Kirche, Weinberge und Bienenfresser

Schwer an einem sonnigen Vatertag ein Ausflugsziel zu finden, dass nicht von angesoffenen Halbstarken oder stiernackigen Brüllaffen beeinträchtigt ist. Das kleine Elbweindorf Zadel und dessen Umgebung wurde von diesen Kohorten zum Glück weitgehend verschont. Die weiße Kirche des Ortes hatte mich schon mehrfach von der anderen Elbseite herüber leuchtend zu einem Besuch gereizt.

Die Kirche offen und kaum jemand drinnen, wunderbar kühl und mit dem typischen Kirchenduft gesegnet. Auf der zweiten Empore eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Bauwerks, in der hölzernen Brüstung Einritzungen gelangweilter Kirchenbesucher vornehmlich aus den 1950’er Jahren, in einer Ecke eine ausgelöste Mausefalle ohne Maus aber noch mit Restköder. Ich stieg bis in den Kirchturm hinauf, in welchen ein froschgesichtiges angeblich slawisches Götzenbild unklarer Herkunft eingemauert ist. Unter den Schuhsohlen knirscht der Dreck der im Kirchendachstuhl wohnenden Fledermäuse.

Nach einer Runde über den Friedhof weiter durch die Weinberge an der Steilkante entlang Richtung Rottewitz. In der Ferne sieht man Meißen mit dem Burgberg. (Einen Eindruck der Landschaft gewinnt man durch diese Bilderstrecke eines Meißner Fotografen.) Kurz vor Rottewitz ein Trupp Menschen mit Ferngläsern und Fernrohr:  Im Steilhang über der Elbe nistet hier eine Kolonie Bienenfresser. Noch nie hatte ich diese bunten Vögel bisher in Natura gesehen. Schließlich durch die Felder der Hochfläche wieder zurück nach Zadel.

Auszug

Gestern hat A. ihren temporären Aufenthalt in unserer Anstalt beendet. Sie ist vorerst nach Hause zurück gekehrt, der Beginn der Reha ist noch unklar. Ich habe sie an meinen freien Tagen häufig besucht und wir haben uns auch über Katzen unterhalten aber nicht nur. Eine beeindruckende willensstarke Frau. Sie hat mich eingeladen, mir ihre ungefähr eine Autostunde entfernte kleine Stadt zu zeigen, wenn sie wieder besser laufen kann. Ich freue mich darauf.

Zudem gab es weitere Höhepunkte in meiner geruhsamen Existenz, die in ihrem Erlebniswert aber weit abfallen, dazu zählen zum Beispiel eine 24 Stunden Gastroenteritis und die Behandlung bei meinem Zahnarzt.

Städtchentour

An einem meiner freien Tage nochmals in Mühlberg/Elbe gewesen. Die Stadt war mir bisher nur durch verschiedene geschichtliche Daten ein Begriff und durch das sogenannte Wunder von Mühlberg als die Deiche bei den großen Hochwässern 2002 und 2013 wider Erwarten nicht gebrochen sind.

Stadtrundgang und Streif durch die nähere Umgebung. Ich mag diese kleinen Landstädtchen, an denen der große Radau vorbei gegangen ist. Im Klosterhof traf ich wie letztes Mal auf die dort beheimatete langhaarige Katze. Kurzes Gespräch mit Streicheleinheiten. Die Stadt ist von mehrere Baggerseen umgeben, die so schöne Namen wie »Elbekies IV« tragen. Klingt ein wenig nach einem Song von Element of Crime.

Krankenbesuch

An meinem freien Tag A. in der Anstalt besucht und mit ihr nicht über Katzen gesprochen. Das Personal ergeht sich zum Teil bereits in Anspielungen wegen meines augenscheinlichen Interesses, was mir jedoch gleichgültig ist. A. verfügt über einen wachen Verstand, Witz und hat eine angenehme Ausstrahlung. Darüber hinaus gibt es weitere interessante Aspekte an ihr. Leider ist meine soziale Unbeholfenheit nicht gerade von Vorteil.