Stilles Glück

Den Fedora rausgekramt und zur Anwendung gebracht. Sitze nun gut behütet auf einem Reiterhof, sehe mir schöne Pferde und Frauen an, höre den Wind in den Bäumen rauschen, Vögel singen und Grillen zirpen. Bin sehr zufrieden mit meiner Beschäftigung.

Mont Klamott

Gestern mit N. zu Fuß durch Dresden von der Südvorstadt bis zum Heller. Dort dann auf den Halden herumgestiegen, die nach dem letzten Kriege aus den Trümmern der Stadt aufgeschüttet wurden und heute saniert und Biotope sind. Da oben ist es ruhig und grün, die Stadt hingegen wird mir immer unerträglicher. Wie kann man diesen dauernden Lärm nur aushalten? Nicht grundlos versuche ich N. meist in ländliche Gebiete zu verschleppen. Ich kann mich nicht konzentrieren bei Lärm bzw. nur darauf meine aufsteigende Aggressivität zurückzudrängen. Doch gestern hat sich N. als Stadtkind durchgesetzt. Zur Strafe musste sie sich meine Sniper-Phantasien anhören, wie ich von erhöhtem Standpunkt aus für Ruhe sorge. Doch dieses nur am Rande. Schön war das Treffen trotzdem nach so langer Zeit.

Stauchitz, Hof und Staucha

In der Nähe der alten Pappmühle in Stauchitz soll sie liegen, die Burg Gana, welche Heinrich I. im Winter 928/929 auf seinem Zug gegen die Daleminzier nach zwanzigtägiger Belagerung zerstört hat. Die Erwachsenen wurden sämtlich getötet, die Kinder in die Gefangenschaft geführt, die Anlage nieder gebrannt. Dieses Ereignis markiert, wenn man so will, den Anfang der späteren Mark Meißen des späteren Sachsens. So wird aus einem Blutbad am Ende große Geschichte. Heute sieht man im Acker noch einen kleinen unscheinbaren Hügel.

Von Stauchitz bin ich weiter nach Hof gelaufen und sitze dort im Schlosspark mit wunderbarem alten Baumbestand. Später will ich noch nach Staucha, wo der Herr Sodann seine Bücher hortet.

Viel passiert

Ich sitze im Schlosspark von Seerhausen dessen Schloss von dummen Menschen 1949 gesprengt wurde auf einer Bank in der Sonne und sinniere. Ein Kuckuck ruft und Eichhörnchen tragen Eicheln umher.

Aufregende Zeiten ganz allgemein und mich persönlich und teure auch. Ersten Schätzungen zufolge belaufen sich die Kosten für meinen persönlichen Westwall auf 25.000 € einen Rechtsanwalt noch gar nicht eingerechnet. Die Heizungsanlage macht es nicht mehr lange – mindestens 7.000 €. Und gestern hatte ich noch einen kleinen Unfall mit dem Auto, weil ich einer Frau hinterher sehen musste. Zumindest ist mein Covid-19 Test negativ.

Trotz allem komme ich langsam etwas zur Ruhe. Ich freue mich, dass es meinem Vater nach seinem Schlaganfall wieder recht gut geht. Er werkelt im Garten herum und spricht wieder weitgehend flüssig. Ein kognitiver Abbau ist nicht zu leugnen aber schränkt die Lebensqualität noch nicht ein. Nur der Muskelabbau und die Schmerzen unter dem Simvastatin machen mir Sorgen. Ein Thema beim nächsten Arztbesuch.

Aber jetzt erstmal weiter durch den Schlosspark Seerhausen und dann gleich zum nächsten in Jahnishausen.

 

Hinaus

Der Park von Schloss Seußlitz ist menschenleer. Nur ein paar Eichhörnchen turnen in den Bäumen herum. Die Tür zur Schlosskirche steht offen, es riecht darin nach vergangenen Jahrhunderten. Auf dem alten Friedhof verwittern die Grabsteine längst dahingegangener Adliger. Nirgends ein Mensch. Im oberhalb gelegenen Weinberg zirpen die Grillen.

Trassenspaziergang

Gestern entlang einer Eisenbahnstrecke gewandert. Nicht irgendeiner, sondern bei Oberau an der ersten deutschen Fernbahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden, die 1839 eröffnet wurde und noch heute genutzt wird. Im Zuge dieses Streckenbaues wurde bei Oberau von Freiberger Bergleuten ein Tunnel gebohrt – auch etwas Besonderes. Durch notwendige Erweiterungen der Strecke musste der Tunnel in den 1930’er Jahren abgebrochen werden. Aus den Portalresten hat man am ehemaligen Standort ein Tunneldenkmal errichtet.

Erste Hilfe

Gestern ein wenig rund um den Ochsenkopf in Glashütte spaziert. Ich war spät dran, es war kalt und ich etwas missgelaunt. Um sich abzulenken von Dingen, die man nicht ändern kann, sollte man sich mit etwas Schönem befassen. Glashüttes Karriere als Bergstadt ist schon länger Geschichte, die als Standort der Uhrenindustrie blüht wieder. In diesem kleinen Ort werden so schöne mechanische Uhren hergestellt, man glaubt es kaum. Mir gefallen besonders die einfach und elegant gehaltenen, die gleichzeitig mit höchster Präzision laufen. Will man es schwarz auf weiß, kommt man um ein Chronometer nicht herum. Wie es der Zufall will, liegt auf dem Ochsenkopf die Sternwarte Glashütte. Von Wempe wurde das verfallene Gebäude saniert und beherbergt seitdem die einzige Chronometerprüfstelle Deutschlands. Sollte ich mir irgendwann einmal eine Teutonia II Chronometer von Mühle kaufen, würde sie genau dort zertifiziert. Nach solcherart Überlegungen ging es mir sofort spürbar besser.

Ausflug im Nebel

Gestern einen Boselspaziergang unternommen. Die kurze Tour ähnelt der hier beschriebenen Route. Allerdings kein Fernblick möglich. Anfangs nur ein paar Nebelfetzen im Elbtal, die immer dichter wurden. Nach kurzer Zeit war alles komplett zugezogen. Das machte mir aber nichts. Ich laufe gern im dichten Nebel, das hat etwas von Endzeitstimmung. Kaum ein Mensch unterwegs.

Kleine Ausflüge

Gestern von Niederwartha elbabwärts bis zur Gauernitzer Elbinsel gewandert. Dort die von den Kormoranen beindruckend weiß geschissenen und zum Teil bereits abgestorbenen Bäume betrachtet. Sie leuchten schon von Weitem über den Elbstrom herüber. Vor kurzem wurde auf der Insel ein Denkmal saniert, das vor über zweihundert Jahren der damalige Besitzer des Gauernitzer Schlosses seiner Frau gewidmet hat. Kaum jemand wird das Denkmal je zu sehen bekommen, denn die Insel darf aus Naturschutzgründen nicht betreten werden. Mir gefällt der Gedanke außerordentlich. Der Geste und der Liebe tut das keinen Abbruch.

Heute hingegen zunächst am Meißner Winterhafen unterwegs und die an Land verbrachten Boote kontrolliert, dann bei strahlendem Sonnenschein die Katzenstufen hinauf nach Proschwitz. Sitze nun dort im Weinberg und schaue auf Meißen hinunter. Ein Mann mäht mit seinem Traktor das Gras zwischen den kahlen Rebreihen. Von Süden zieht es zu. Die Sonne ist weg, der Wind weht frischer. Kalt ist’s im Scriptorium – vor allem wenn es im Freien liegt. Ich muss weiter.

Spaziergang an der Elbe

Gestern im Elbtal von Niederwartha nach Gohlis unterwegs. Weidende Gänse auf bestellten Ackerflächen, verschiedene Arten von Enten am Ufer, zwei Grünspechte und jede Menge Krähen angetroffen, dafür nur wenige Radfahrer mit roten Gesichtern auf dem Elbradweg. Der kalte böhmische Wind hat auch mich fast eingefroren.

In Gohlis an jedem zweiten Haus in drei Metern Höhe die Hochwassermarke vom 17.08.2002. Die Deiche wurden infolge ertüchtigt, zum Teil erhöht zum Teil neu gebaut. Zur Elbe hin steht eine Flutmauer, die ein bisschen wie eine zu klein geratene Stadtmauer aussieht. Bis zur Gohliser Windmühle habe ich es geschafft, dann war ich erledigt.