Selbstauskünfte

Ich lese gerade Henry Ries, »Abschied meiner Generation«. Ein Buch mit Interviews von Menschen über ihr Leben im Dritten Reich. Auslöser für dieses Buch war ein Klassentreffen in Berlin 1985, bei dem der als Heinz Ries 1917 in Deutschland geborene Autor, der 1938 aufgrund seiner jüdischen Herkunft in die USA emigrierte, eine Handvoll ehemaliger Klassenkameraden wiedertraf.

Dieses Klassentreffen hinterließ bei Ries einen bitteren Nachgeschmack. Die Gespräche drehten sich um die Schulzeit und über die Veränderungen im Schulbetrieb nach 1933 und was danach kam. Viele, das eigene Verhalten, den eigenen Opportunismus relativierende, bornierte Aussagen wurden gemacht. Bald empfand sich Ries als Störenfried, als einer der gesetzte Herren bei der selbstzufriedenen Nabelschau behindert.

„Du kannst uns nicht verstehen, Heinz. Du hast es leicht gehabt. Du bist weggegangen.“

So entstand das Bedürfnis, das Erleben der Dagebliebenen im Nationalsozialismus und ihre eigene Einordnung desselben aufzuzeichnen so lange sie selbst noch davon berichten können. Die »ZEIT« brachte 1992 einen Beitrag über das damals gerade neu erschienene Buch: heute noch zu lesen.

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