Bildungsfernsehen

Volksbelehrung à la ZDF: Unsere Mütter, unsere Väter. Lernziel: Krieg ist schlecht, frisst Ideale und Menschen, NS-Diktatur als Wurzel des Übels. Alles muss hinein, Kriegserleben, Behandlung der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten, Endlösung der Judenfrage, Kommissarbefehl, Partisanen, SS als ganz böse Schergen (Wehrmacht nicht ganz so schlimm), ein wenig Fraternisierung, Heimatfront und fürs Herz ein wenig Liebelei als Kontrapunkt etc. pp. Belehrungskitsch für ganz Doofe.

Wie mich diese seichte Geschichtsbetrachtung anödet, zieht man die bombastisch inszenierten erhobenen Zeigefinger ab, bleibt nur bekannter Lehrbuchstaub übrig. Wer sich für Geschichte von unten interessiert, sollte die Tagebücher von Klemperer lesen oder die Aufzeichnungen des einfachen Soldaten Willy Peter Reese. Wem das nicht eindrücklich genug ist, hat zu wenig Hirnmasse und ist dem Phänomen des Dritten Reiches mit all seinen Facetten sowieso nicht gewachsen.

5 Gedanken zu “Bildungsfernsehen

  1. Ging mir genau so. 1,5h verlorene Zeit. Vielen Dank für den Reese-Hinweis. Ergänzend seien noch die Echolot-Bände von Walter Kempowski erwähnt, die viele Tagebücher, Briefe und andere Zeitdokumente kollagieren.

  2. Ich kam nicht einmal über die ersten fünf Minuten hinaus, weil es dermaßen vorhersagbar losging. – Und dabei ist Katharina Schüttler eine Schauspielerin, deren Kunst ich bewundere. Aber nicht einmal sie konnte mich zum Gucken bewegen.

    Das beste Buch zum Verständnis meiner Mutter und meines Vaters sowie den Eltern im Freundeskreis bleibt Sabine Bodes Die vergessene Generation.

  3. Katharina Schüttler liefert die schlechteste Leistung der Fünferbande. Was mich aber an dieser NS-Stopfgans-Trilogie neben dem oben erwähnten besonders stört, ist die bemerkenswert schlechte Leistung der Tonregie, nuschelnde Schauspieler, Lautstärkesprünge (jaja der Krieg ist eine ästhetische Zumutung) und die pausenlos dudelnde Begleitmusike (Pilcherverfilmungsspätschaden?).

  4. Blieb letzte Nacht beim Zappen dann doch bei einer Wiederholung hängen und sah ungefähr die zweite Hälfte. Ich nehme an, es war der Teil, wo die Illusionen der jungen Menschen sich angesichts de Realität des Krieges zerschlugen. Sah all meine Vorurteile bestätigt. Die Hauptschuld am Misslingen des großen Anspruchs liegt für mich bei Drehbuch und Regie. Den Schauspielern guckt man trotzdem gerne zu. Was missfiel dir an der Darstellung Schüttlers (gut, sie spielte überzogen, aber das passte vielleicht auch zur Rolle einer (Möchtegern-)Diva?)?

  5. Die Rolle der „Diva“ ist am unglaubwürdigsten angelegt, da kann die Schüttler gar nichts dafür. Keine Frage, es gab die naiven NS-Liebchen, denen wenn überhaupt erst spät ein Licht aufging. Aber hier ist alles so sehr dem Belehrungsanspruch untergeordnet, das beleidigt das Urteilsvermögen und die Intelligenz des Zuschauers.

    Ich finde statt ein NS-Kaleidoskop des Schreckens zu inszenieren, wäre es zielführender gewesen einen pars pro toto Ansatz zu verfolgen und darauf zu vertrauen, dass sich der halbwegs intelligente Zuschauer in seinem Kopfe selbst ein Gesamtbild zusammensetzen kann. Vielleicht schätze ich aber die Zielgruppe des Dreiteilers damit auch vollkommen falsch ein.

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