Alter

Diagnose des Arztes: kein Anhalt für eine Hernie, Lymphdrüsenschwellung etc. Kann eine Knochmarksreizung sein, vielleicht das Hüftgelenk, überdehnte Bänder, … Er empfiehlt bei Fortbestehen der Beschwerden ein MRT usw. usf. Meine unwissenschaftliche Eigendiagnose: am ehesten gezerrtes Gekröse oder Narbengewebe. Therapie: Aussitzen und auf das Wesentliche konzentrieren. Ich will kein alter Waschlappen werden, der seine Zipperlein für weltbewegend hält.

Bewegt hingegen haben mich unlängst die Umstände des Todes einer Frau in der Pflegefabrik. Sie starb einfach so während der Mittagsruhe. Ihr vollkommen dementer Ehemann muss gespürt haben, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Als man sie fand, stand er an ihrem Bett und hielt ihre Hand.

9 Gedanken zu “Alter

  1. Hey, Alter… ^^ – so wichtig zu nehmen, sich selber nicht zu wichtig nehmen zu wollen… das ist bloß die andere Seite derselben Medaille.

  2. Ich werde im Alter immer besser, davon bin ich überzeugt (die kleinen Zipperlein halten mich davon nicht ab, so lange sie nicht wirklich in irgend einer Form einschränkend sind). Der Körper hat dem Geist Untertan zu sein – basta! Und wenn ichs ihm einprügeln muss. :o)

  3. Pflegefabrik. Treffender kann man es nicht beschreiben. Übrigens liebe ich deine Bilder. Immer noch.

  4. @ Milka
    Was Henry Ford für die Automobilindustrie war, ist das Konstrukt „Minutenpflege“ für die Pflegeindustrie. Immens gesteigerter Output – nur billiger ist es nicht geworden.

    Ja, die Bilder. Sicher nichts besonderes aber die Beschäftigung damit hält mich davon ab, selber wahnsinnig zu werden (oder es wenigstens zu bemerken).

  5. „Sicher nichts besonderes aber die Beschäftigung damit hält mich davon ab, selber wahnsinnig zu werden (oder es wenigstens zu bemerken).“ Wenn ich mir meinen Kreis aus wenigen Freunden so anschaue, glaube ich fast, dass jeder mit Moral und Verstand früher oder später an die Tür eines Psychiaters klopft. Mh.

  6. Ja, die Psychiater, sie haben ihre Berechtigung. Aber als Vertreter des Systems ist ihnen nicht zu trauen, wenn man an eben diesem System verzweifelt. Sie halten das System per se für gesund und den daran Gescheiterten für krank und für ein zu reparierendes Rädchen. Sie stellen die falschen Fragen. Wenn überhaupt, sollte man sich mit einem Philosophen austauschen.

  7. Word. Aber ein Philosoph verteilt keine gelben Scheine…der Kreis ist einfach ziemlich rund.

  8. Der gelbe Schein löst kein Problem. Er verschafft ein bisschen Zeit und dann ist man wieder in derselben schwer aushaltbaren Situation als Rädchen in einem System, das man verachtet. Meine „Lösungsstrategie“ Distanz zu halten – so weit es geht – und zu beobachten, ist bestenfalls ein Workaround, der erstaunlich lange schon und „gut“ funktioniert, letztens aber unbefriedigend ist und scheitern muss.

  9. „…der erstaunlich lange schon und “gut” funktioniert, letztens aber unbefriedigend ist und scheitern muss.“ Wenn du dir bei den sieben Wörtern nach dem Komma sicher bist, solltest du dir vielleicht einen Philosophen suchen, prophylaktisch.

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