Mügeln

Auf den Spuren der Vergangenheit. Das Haus am Stadtrand von Mügeln, in dem die alten Tanten wohnten, steht noch. Als ich ein Kind war und wir sie besuchten, ging eine Obstplantage fast bis ans Haus heran. Heute führt die Umgehungsstraße daran vorbei. Die Straßen um den Markt herum sind dafür verkehrsberuhigt. Einige kleine Geschäfte gibt es dort, manche davon existierten schon vor der Wende. Wir waren in der Kirche, sie riecht noch wie früher nach feuchten Wänden und vergangenen Jahrhunderten. Die erste Gaststätte in die wir einkehrten, konnte, obwohl geöffnet, keine Mahlzeiten anbieten. Die Köchin war noch beim Friseur. In der zweiten erwartete man ein Klassentreffen, servierte uns aber dennoch ein sehr gutes Mahl. Anschließend ein kleiner Stadtbummel. Schloss Ruhethal, an das ich gar keine Erinnerung habe, und vor allem die Wirtschaftsgebäude sind arg verfallen. Zum Abschluss suchten wir auf dem Friedhof im Nachbarort nach dem Grab der Tanten. Es ist schon vor langer Zeit eingeebnet worden.

Nossen

N. führte mich durch Nossen. Der Klosterpark Altzella hatte zwar geschlossen, was uns nicht weiter verdroß, denn es gab noch mehr zu sehen. Wegen der Wärme und weil ich ein Flaneur und Genießer bin, aber hauptsächlich wegen der Wärme, setzte ich mich immer wieder auf unseren Weg kreuzende Bänke, was die Dame sehr belustigte. Wenn du dich unbedingt mit alten Kerlen abgeben willst, ist das ein kleiner Preis, es könnte viel schlimmer sein – hielt ich dagegen. Schließlich verliebte ich mich ins Nossener Schloss und werde es wohl kaufen. Finanzierung noch völlig offen.

Meißen

Mit N. einen Nachmittag durch das tausendjährige Meißen abseits der Touristenpfade. Leider hatte das von mir ausgespähte Restaurant einen vorgezogenen Ruhetag eingelegt. Im Garten nur ein stummer alter Zausel und ein wie toll bellender Hund. Also woanders eingekehrt. Auch schön. Die ganze Zeit gut unterhalten. Doch Sozialkontakt welcher Art auch immer strengt mich unheimlich an. Zum Glück ist die Frau unkompliziert und bar jeden affektierten Gehabes.

Zeithain

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Zeithain eine ähnliche Situation wie auf dem bei Königsbrück. Nach Abzug der sowjetischen Truppen und Aufgabe der militärischen Nutzung wurde das Gebiet als Naturschutzgebiet Gohrischheide unter Schutz gestellt. Große Teile dürfen wegen Munitionsbelastung nicht betreten werden. Auch hier hat sich ein Wolfsrudel eingerichtet.
Die Kasernenanlagen abgerissen, auf den Freiflächen ein Solarpark, der gerade erweitert wird. Ein paar historische Gebäude aus der Kaiserzeit wurden stehen gelassen, Pferdestall, Manschaftsbaracke, Kommandantur und ein paar Offiziers- und Beamtenwohnhäuser. Etwas versteckt eine hierhin umgesetzte Lenin-Skulptur und eine, die Mütterchen Rußland darstellt.

Vortrag

Mit N. bei einem Vortrag gewesen. Später in einem Restaurant gegessen, unterhalten und durch die Stadt gewandert. Alles ganz harmlos, ungezwungen aber keineswegs banal. Sehr angenehm. Konklusion: Ich kann auch »Sozialleben«. Einzelgängerisches Verhalten dennoch bevorzugt.

Pirna

Gestern mit N. in Pirna unterwegs. Zuerst Schloss, Schlosspark mit Restgebäuden der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt besichtigt. Wir waren auch in der kleinen Ausstellung der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Ich bin da vorher nie drinnen gewesen. Wenn man in der Gaskammer steht, im Leichenraum, im Verbrennungsraum ist das sehr beklemmend. Auf wenigen Quadratmetern wurden in wenigen Monaten fast 15.000 Menschen umgebracht und verbrannt. Ein Vorläufer von Auschwitz mitten im Reich in einer kleinen, hübschen Stadt.

Später durch die Altstadt, an der Elbe lang und rüber auf die andere Elbseite, hoch zum Burglehnpfad mit schönem Blick auf die Stadt. Danach Einkehr in eine urige Kneipe. Im Dunklen durch den Schlosspark zurück zum Auto. Angenehm das Zusammensein, es macht mir Spaß ihr Dinge zu zeigen und zu erklären. Sie ist neugierig und erweitert auch meinen Horizont.

 

Wildnis

Gestern nochmals ehemaliger Truppenübungsplatz Königsbrück. Dieses Mal weiter westlich bei Röhrsdorf auf Inspektion, dort wurden in den 1960’er Jahren von den Russen Panzerkasernen errichtet. Die Gebäude alle abgerissen, nur noch Betonplatten, in den Ritzen wachsen Birken. Ein oder zwei schiefe Laternenmasten stehen noch im aufwachsenden Jungwald. In den vernässten Senken arbeiten die Biber nach Kräften und nagen die Pappeln reihenweise um. Überall Schilder, die auf das verlassene Militärgelände und die Munitionsbelastung hinweisen und das Betreten verbieten.
Ich finde das sehr tröstlich: vor tausend Jahren war hier Urwald, dann ein paar hundert Jahre hindurch bäuerliche Kulturlandschaft mit kleinen Dörfern, Feldern und Wiesen, dann für hundert Jahre ein Truppenübungsplatz und jetzt frisst alles wieder der Wald. Als ob nie Menschen da gewesen wären.

Ehemaliger Truppenübungsplatz

Die Überreste des »Neuen Lagers« in Königsbrück. Viele Gebäude stehen nicht mehr, die meisten abgerissen, der Rest verfallen und schon fast vom Wald verschluckt. Auf den freien Flächen ein Solarpark. Dort sah ich meinen ersten Wolf. Ich glaube wenigstens, dass es ein Wolf war. Möglich wäre das, es gibt seit Jahren ein Rudel in der Königsbrücker Heide. Hundeartig, grau, größer als ein Fuchs lief das Tier von einem Solarfeld über den Weg, eine offene Gebüschfläche in den Wald. Entfernung vielleicht zweihundert Meter. Dann ein einsamer Marsch durch Sukzessionsflächen zum Haselberg, dort steht ein Holzturm. Grandioser Rundblick in der Abendsonne bei eisigem Ostwind. Auch auf dem Rückweg keinen Menschen getroffen. Ich muss noch mal dahin.

Streifzug

Mit N. einen Nachmittag an der Elbe unterwegs. Sonnig aber windig und kalt. Einen Abstecher in die Tierklinik gemacht und Schmerzmittel für ihre Katze geholt, die auch krank ist. Durch die Parks der Elbeschlösser gestreift, an der Saloppe vorbei zum Blauen Wunder. Schließlich im Schillergarten eingekehrt. Erst im Dunklen zurück.