Ännchen

Gestern Abend auf meiner alten Station Dienst geschoben – ich sage immer „Station“, denn die Bezeichnung „Wohnbereich“ kann ich nur als weitere lächerliche Beschönigung in der an Euphemismen wahrlich nicht armen Sprache der Altenverwahrindustrie empfinden …

Was wollt ich sagen? Dort auf meiner alten Station liegt eine Frau im Sterben, nichts Spektakuläres in einem Pflegeheim. Doch diese eine alte Frau ist etwas Besonderes für mich, ich nenne sie mein »Ännchen von Tharau« – nur in Gedanken, denn sonst hält das noch einer von den schlauen Einfaltspinseln für eine Beleidigung. Das Ännchen jedenfalls stirbt, ganz nebenbei. Fast hundert Jahre alt, in Insterburg (Ostpreußen) geboren, später in Dresden gelebt, ausgebombt …

Nicht-Handeln

„Nicht-Handeln bedeutet nicht, kein Engagement zu haben und der Entwicklung der Dinge tatenlos zuzusehen, sondern dass man den Einfluss des Handelns auf diese Entwicklung nicht überschätzt.
Der Ausgangspunkt ist, dass die Dinge sich ohnehin entwickeln. Was man selbst tun kann, beschränkt sich darauf, die verschiedenen Tendenzen des Wandels gut zu beobachten und einige zu verstärken. […] Die Triebe treiben von selbst, sagt ein chinesischer Weiser: Wer an ihnen zieht, macht sie nur kaputt.“

Aus: »Das Universelle lässt uns suchen«, ein Artikel der Wochenzeitung »der Freitag« über west-östliche Denktraditionen.

Size matters!

Manchmal eben doch. Meine Schilddrüse zum Beispiel, ist zu klein (und zu faul). Das ist nun amtlich. Deshalb bekommt sie jetzt die Quittung: ihre Arbeit wird outgesourct. Ich werde wahrscheinlich pillenbedingt bald ein vollkommen anderer Mensch sein, ein besserer natürlich und auch viel leistungsfähiger (wichtig!). Seitdem ich das weiß, schließe ich die Pharmaindustrie in meine Abendgebete mit ein. (Aber nur kurz.)