2 x N.

Man drängt mich ungewollt in eine Karriere hinein. Hätte ich an so etwas Interesse, würde ich mich freuen. Man überredete mich sogar mit der Gilde der mittelhohen, hohen und höchsten Chefs für einige Tage eine Messe in der Stadt zu besuchen, in der früher Reichsparteitage abgehalten worden sind. Alles auf Firmenkosten natürlich, Hotel, Essen, Nutten. Höchste Zeit zu kündigen, rät dringend mein innerer Bartleby. Vielleicht aber lieber doch nicht, denn ein wachsender Trost ist mir N., die, seit wir dienstlich einige Nächte verbrachten und uns dabei sehr gut unterhielten, langsam zutraulich wird, worüber ich mich, im Gegensatz zum Vorgenannten, sehr freue.

Nummer 2

Der Fehler bei meiner Nikon F90x hat sich wiederholt. Nach einem Probeschuss funktionierte dann wieder alles. Nochmals mit Spiritus die Kontakte gereinigt, doch von dem Fall bereits so genervt, dass ich mir eine andere F90x bestellte. Ich brauche Zuverlässigkeit. Heute mit Nr. 2 unterwegs. Mal sehen wie die sich schlägt. Nr. 1 bleibt zum Ausschlachten. Das hat sie nun davon.

Heute erstmals zwei belichtete Film zu Mein Film Lab geschickt, den ersten Kleinbildfilm aus der Nikon F90x (Nr. 1) und einen Rollfilm aus der Bessa III. Entwickeln werden sie mindestens so gut wie Photostudio 13, denen ich gerne treu geblieben wäre, aber das Scannen bekomme ich mit meinen Hausmitteln in zufriedenstellender Qualität nicht hin und bei denen ist es dermaßen teuer, das es leider keine Option sein kann.

Tragödie to go

Der Nachbar eines Ruinengrundstückes am Fluss, das ich fotografiere, ist erst misstrauisch wegen meines verdächtigen Tuns. Schnell kann ich ihn überzeugen, dass ich weder stehlen noch randalieren will. Ich frage ihn ob er wüsste, was aus dem großen verwilderten Grundstück mit den verfallenden Gebäuden werden solle. Der Eigentümer hatte schon mit der Renovierung der Häuser begonnen, erzählt er. Doch dann kam die Flut 2002 und seine Tochter, die noch etwas auf dem Grundstück sichern wollte, sei vom Hochwasser mitgerissen worden. Erst einige Kilometer flussabwärts hätte man sie gefunden – tot. Seitdem hätte der Eigentümer nichts mehr an den Gebäuden getan.

O tempora, o mores

Ich habe von Anfang an nicht verstanden, wo der Fortschritt  bei der Schaffung des neuen Sterbehilfegesetzes liegen soll. Der Fortschritt, der unheilbar Kranken, die ihr Leben selbstbestimmt beenden wollen, helfen soll. Einmalige Hilfe beim Suizid ist nicht verboten. Geschäftsmäßige im Sinne von wiederkehrender Hilfe beim Suizid ist verboten. Also genau das, was Sterbehilfeorganisationen oder Ärzte an Beratung, Organisation und Hilfe leisten könnten. Bleibt einem austherapierten Sterbewilligen nur die Möglichkeit selbst in die Schweiz oder in die Niederlande zu reisen. Wo er gerade am Ende seiner Krankheit vor Kraft strotzt und dieses problemlos mehrmals absolvieren kann. Man stellt auf bloße Palliation ab, also auf Erleichterung der Leiden, die aber gefälligst auszuhalten sind. Lehnt man das ab, macht man es eben wie Wolfgang Herrndorf und kauft sich einen Revolver, um Herr über das eigene Leben und dessen Ende sein zu können. Hat man die Möglichkeit dummerweise nicht, nimmt man eben einen Strick und geht auf den Dachboden oder steckt den Kopf in den Gasherd. So und nicht anders geht Fortschritt.

Zickende Lady

Die neue alte Nikon F90x funktionierte zunächst wie erwartet. Nach den ersten 10 Fotos dann der Schock, in Form eines dauerhaft blickenden »Err« im Display. Ganz schlechtes Zeichen. Alle Tricks aus dem Internet – Batterien entfernen, Kamera auf Werkseinstellungen zurücksetzen etc. ohne Erfolg. Der letzte Tipp, die Kontakte der Kamera, die für die Kommunikation mit dem Objektiv zuständig sind, ausgiebig zu putzen, brachte den Erfolg. Aber nicht sofort, erst nach Filmrückspulung und ein paar Leerschüssen. Vielleicht habe ich Glück gehabt. Bisher ist der Fehler nicht wieder aufgetreten. Mal sehen, wie der erste Film wird.

Übrigens hat mich dieser Flickr-Stream stark in dem Wunsch bestärkt, mich dem 35mm Format zuzuwenden. Besonders die Fotos aus Albanien finde ich ganz groß.

Nichts bleibt

Unvermeidlich ist meist, dass verbohrte, um nicht zu sagen bösartige Menschen, eines Tages auch alt und krank werden. Diese leiden dann unter Alter und Krankheit besonders, so scheint es. Und diese verbohrten, um nicht zu sagen bösartigen, nunmehr alt und krank gewordenen Menschen sterben sogar. Auch wenn diese Vorstellung und die Akzeptanz der Tatsache in deren Weltbild nicht hinein passt und sie sich schwer damit tun. Der Sensenmann holt sie alle. Alles was dann noch bleibt, ist die Erinnerung an verbohrte, um nicht zu sagen bösartige, alte und kranke Menschen. Und die vergeht besonders schnell.

Bringen Sie Zeit mit!

Über den Jahreswechsel Nachtdienst. Fragen Sie nicht! Ich kann nicht sagen, welche mich mehr berühren, die Wahnsinnigen oder die körperlich Gebrechlichen. Ein verbreiteter Irrtum ist es zu glauben, dass es ein Segen sei, wenn der Mensch immer älter wird. Was nützt es 95 Jahre zu werden, wenn mit 70 schon der Lebenssinn abhanden kommt. Fünfundzwanzig Jahre im Wartesaal von Dr. Tod.