Wissenschaft & Kunst

Als gewesener Wissenschaftler oder besser etwas kleiner, als Mensch mit wissenschaftlicher Ausbildung, sprechen mich diese Gedankengänge sehr an:

»Goethe hat in seinen naturwissenschaftlichen Schriften die Pflanze immer wieder poetisch-genial gesehen. Heute sprechen wir kaum noch von dem künstlerischen Prinzip, das in jeder Pflanze, in jeder Muschel verborgen ist. Dieser Zug ist vor allem der jüngeren Generation verlorengegangen. Das Zweckmäßige dominiert, man lebt ohne Imagination.
In unserem weiteren Gespräch ging der Doktor von der Erfahrung aus, daß jede Wissenschaft letzten Endes nicht nur unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Nutzanwendung, sondern auch unter den Voraussetzungen einer „sinnlich-sittlichen Wirkung“ in unser Leben eingreifen muss. Eine neue Harmonie, ein neues schwesterliches Verhältnis zwischen den beiden großen Erkenntnisbereichen der Menschheit, der Kunst und der Wissenschaft muss gefunden werden.

In Wissenschaft und Kunst wird die doppelte Prüfung des Menschen sichtbar. Wir dürfen das eine dem anderen nicht opfern. In allen beiden brennt der Funke nach Erkenntnis. Sie sind Schöpfungen des menschlichen Geistes, voller Aktivität, voller Aktion. Beide zusammen geben uns erst die große Einheit des Seins.«

Hanns Cibulka, Sanddornzeit, Tagebuchblätter von Hiddensee