Tempi passati

Auf den Pfaden der Vergangenheit in Meißen. Zehn Jahre ist jetzt alles her. Manches hier ist anders geworden, manches unverändert geblieben, so scheints. Die großen alten Linden sind weg, neue, kaum wahrnehmbare wurden als Ersatz gepflanzt, Häuser saniert, abgerissen, neu gebaut. Am Eingang des Winterhafens dreht sich das Treibgut wie eh und je. Der Biber arbeitet am Gehölz. Ein Kormoran sitzt auf dem Schifffahrtszeichen. Die Firma gibt es noch unter der alten Adresse. Immer noch das gleiche alte Logo am überquellenden Briefkasten. Vor zehn Jahren habe ich hier gearbeitet und konnte mir nichts anderes vorstellen.

2 Gedanken zu “Tempi passati

  1. Meißen. Mh. Vor einiger Zeit wollte ich unbedingt ein neues Leben. Neues Leben in Meißen. Nochmal eine Ausbildung machen, nochmal von vorn anfangen. Und dann gab es da diese Ausschreibung für eine Stelle in einer Bibliothek in Meißen und das war dann meine Hoffnung. Ich erinnere mich noch an den Tag des Gesprächs, an den Bahnhof, den ich irgendwie unheimlich heimlich fand. Und an das komische Gefühl, dass diese Stadt schön ist, irgendwie. Ich erinnere mich auch noch an den Moment der Absage, wie ich das Telefon sinken ließ. Und mich auch. Viel später sah ich dann diese Bilder aus Meißen, die Demonstrationen gegen Geflohene, gegen die Menschlichkeit. Und plötzlich war ich glücklich. Sehr glücklich, nicht an einem solchen Ort leben zu müssen. Wie es sich manchmal wendet, das Blatt.

  2. Schwieriges Thema. Der Osten ist und bleibt noch lange anders. Das lässt sich, glaube ich, nur soziologisch und psychologisch erklären. Ein derart grundlegender Systemumbruch seit der Wende, der in seiner Tragweite immer noch nicht erfasst ist, überfordert viele Menschen und geht auch über die direkt betroffene Generation weit hinaus. Die Menschen erleben nun die aktuellen Veränderungen als Umbruch im Umbruch, als vollständiges Chaos, das vor der Tür steht. Das generiert erneute Angst und Abwehr. Berechtigte Ängste zum Teil, zum großen Teil auch irrationale Ängste. Traditionell bevorzugt man hier den starken Staat, der ordnet und regelt. Das Auftreten des Staates bzw. das so empfundene Nichtauftreten des Staates als Ordnungsmacht wird als signifikante Schwäche des Systems empfunden, mit dem man ohnehin auch 25 Jahre nach der Wende noch fremdelt. Dass die AfD in Sachsen-Anhalt nur 24% geholt hat erstaunt vor diesem Hintergrund eigentlich. Was mangelnde Integration für eine Sprengkraft für eine Gesellschaft entwickeln kann, ist im ostdeutschen Freilandlabor gut zu beobachten.

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