O tempora, o mores

Ich habe von Anfang an nicht verstanden, wo der Fortschritt  bei der Schaffung des neuen Sterbehilfegesetzes liegen soll. Der Fortschritt, der unheilbar Kranken, die ihr Leben selbstbestimmt beenden wollen, helfen soll. Einmalige Hilfe beim Suizid ist nicht verboten. Geschäftsmäßige im Sinne von wiederkehrender Hilfe beim Suizid ist verboten. Also genau das, was Sterbehilfeorganisationen oder Ärzte an Beratung, Organisation und Hilfe leisten könnten. Bleibt einem austherapierten Sterbewilligen nur die Möglichkeit selbst in die Schweiz oder in die Niederlande zu reisen. Wo er gerade am Ende seiner Krankheit vor Kraft strotzt und dieses problemlos mehrmals absolvieren kann. Man stellt auf bloße Palliation ab, also auf Erleichterung der Leiden, die aber gefälligst auszuhalten sind. Lehnt man das ab, macht man es eben wie Wolfgang Herrndorf und kauft sich einen Revolver, um Herr über das eigene Leben und dessen Ende sein zu können. Hat man die Möglichkeit dummerweise nicht, nimmt man eben einen Strick und geht auf den Dachboden oder steckt den Kopf in den Gasherd. So und nicht anders geht Fortschritt.

Hinterlasse einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s