Ruhe

Vorgestern zufällig nach der Besichtigung des Oberauer Wasserschlosses in der Nähe des Waldbades auf einen Friedwald gestoßen. Das Konzept gefällt mir sehr in einer hölzernen Urne am Fuße eines Baumes im Wald beerdigt zu werden. Ab und zu kommt mal ein Eichhörnchen vorbei oder ein Trupp Wildschweine und leistet Gesellschaft.

Gestern dann auf den Höhen bei Zadel herumgewandert. In den Weinbergen finden die Winterarbeiten statt. Später den Sonnenuntergang beobachtet, das Elbtal unten lag schon in tiefem Schatten. Der Riese hat wieder die Mutter berührt und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Gedankenspiel

Um mit Kofler, dem Arzt aus dem März Roman von Heinar Kipphardt, zu sprechen habe ich die Technik vervollkommnet, gefürchtete Gedanken nicht zu mir hereinzulassen. Sich also zum Beispiel mit anderen Dingen abzulenken. Schöne mechanische Uhren eignen sich dazu ganz hervorragend. Im Moment gefallen mir besonders die Union Viro Datum und die kleine Nomos Orion jeweils aus Glashütte. Beides sehr schlichte, ausgewogene und elegante Uhren. Mehr Schmuck braucht kein Mann.

Schlaganfall

Als rationaler, der wissenschaftlichen Sichtweise zugeneigter Mensch ist es mir unangenehm zugeben zu müssen, dunkle Vorahnungen nicht rigoros als albernen Aberglauben abtun zu können. Zu oft lag ich damit schon richtig. Erklären kann ich es nicht. Das heißt eigentlich doch. Es gab und gibt Vorzeichen, die man nur richtig deuten können muss. Leider ergibt sich erst nachträglich ein stringentes Bild.

Mein Vater hatte einen Schlaganfall. Als ich ihn fand war er verängstigt, motorisch weitgehend uneingeschränkt aber mit nahezu komplettem Verlust des Sprechvermögens. Keiner der klassischen Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck treffen bei ihm zu. Unbekannt war ein Vorhofflimmern, was zur Gerinnselbildung führen kann und bei Verschleppung im Blutkreislauf eben durchaus zu einem Schlaganfall.

Zum Glück bildeten sich die Symptome zum großen Teil spontan zurück. Geblieben ist eine Einschränkung im Sprechvermögen (motorische Aphasie), eine Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung und ein leichter Kraftverlust in der rechten Körperseite. Ein wahnsinniges Glück möchte ich das nennen. Ich kenne genügend Fälle aus dem beruflichen Umfeld, die es viel schlimmer getroffen hat.

Nach 10 Tagen Krankenhaus ergab sich die Möglichkeit ihn nahtlos zur Frührehabilitation zu schicken, zunächst für drei Wochen bei denen wir es dann auch bewenden ließen, obwohl eine Verlängerung um nochmals drei Wochen beantragt war. Jedoch ging seine Motivation langsam flöten und vor allem fehlte aufgrund von Personalmangel eine logopädische Therapie, die mir besonders am Herzen lag. Jetzt ist er wieder in seiner gewohnten Umgebung und Ergo- und Logopädie kommen ins Haus. Ich bin guter Hoffnung, dass sich da noch einiges herausholen lässt. Es wird nicht mehr so wie es war aber ein lebenswertes Leben ist ihm weiterhin möglich, soweit man das als Außenstehender beurteilen kann.

Was bleibt? Bei Anzeichen von Schlaganfall immer 112 wählen und Symptome schildern, kein Hausarzt, kein Bereitschaftsarzt, immer 112 wählen. Der Zeitfaktor ist ganz entscheidend. Und wichtig im Vorfeld, eine Vorsorgevollmacht, die auch Gesundheitsfürsorge mit einschließt, gleich gefolgt von einer Patientenverfügung.

Erste Hilfe

Gestern ein wenig rund um den Ochsenkopf in Glashütte spaziert. Ich war spät dran, es war kalt und ich etwas missgelaunt. Um sich abzulenken von Dingen, die man nicht ändern kann, sollte man sich mit etwas Schönem befassen. Glashüttes Karriere als Bergstadt ist schon länger Geschichte, die als Standort der Uhrenindustrie blüht wieder. In diesem kleinen Ort werden so schöne mechanische Uhren hergestellt, man glaubt es kaum. Mir gefallen besonders die einfach und elegant gehaltenen, die gleichzeitig mit höchster Präzision laufen. Will man es schwarz auf weiß, kommt man um ein Chronometer nicht herum. Wie es der Zufall will, liegt auf dem Ochsenkopf die Sternwarte Glashütte. Von Wempe wurde das verfallene Gebäude saniert und beherbergt seitdem die einzige Chronometerprüfstelle Deutschlands. Sollte ich mir irgendwann einmal eine Teutonia II Chronometer von Mühle kaufen, würde sie genau dort zertifiziert. Nach solcherart Überlegungen ging es mir sofort spürbar besser.

Ausflug im Nebel

Gestern einen Boselspaziergang unternommen. Die kurze Tour ähnelt der hier beschriebenen Route. Allerdings kein Fernblick möglich. Anfangs nur ein paar Nebelfetzen im Elbtal, die immer dichter wurden. Nach kurzer Zeit war alles komplett zugezogen. Das machte mir aber nichts. Ich laufe gern im dichten Nebel, das hat etwas von Endzeitstimmung. Kaum ein Mensch unterwegs.