Kleinkram

Der Versuch, in der Autowerkstatt einer freien Kette das komische metallische Schleifgeräusch bei Rechtskurvenfahrt klären zu lassen, ist gescheitert. Es sei bei einer ausgiebigen Probefahrt nichts zu hören gewesen. Mein Hinweis, dass dieses Geräusch bei Nässe nur deutlich vermindert zu hören ist, wurde als der Hinweise eines Ahnungslosen behandelt und ignoriert. Die Umstände zwingen mich also selber Hand anzulegen und meinem Verdacht, eines verbogenen Schutzbleches an der Bremsscheibe vorne rechts, eigenständig nachzugehen – morgen am Tag der Arbeit.

Erleben

Ist es etwa entscheidend, ob man etwas in der Realität erlebt hat oder in seiner Phantasie? Sagt das etwas über die Intensität oder die Qualität des Erlebens aus? Sind die Eindrücke nur dann bleibend und von Wert, wenn man sie mit seinen eigenen Sinnesorganen in der realen Welt eingesammelt hat?

Abseits

Durch Wälder gestreift, an Bächen und Flüssen entlang. Von allen Hängen sickern Schmelzwasserrinnsale. Grau und plattgedrückt vom Schnee die alte Krautschicht, dazwischen erste grüne Halme. Und an den Wegen überall frisch geschlagenes Holz. Der Waldumbau geht voran, das freut mich. Pflanzungen von Weißtannen und Rotbuchen unter einigen stehengelassenen alten Fichten.

Schnittgut

Nachtdienste überstanden. Die Ereignisse hielten sich in Grenzen, ein paar Insassen kotzten, ein paar andere schrien herum oder hatten andere marginale Probleme. Kaum etwas ragte heraus. Nur eines berührte mich nachhaltiger: der Oberschenkelstummel der frisch Amputierten. Es sieht grotesk aus, wie er sich bewegt, unwirklich. Ich kann ihn nur mit einer gewissen Scheu berühren. Es fällt schwer zu glauben, dass man ein Bein einfach so absägen kann, die Wunde zunähen und …
Das Bein ist eben weg, wie ein gezogener Zahn. Zwanzig Prozent deines Körpers werden vorab schon einmal beerdigt, die restlichen achtzig Prozent leben noch ein wenig weiter.

Gestern Nachmittag überflogen mich in niedriger Höhe drei mit den Flügeln pfeifende Schwäne.

Waagschale

Alle paar Nächte wiederkehrend der Traum von bevorstehenden Prüfungen. Der Termin rückt immer näher und ich weiß nichts. Ich müsste zu lernen anfangen, kann es aber nicht, bin umso blockierter je näher der Tag der Entscheidung rückt. Mit jedem verlorenen Tag wird klarer, dass die verbleibende Zeit nicht mehr ausreicht und alles verloren ist. Ich halte mit Mühe den Anschein aufrecht, es sei alles in Ordnung.