Nischendasein

»Der Turm«. Ein Sittengemälde der untergehenden DDR usw. Mhm …
Eine Nische von vielen wurde beschrieben. Mehr aber auch nicht. Aus meiner Sicht handelte es sich bei den Bewohnern des Weißen Hirsches auch damals schon um eine privilegierte Schicht. Keinesfalls stellen sie einen repräsentativen Querschnitt der DDR-Gesellschaft dar, wie in einigen Rezensionen aufscheint. Das ist es wahrscheinlich, was mich an diesem Werk so stört, dieses: So war die DDR!

8 Gedanken zu “Nischendasein

  1. Ist schon irgendwie beängstigend, daß Wessinskis diejenigen Filme und Romane über Ossinskis am besten finden, die den Klischees und Vorurteilen (Löwenqual sei Dank^^) am besten genügen, nicht wahr?

  2. Ich bin in Dresden geboren (nicht auf den Weißen Hirsch) und immer hier geblieben. Ich habe die Wendezeit mit 22 Jahren sehr bewusst miterlebt, somit natürlich auch die 1980er Jahre. Deshalb habe ich mir beide Teile des Films aus der Mediathek heruntergeladen und angeschaut.

    Es stimmt schon mal nicht, dass der Film nur die Welt auf dem Weißen Hirsch zeigt. Es wird das Schulsystem gezeigt, die Armee, das Gesundheitswesen, die Bespitzelung durch das MfS; es geht auch um Teile der Kulturszene und der kirchlichen Gruppen.

    Es stimmt auch nicht, dass der Film irgendwelche West-Klischees bedient oder in der Tradition des kalten Kriegers Löwenthal gemacht ist. Die Schikanen bei der Armee haben hunderttausende Wehrpflichtige so oder ähnlich erlebt. Die SED- und FDJ-Ideologie wurde in den Schulen genau so verbreitet, wie es im Film angedeutet wird. Die Konflikte, ob man die Wahrheit sagt oder herunterschluckt, haben Millionen DDR-Bürger mit sich ausgekämpft.

  3. Ich bin ebenfalls in Dresden geboren und immer hier geblieben. Ich habe die Wendezeit mit 16/17 auch einigermaßen bewusst erlebt. Die Armeezeit blieb mir erspart, nur die ersten Vorgespräche durfte ich genießen – drei Jahre Verpflichtung als Minimum. „Sie wollen doch Abitur machen, vielleicht studieren …“
    Von Westklischees schreibe ich nichts, die sind mir egal. Mich stört in diesem Fall nur der – von mir so empfundene – induktive Blick des Werkes, von einer doch recht gut ausgestatteten Nische auf das System DDR zu schließen. Vielleicht eine notwendige literarische Verknappung, mir aber quer im Magen liegend.

  4. Ich bin ebenfalls im Osten geboren und habe bis 89 dort gelebt. deshalb war für mich „Der Turm“ auch Pflicht.@stefanolix Mir geht es ähnlich wie Dir.Klar wird eine Nische beschrieben,aber ja auch viel mehr als das. Für mich stimmten die meisten Klischees und waren gut dargestellt.Hätte man den Film im Plattenbau spielen lassen,hätte bestimmt auch irgendjemand gerufen. :Das ist nur eine Nische

    Ich lese das Buch nun zum 2.Mal nachdem ich beim ersten Mal am Werk gescheitert. bin.Viele Grüße Xeniana

  5. Hast Du den Roman gelesen? Ich denke, dass er in der Öffentlichkeit zu sehr auf den »Weißen Hirsch« reduziert wird. Die Romanteile die aus dem EOS-Internat, aus der Grundausbildung bei der Armee, aus dem Krankenhaus oder von der Strafarbeit im Karbidwerk berichten, erweitern doch den Blick weit über den »Turm« hinaus. Die Einwohner des »Turm«-Gebiets müssen im Buch ständig realisieren, dass es in der DDR eben keine Elfenbeintürme wie den »Weißen Hirsch« geben konnte [vielleicht abgesehen von M. v. Ardenne].

    PS: Meine Antwort bezog sich zum Teil auf den Kommentar von sinnsucht.

  6. Hallo Xeniana/hostmami, es wäre einfacher, Deinen Gedanken zum Turm auf Deinem Blog zu verfolgen, wenn Du die betreffenden Artikel mit einem aussagekräftigen Schlagwort versehen würdest. In der jetzigen Form muss man sich durch das ganze Blog scrollen, in der Hoffnung, mehr zu finden.

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