Spaziergang

Seit langem wieder einmal mit N. unterwegs gewesen. Ich genieße unsere langen Spaziergänge und Gespräche immer sehr. Wir streiften dieses Mal im Dresdner Süden umher, durch das Uni-Gelände, wo sich vieles verändert hat seit ich dort studiert habe, über die Südhöhe zum Fichtepark und wieder zurück zum Bismarckturm auf der Räcknitzhöhe. Der Turm war geöffnet und wir kletterten hinauf. Ich bin noch nie da oben gewesen. Selbst in der beginnenden Dämmerung und bei diesigem Wetter hatten wir einen schönen Rundblick über das gesamte Elbtal. Danach noch Einkehr in eine feine Kneipe und im Dunklen zurück zum Ausgangspunkt.

Pipeline-Bau

Gestern die Baustelle der EUGAL-Erdgasstrasse bei Brockwitz an der Elbe inspiziert. Im Vorfeld der Bauarbeiten hat N. bei archäologischen Grabungen mitgewirkt. Ein paar bronzezeitliche Funde wurden dort gemacht. Die EUGAL-Trasse verläuft in Sachsen weitgehend parallel zur OPAL-Trasse, die vor ein paar Jahren gebaut wurde. Mich interessiert vor allem die Elbquerung. Leider war gestern das Licht eher ungünstig und heute ist es noch schlechter.

Das Gute liegt so nah

Kleine Ausflüge rund um Schloss Weesenstein und Maxen. Fast schon zu warm in der Sonne nur der ruppige Böhmische Wind kühlte etwas. An einem Tag den Schlosspark des Schlosses Weesenstein und die Reste des Belvederes Weesenstein besucht, am anderen vom Müglitztal hinauf nach Maxen über Crotta und Schmorsdorf mit der uralten Linde. Wenn man andächtig unter ihr auf der Bank sitzt, geht ein Wunsch in Erfüllung, heißt es. Ich hätte nichts dagegen. Später in Maxen am Katzenseniorenheim vorbei, in dem mehr als siebzig alte Katzen leben ein Umstand, der mich immer sehr berührt, vorbei an einer lustigen kleinen Ziegenherde zum Blauen Häusel an der Abbruchkante zum Müglitztal und über Mühlbach zurück zum Ausgangspunkt.

Rammdösigkeitsantidot

Das kleine Bergstädtchen Geising und den dortigen Friedhof besucht. Zwei ehemalige Bewohner des Pflegeheimes, in dem ich früher gearbeitet habe, sind dieses Jahr verstorben und wurden da begraben. Früher lagen zwischen ihren Zimmern drei weitere Zimmer jetzt liegen zwischen ihren Gräbern drei weitere Grabstellen.

Am nächsten Tag erst die Exulantenkirche, später die kleine Exulantensiedlung Georgenfeld angesehen und schließlich durch des Georgenfelder Hochmoor gewandert. Da war ich seit Kindertagen nicht mehr. Man kann dort oben vom Osterzgebirgskamm weit nach Osten und im Süden bis zu den Kegelbergen des Böhmischen Mittelgebirges schauen.

Mügeln

Auf den Spuren der Vergangenheit. Das Haus am Stadtrand von Mügeln, in dem die alten Tanten wohnten, steht noch. Als ich ein Kind war und wir sie besuchten, ging eine Obstplantage fast bis ans Haus heran. Heute führt die Umgehungsstraße daran vorbei. Die Straßen um den Markt herum sind dafür verkehrsberuhigt. Einige kleine Geschäfte gibt es dort, manche davon existierten schon vor der Wende. Wir waren in der Kirche, sie riecht noch wie früher nach feuchten Wänden und vergangenen Jahrhunderten. Die erste Gaststätte in die wir einkehrten, konnte, obwohl geöffnet, keine Mahlzeiten anbieten. Die Köchin war noch beim Friseur. In der zweiten erwartete man ein Klassentreffen, servierte uns aber dennoch ein sehr gutes Mahl. Anschließend ein kleiner Stadtbummel. Schloss Ruhethal, an das ich gar keine Erinnerung habe, und vor allem die Wirtschaftsgebäude sind arg verfallen. Zum Abschluss suchten wir auf dem Friedhof im Nachbarort nach dem Grab der Tanten. Es ist schon vor langer Zeit eingeebnet worden.

Nossen

N. führte mich durch Nossen. Der Klosterpark Altzella hatte zwar geschlossen, was uns nicht weiter verdroß, denn es gab noch mehr zu sehen. Wegen der Wärme und weil ich ein Flaneur und Genießer bin, aber hauptsächlich wegen der Wärme, setzte ich mich immer wieder auf unseren Weg kreuzende Bänke, was die Dame sehr belustigte. Wenn du dich unbedingt mit alten Kerlen abgeben willst, ist das ein kleiner Preis, es könnte viel schlimmer sein – hielt ich dagegen. Schließlich verliebte ich mich ins Nossener Schloss und werde es wohl kaufen. Finanzierung noch völlig offen.

Meißen

Mit N. einen Nachmittag durch das tausendjährige Meißen abseits der Touristenpfade. Leider hatte das von mir ausgespähte Restaurant einen vorgezogenen Ruhetag eingelegt. Im Garten nur ein stummer alter Zausel und ein wie toll bellender Hund. Also woanders eingekehrt. Auch schön. Die ganze Zeit gut unterhalten. Doch Sozialkontakt welcher Art auch immer strengt mich unheimlich an. Zum Glück ist die Frau unkompliziert und bar jeden affektierten Gehabes.

Zeithain

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Zeithain eine ähnliche Situation wie auf dem bei Königsbrück. Nach Abzug der sowjetischen Truppen und Aufgabe der militärischen Nutzung wurde das Gebiet als Naturschutzgebiet Gohrischheide unter Schutz gestellt. Große Teile dürfen wegen Munitionsbelastung nicht betreten werden. Auch hier hat sich ein Wolfsrudel eingerichtet.
Die Kasernenanlagen abgerissen, auf den Freiflächen ein Solarpark, der gerade erweitert wird. Ein paar historische Gebäude aus der Kaiserzeit wurden stehen gelassen, Pferdestall, Manschaftsbaracke, Kommandantur und ein paar Offiziers- und Beamtenwohnhäuser. Etwas versteckt eine hierhin umgesetzte Lenin-Skulptur und eine, die Mütterchen Rußland darstellt.

Vortrag

Mit N. bei einem Vortrag gewesen. Später in einem Restaurant gegessen, unterhalten und durch die Stadt gewandert. Alles ganz harmlos, ungezwungen aber keineswegs banal. Sehr angenehm. Konklusion: Ich kann auch »Sozialleben«. Einzelgängerisches Verhalten dennoch bevorzugt.