Kontrolle

Am Sonntagabend auf der Fahrt zum letzten Nachtdienst von der Polizei angehalten worden. Ich passte vermutlich ins Beuteschema. (Offensichtlich lässt mich meine neue Lederjacke mit Kapuze etwas jünger erscheinen.) Ob ich Alkohol getrunken oder Drogen konsumiert hätte, wurde ich gefragt. Nein, ich bin auf der Fahrt ins Pflegeheim zum Nachtdienst, meine Antwort. Nur kurzes Zögern des Beamten, dann gab er mir ohne weiter einen Blick hinein zu werfen meine Papiere wieder und wünschte mir einen angenehmen Nachtdienst. Schichtarbeiter müssen zusammen halten.

Tirade

Einen extra Nachtdienst gewonnen, weil es einer Kollegin einfiel, ihre schon länger virulenten psychischen Auffälligkeiten zum Arzt zu tragen. Als Burn-out kann man heute alles verkaufen, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen, Heul-Flashs, wahrscheinlich auch Mundgeruch und übermäßigen Fußschweiß. Undifferenzierte Auffangdiagnose.

Ich bin natürlich ungerecht; es gibt Menschen, die an ihrem Umfeld, am privaten oder am beruflichen psychisch kaputt gehen, keine Frage. Da helfen mir aber keine freundlichen Gespräche, Entspannungsübungen und Töpferkurse, um dann nach einiger Zeit in die gleiche Knochenmühle zurückzukehren. Das löst kein Problem.

Ich halte grundsätzlich das, was man landläufig an Symptomen unter Burn-out subsumiert, für eine gesunde Reaktion des Körpers auf eine krankmachende Umgebung. Also muss eine Problemlösung in meinen Augen am kranken Umfeld ansetzen, um dem Patienten wirklich zu helfen. Ich bin mir allerdings bewusst, dass die meisten Betroffenen dafür nicht mehr die nötige Kraft aufbringen können. Dort sehe ich den wirklich notwendigen Hilfebedarf für diese Menschen. Alles andere, Entspannungsübungen usw., sind bloße Erduldungspraktiken.

Wolf ad portas

Die Wölfe sind wohl doch schon da. Am 31. Oktober wurde eine Schafsherde in Obercarsdorf im Osterzgebirge angegriffen (kurzes Video). Was kann man tun? Die Herden so gut wie möglich schützen und das Beste hoffen. Ich verstehe die Sorgen der Tierhalter, freue mich aber trotzdem, dass in einer Gegend, in der 1802 der letzte Wolf erlegt wurde, diese Tiere nun aus freien Stücken wieder einwandern. Man kann mit den Wölfen leben, davon bin ich überzeugt, auch wenn es immer wieder zu einzelnen Übergriffen auf Nutztiere kommen wird.