Zwischen Dresden und Meißen

In den letzten Tagen unterwegs im sächsischen Elbland und dem Meißner Hochland. Von mir längere Zeit vernachlässigte Landstriche. Am Ufer der Elbe entlang, die links- und rechtselbischen dicht bewaldete Täler hinauf. Oben auf den lößbeeinflussten Hochflächen kleine Dörfer und landwirtschaftliche Flächen. Die Südhänge mit Wein bebaut. In den letzten Jahren wurde viele Flächen wieder aufgerebt. Wieder hinunter an die Elbe, die Niedrigwasser führt. Große Fische springen, kleine Fische wimmeln im warmen, flachen Uferwasser, Frösche quaken und Grillen zirpen. Kaum ein Schiff unterwegs, nur ein paar Ruderer vom Meißner Ruderclub. Überhaupt Meißen, der Fluß, der Dom, die merkwürdigen Einwohner.

Elbaue

Gestern an der Elbe. Kurze Station in Meißen, dann weiter elbaufwärts bis Niederwartha zum Pumpspeicherwerk. An einer Bachmündung kleinen Fischen beim Tummeln zugeschaut. Später Richtung Gohlis gelaufen und die Deichbauarbeiten begutachtet. Muss da nicht etwas Lebendiges hinein, damit er stand hält oder gilt das nur am Meer? In der Elbaue wird Heu zu Ballen gerollt. Krähen, Tauben und ein Storch beaufsichtigen die Arbeiten. Später als der Bauer nach Hause gegangen ist, weht ein großer Schwarm Stare über die Wiesen.

905 m ü. NN

Gestern auf den Kahleberg gestiegen. Im Norden das dunstige Elbtal im Süden die am Erzgebirgskamm festhängenden Wolken. Grandios. Das Gebiet um den Kahleberg war – Nomen est Omen – zum Ende der DDR-Zeit fast entwaldet. Kann mich daran noch erinnern. Jetzt steht auf den Flächen ein zwanzigjähriger Jungwald als Lückenbüßer. Der wird nun Stück für Stück eingeschlagen, um langsam einer standortgerechten Waldgesellschaft Platz zu machen.

Unterwegs

Draußen im Sturmwind über Wiesen und Felder gestiefelt, den Kopf ausgelüftet. Abseits der Wege nur zwei Reiter mit Hund getroffen und Rehe, immer wieder Rehe. In Gedanken vertieft unversehens in ein versumpftes Wiesenstück geraten. Versucht schnell festen Boden zu erreichen, um Schuhe und Hose trocken zu halten – dieses Ziel verfehlt. Davon vollkommen unbeeindruckt geblieben und weiter gelaufen, Kamera und Stativ auf dem Buckel. Entwickle mich langsam zum seltsamen Kauz, was wohl meiner Natur entspricht und mich deshalb so ruhig und zufrieden sein lässt.

Herbstspaziergang

Gestern im Nebel wie ein junger Hund gefroren, wegen ganz und gar unangepasster Kleidung. Heute dafür in Winteruniform die Sonne genossen. Unter Bäumen und Büschen knisterten Tropfen, die von selbigen fielen; die Sonne verflüssigte angestrengt den von Nebel und Frost dort angebrachten Reif. Mehrere Krähen kommentierten den Vorgang. Ein Bauer auf seinem alten Traktor versuchte einen Hänger mit Grünzeug abzukippen. Es ging nicht – angefroren. Die Kuhfladen auf der Weide waren es auch, außen fest und knackig, innen weich wie Pralinen. Nur ein ganz kleiner Wermutstropfen.

Rein raus

Wollte mir heute das Militärhistorische Museum zu Gemüte führen, von außen. Ich bin mir immer noch unsicher, wie ich diesen eingefügten Donnerkeil finden soll. Schwanke zwischen „großartiger Geste“ und „großtuerischer aber banaler Geste“. Ich glaub, das Pendel schwingt zu letzterem.

Doch hab ich nur im Vorbeifahren einen Blick auf das Museum geworfen und bin gleich wieder umgekehrt. Das Stadtgewusel ertrag ich nicht, bekomme keine Luft im übertragenen Sinne. Fuhr also stracks aus der Stadt wieder hinaus auf ein menschenleeres, doch von einer Rinderherde bevölkertes Hochplateau. Wanderte dort allein in der Sonne umher, bepackt mit Kamera und Stativ, und fühlte mich bei jedem Schritte besser.

Pfeifkonzert

Heute Nachmittag einmal um den Lerchenberg herum gestiefelt. Bei Sturmstärke (geschätzt) war zum Glück keiner unterwegs. Nur die tapferen Bauern haben fleißig Gülle auf den Feldern versprüht. Habe mich deshalb aus olfaktorischen Gründen verstärkt luvseitig aufgehalten. Deshalb jetzt vermutlich leichte Schmerzen in Kopf und Luv-Ohr.

Ausflügler

Habe versucht mich im Wald vor den umherstreunenden Menschenmassen zu verstecken. Hat nur bedingt funktioniert. Am Sonntag, bei schönem Wetter, wird alles ausgeführt, was Beine hat: Kinder, Hunde, Ehefrauen. Was nicht laufen kann, fährt Fahrrad. Nur mit großer Mühe dann doch noch ein einsames Plätzchen gefunden.

Talsperre, die zweite

Heute noch mal an der abgelassenen Talsperre Klingenberg gewesen. Gehofft, dass auf der Baustelle die Arbeiten am Wochenende ruhen. Und richtig, außer ein paar wenigen Neugierigen keiner da. Also runter auf die Talsohle und das Areal der alten Holzmühle inspiziert. Der Mühlgraben führt Wasser als ob nichts gewesen wäre, kleine Brücken darüber stehen und funktionieren noch.
Die Wilde Weißeritz fließt zumindest in Teilen wieder im alten Flussbett. Alte Schwellen und ausgeblichene Baumstümpfe am Ufer bezeugen das. Abseits ein paar alte verkohlte Balken. Von der Holzmühle? Wurde sie abgebrannt bevor das Wasser kam?
Ein wenig das Gefühl gehabt in einem aufgetauchten Atlantis umherzuwandern. Und ganz stark das Gefühl: so eine Talsperre ist eine Ungehörigkeit der Natur gegenüber.

Talsperre

Heute die leere Talsperre Klingenberg von der anderen, der Staumauerseite besucht. Da wird mächtig gebaut: Kräne drehen sich, Betonlaster fahren hin und her. Unten auf der Talsohle schieben Raupenschlepper das Sediment zu Haufen. Baustraßen auf der Talsohle.

Der Fluss ist in sein altes Bett zurückgekehrt, wie es sich gehört. An einer Stelle ragen Grundmauern aus dem Sediment, die Reste der alten Holzmühle. Eine kleine Brücke über den früheren Mühlgraben (?) ist auch noch da. Alles fast 100 Jahre unter Wasser gewesen.