buches ist, dass sich Levi nicht entscheiden konnte zwischen (anspruchsvoller) Reisebeschreibung und wissenschaftlichem Fachbuch. So versucht das Buch zwei Zielgruppen zu bedienen und enttäuscht am Ende beide.

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