Großer Bogen

Sitze in den Weinbergen und schaue ins Elbtal hinunter. Die Grillen zirpen, meine Freunde die Bienenfresser sind auch wieder da und Starenschwärme nicht minder. Die Sonne scheint zwischen den Wolkenbänken hindurch, ein leichter Wind weht und der Rotmilan dreht seine Runden. Weil Idylle jedoch bekanntlich zu Kitsch führt und dieser abzulehnen ist, weil seiner Natur nach bereits protofaschistich und damit zwingend zu Untergang und Tod führend – aus diesem Grunde nur, um uns davor zu bewahren – hat es dem Winzer gefallen ein übel stinkendes Herbizid als Gegenmittel in seinem Weinberg zu verspritzen. Damit hat er mich, uns alle, Deutschland, die ganze Welt vor dem Verderben gerettet. Muss man sich nur mal richtig vor Augen führen.

Mont Klamott

Gestern mit N. zu Fuß durch Dresden von der Südvorstadt bis zum Heller. Dort dann auf den Halden herumgestiegen, die nach dem letzten Kriege aus den Trümmern der Stadt aufgeschüttet wurden und heute saniert und Biotope sind. Da oben ist es ruhig und grün, die Stadt hingegen wird mir immer unerträglicher. Wie kann man diesen dauernden Lärm nur aushalten? Nicht grundlos versuche ich N. meist in ländliche Gebiete zu verschleppen. Ich kann mich nicht konzentrieren bei Lärm bzw. nur darauf meine aufsteigende Aggressivität zurückzudrängen. Doch gestern hat sich N. als Stadtkind durchgesetzt. Zur Strafe musste sie sich meine Sniper-Phantasien anhören, wie ich von erhöhtem Standpunkt aus für Ruhe sorge. Doch dieses nur am Rande. Schön war das Treffen trotzdem nach so langer Zeit.

Neozoon

Die fette graue Katze, die in der Dämmerung mit dem Kopf im Vogelhäuschen steckt und dort nach dem Rechten sieht ist gar keine, sondern ein Waschbär. Das Tier hat keine Eile. Es zieht seinen Kopf aus dem Häuschen, sieht mich an, klettert langsam herunter und verschwindet schließlich unter dem Forsythia-Strauch.

Stauchitz, Hof und Staucha

In der Nähe der alten Pappmühle in Stauchitz soll sie liegen, die Burg Gana, welche Heinrich I. im Winter 928/929 auf seinem Zug gegen die Daleminzier nach zwanzigtägiger Belagerung zerstört hat. Die Erwachsenen wurden sämtlich getötet, die Kinder in die Gefangenschaft geführt, die Anlage nieder gebrannt. Dieses Ereignis markiert, wenn man so will, den Anfang der späteren Mark Meißen des späteren Sachsens. So wird aus einem Blutbad am Ende große Geschichte. Heute sieht man im Acker noch einen kleinen unscheinbaren Hügel.

Von Stauchitz bin ich weiter nach Hof gelaufen und sitze dort im Schlosspark mit wunderbarem alten Baumbestand. Später will ich noch nach Staucha, wo der Herr Sodann seine Bücher hortet.

Viel passiert

Ich sitze im Schlosspark von Seerhausen dessen Schloss von dummen Menschen 1949 gesprengt wurde auf einer Bank in der Sonne und sinniere. Ein Kuckuck ruft und Eichhörnchen tragen Eicheln umher.

Aufregende Zeiten ganz allgemein und mich persönlich und teure auch. Ersten Schätzungen zufolge belaufen sich die Kosten für meinen persönlichen Westwall auf 25.000 € einen Rechtsanwalt noch gar nicht eingerechnet. Die Heizungsanlage macht es nicht mehr lange – mindestens 7.000 €. Und gestern hatte ich noch einen kleinen Unfall mit dem Auto, weil ich einer Frau hinterher sehen musste. Zumindest ist mein Covid-19 Test negativ.

Trotz allem komme ich langsam etwas zur Ruhe. Ich freue mich, dass es meinem Vater nach seinem Schlaganfall wieder recht gut geht. Er werkelt im Garten herum und spricht wieder weitgehend flüssig. Ein kognitiver Abbau ist nicht zu leugnen aber schränkt die Lebensqualität noch nicht ein. Nur der Muskelabbau und die Schmerzen unter dem Simvastatin machen mir Sorgen. Ein Thema beim nächsten Arztbesuch.

Aber jetzt erstmal weiter durch den Schlosspark Seerhausen und dann gleich zum nächsten in Jahnishausen.