Finis mundi

Bei mir wird gern gestorben. Langsam wird es mir selbst unheimlich. Bloße Koinzidenz versuche ich mich, dem die religiöse Komponte fehlt, zu beruhigen. Hoffentlich nimmt mir das auch die Polizei ab, falle wegen gewissen statistischen Auffälligkeiten irgendwann Fragen auftauchen sollten. Jedenfalls bin ich im Überbringen von Todesnachrichten und dem Führen von tröstlichen Gesprächen mit Hinterbliebenen mittlerweile recht gewandt.

Verhüllung

Die Fenster sind von außen mit Folie verklebt, nur gedämpftes, milchiges Licht dringt herein, ein Ausblick nur über das Dachfenster nach Osten hin möglich. Ich wechsle mich mit der Katze darin ab nachzusehen, ob da draußen, zumindest in östlicher Richtung, noch eine Welt ist. Die Handwerker derweil sind mit unbekanntem Ziel verreist, nicht ohne zu versichern, bald wiederzukommen und die Arbeit zu Ende zu bringen.

Look

Die ersten drei Ausgaben der »Photonews« erhalten. Das Coverbild der Märzausgabe hat mich schon online umgehauen. Dieses Foto berührt mich zutiefst, ohne irgendetwas über die Entstehung, den Hintergrund, die beabsichtigte Wirkung zu wissen. Die Fotografin heißt Newsha Tavakolian, das Foto stammt aus der Serie Look. Kann man hier ansehen.

Zeit

Ich telefoniere ungern. Anrufe vom Typ: »Guten Tag. Ihre Mutter / ihr Vater ist tot. Schönen Tag noch.«, kotzen mich ganz besonders an. Davon gab es in der letzten Zeit deutlich zu viele. Ich bin eher pragmatisch veranlagt, die Emotionen sind hübsch unter Kontrolle aber manchmal toben sie mächtig in ihrem Käfig und rütteln an den Gitterstäben. Nicht weil am Wegesrand hin und wieder ein Toter auftaucht, sondern weil mir die große verdrängte Sanduhr wieder einfällt, die unerbittlich das Verrinnen der Zeit misst. Meine Zeit läuft mir davon, das werde ich eines Tages bitter bereuen. Besser schnell verdrängen den Gedanken.