An der Rauhen Furt

Gestern wieder einmal die Wallburg Göhrisch gegenüber von Nieschütz an der Elbe besucht. Die Elbe macht hier einen Bogen und die Slawen legten im Bereich der Rauhen Furt einige Wallanlagen auf engem Raum an, zum Teil bestanden die Anlagen schon in der Bronzezeit. Auf dem Gelände beim Anblick der mit Bäumen bewachsenen Wälle und der im tiefen Licht der untergehenden Sonne gleißenden Elbe ein wenig über die Bedeutung von Zeit reflektiert.

Später noch etwas in der Umgebung herumgestrichen und im Eingangsbereich zum Tierpark Hebelei von zwei Katzen zu Zärtlichkeiten genötigt worden. Gut, besonders lange nötigen mussten sie nicht. Eine rote Katze sprang mir gleich auf den Schoß und hörte gar nicht mehr auf sich an mir zu schubbern und zu reiben. Als ich nicht mehr hocken konnte und sie wieder runter setzte, sprang sie mir auf den Buckel. Ihr getigerter Kamerad kugelte sich um meine Füße und begleitete mich später ein ganzes Stück des Weges.

Hilfeschrei

Zu meinem Bedauern muss ich feststellen, immer mehr zum Law and Order Mann und zum Anhänger einer Nulltoleranzstrategie zu werden. Das hat natürlich ausschließlich damit zu tun, dass ich ein verwirrter alter weißer Mann bin, der um den Verlust seiner Macht fürchtet, und nicht etwa mit der unerträglichen um sich greifenden Laissez-faire Einstellung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Diese meine sich entwickelnde falsche Einstellung muss unbedingt bekämpft werden durch den Einsatz mehrerer Sozialarbeiter*innen, ein oder besser zwei Psycholog*innen, um zu lernen über meine Gefühle zu sprechen – immer und immer wieder -, und des Weiteren durch häufig wiederkehrendes Köpfchenstreicheln durch zusätzliche dafür ausgebildete Fachpersonen.

Schöner Nachmittag

Stadtspaziergang mit N. Eine große Runde durch die Südvorstadt, den Großen Garten, die Johannstadt mit dem Trinitatis-Friedhof und die Altstadt mit Einkehr in einem der vielen Lokale auf dem pittoresken Neumarkt. Unsere Unternehmungen haben mittlerweile eine gewisse Regelmäßigkeit. Oftmals vergehen Wochen oder Monate dazwischen, so nutzt sich nichts ab oder führt zu Langeweile, weil in der Zwischenzeit genug passiert was berichtenswert ist. Zwar ausgeprägter Einzelgänger genieße ich unsere gemeinsame Zeit immer sehr.

Niedergang

Die Mondfinsternis konnte ich nur kurz beobachten, dann nahm mich wieder die örtliche Finsternis in Form der Psychotiker in Anspruch. Die eine hatte Kreuzottern im Schlüpfer, die andere große Angst vor einem Tier unter dem Bett und dem Mehl im Kopfkissen. Unter den Irren gibt es einfache Charaktere genauso wie Akademiker mit Doktortitel. Alkoholiker haben wir auch, die von Selbstmord faseln dafür aber zu betrunken sind, in ihrer Scheiße liegend den Klosterfrau Melissengeist in großen Schlucken verzehrend. Manchmal habe ich das Gefühl hier im Kleinen den Untergang der menschlichen Zivilisation zu erleben. Alles Agonie, nichts Lebenswertes, nichts Erhaltenswertes. Man wünscht sich nur, dass alles bald vorbei wäre.

Heimatkunde II

Unweit von Steudten, einem kleinen Nest in der Lommatzscher Pflege, stand ich gestern bei trübem Wetter und einsetzendem Nieselregen auf dem Huthübel. Auf  dieser kleinen Erhebung inmitten der ausgeräumten Agrarlandschaft steht auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel der Menhir von Steudten. Von hier aus soll der Sage nach Heinrich I. im Jahr 928/929 die Belagerung der Burg Gana der Elbslawen geleitet haben.