In der Rehaklinik

Gestern zum zweiten Mal A. in der Rehaklinik besucht. Einen ganzen Nachmittag mit ihr verbracht. Kaffee getrunken, in ihrem Zimmer unterhalten und eine lange Runde über die Gänge und Flure gemacht. Sie läuft an ihren Krücken schon stabiler als zuletzt. Jedoch müssen die gesamten Bewegungsabläufe neu eingeübt werden – aufstehen, hinsetzen, laufen, Treppen steigen etc., das dauert. Durch die Operation wurde die Hüftstellung korrigiert und die sich über die Jahre eingeschliffenen „falschen“ Bewegungsabläufe müssen jetzt raus aus dem Kopf. Ich habe sie nach meinen Möglichkeiten motiviert dann aber aufgehört, weil ich Angst hatte, sie fällt vor Lachen um. Ihre mentale Stärke und ihr starker Wille beeindrucken mich immer wieder. Ein schöner Nachmittag.

Feststellung

Ich vermisse die Zeit als es noch Stil und Anstand, Höflichkeit und gute Manieren gab. Ich weiß, so hören sich angeblich alte (weiße), frustrierte Männer an. Nur bin ich nicht frustriert, ich bin nur angeekelt. Der heute dominierende rüpelhafte und hysterische Umgangston, in welchem jede noch so belanglose Befindlichkeit ohne Rücksicht laut hinaus gegreint werden muss, geht mir unheimlich auf den Sack – mit Verlaub gesagt.

Soziales und Asoziales

Heute noch einmal Besuch bei A. in der Rehaklinik. Am Wochenende ist da immer die Hölle los, weil Hinz und Kunz ihre Angehörigen besuchen kommen. Es ist dennoch sinnvoll A. am Wochenende zu besuchen, weil sie von Montag bis Freitag dauernd irgendwelche Therapien hat und ich als rücksichtsvoller Mensch den Behandlungserfolg natürlich nicht gefährden will.

Heute und besonders Morgen unglaubliche Hitze. Gestern zufällig an einem Freibad vorbeigekommen – unerträglich das Gedränge und Geschrei. Wie können sich normale Menschen so etwas antun? Es gibt nur eine Erklärung – alles Idioten. Ich kann den Tag kaum erwarten an dem die Spezies Mensch von diesem Planeten endlich verschwindet. Der Erde kann gar nichts Besseres passieren.

Kurz und knapp

Rational, sachlich mit einer gewissen Distanz zum Objekt, jedoch nicht ohne innere Anteilnahme – so versuche ich an meine Sujets heranzugehen. Sympathisch ist mir die Strömung der Neuen Sachlichkeit in der Fotografie und die New Topographics Bewegung, die ja durchaus Berührungspunkte und Überschneidungen haben. Zuwider wie im richtigen Leben ist mir eine Überemotionalisierung, die heute so weit verbreitet ist und die ich als lächerliche Kindischkeit ansehe.

Ausflug

Mit N. in den Kammlagen des Osterzgebirges gewandert, rund um die Galgenteiche und auf den Kahleberg. Gegenüber dem Dresdner Umland sind die Temperaturen da oben wesentlich angenehmer. Auf dem Dammweg des Großen Galgenteiches auf einer Bank gesessen, unterhalten und dabei kleine Entchen beobachtet. Später auf den Kahleberg hinauf und die Aussicht über das Osterzgebirge bis nach Dresden genossen. Nur wenige Menschen da oben. Ganz wunderbar. Auf dem Rückweg in Bärenfels zu Abend gegessen und wieder zurück nach Dresden.