Fachgespräch

Jetzt sterben die letzten COVIDianer, jene die ihre Infektion zunächst überstanden haben aber Wochen oder Monate später dennoch an irgendwelchen Covid induzierten Komplikationen eingehen. In der letzten Nacht mit einer jungen Ärztin unterhalten, während sie den Totenschein für einen weiteren auf diese Weise Verstorbenen ausfüllte. Die Höhe der Antikörper nach einer überstandenen Covid-Infektion ist nach ihrer Untersuchung erstaunlich gering, nur nach schwerem Krankheitsverlauf signifikant. Erst nach erfolgter Impfung seien die Antikörper wirklich in hohem Maße vorhanden. Ein Glück, dass es mit dem Impfen so schnell voran geht.

Interessante Frau und auch sehr attraktiv. In diesem letzten Punkt deutlich über dem Niveau der von mir ebenfalls sehr geschätzten Dr. House, Dr. Perry Cox und Dr. Hawkeye Pierce liegend. Vielleicht stirbt bald wieder jemand und ich sehe sie wieder.

Comirnaty die Erste

Am Mittwoch die erste Impfung erhalten. Fühlte mich in der Nacht auf Donnerstag wie vom Bus überfahren und tattrig wie ein Neunzigjähriger – Schüttelfrost und Kopf- und Gliederschmerzen. Nichts woran man stirbt aber unglaublich zermürbend. Zum Glück hatte ich frei. Nach zwei Tagen war der Spuk vorbei bis auf noch bestehende leichte Schmerzen an der Einstichstelle. Bin auf die Nebenwirkungen nach der zweiten Impfung gespannt, die sollen wesentlich stärker sein.

Würde trotzdem jedem empfehlen sich impfen zu lassen, je älter desto dringlicher. Die Sterberate bei den Alten im Pflegeheim mit Vorerkrankungen, und die haben schließlich alle welche, ist wirklich exorbitant. Und von den vermeintlich Genesenen lagen dann auch noch etliche einfach so tot im Bett.

Umso beschämender wie unsere Politiker die einzige Chance diese Pandemie zu beenden vergeigt hat. Inkompetenz gepaart mit krankhaftem moralischen Sendungsbewusstsein – dafür steht heute Deutschland. Ich kann diese ekelhaften Gestalten einfach nicht mehr ertragen. Ein Trump oder ein Johnson haben in dieser Sache für ihre Länder wesentlich mehr erreicht als unsere politisch korrekten Witzfiguren.

Viel zu tun

Habt ihr Corona-Fälle im Haus, fragt der Typ vom Rettungsdienst. Zurzeit nur noch vier, die anderen sind alle gestorben, antworte ich. Langsam nimmt es surreale Züge an. Das Heim ist zu einem Viertel leer, die Leute sterben wie die Fliegen mit und an Corona. Das Pflegepersonal dünnt auch sehr aus, manche als Positive nur in Quarantäne, manche richtig schwer krank. Ich bin immer noch negativ trotz häufigen Kontaktes mit Erkrankten. Die häufigsten mir aufgefallenen Anzeichen bei den später schwer verlaufenden Fällen sind Wesensveränderungen bis hin zu psychotischen Schüben, extreme Schwankungen des Blutzuckerwertes manchmal auch hohes Fieber. Wenn die Leute den irren Blick bekommen, gehen bei mir die Alarmglocken an.

Film oder Realität oder Film

Gestern wieder einmal „Lost in Translation“ gesehen. Einsamkeit und Verlorenheit, die einem in einer fremden, unverständlichen, gar rätselhaften Umgebung erst richtig zu Bewusstsein kommen…

Habe seit einiger Zeit den Eindruck, dass L. und ich das im Kleinen in einem einzigen Haus in der Version „Lost in Corona“ nachspielen. Sie ist 19 und arbeitet auf der Isolierstation, ich bin 47 und arbeite im ganzen Haus. Sie hat meistens Tagdienst, ich immer Nachtdienst jetzt häufig wieder in der 12 Stunden Variante. Wir haben uns ewig nicht gesehen, wir telefonieren nur lange, früh wenn sie kommt und abends wenn sie geht. Sie hält sich erstaunlich gut zwischen all dem Tod und Verderben. Zwischen L. und mir hat sich eine Vertrautheit entwickelt, die ich gar nicht für möglich gehalten hätte. Ihr Durchhalte- und Einfühlungsvermögen beeindrucken mich.

„Lost in Translation“ – ein schöner Film. Gute Szenen, Charaktere glaubhaft dargestellt, gelungene Improvisationen.

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Wasserstandsmeldungen

Haben jetzt eine Isolierstation – ist schon voll. Im Haus tauchen immer wieder Infizierte auf unter den Bewohnern und unter dem Personal. Ein Muster ist nicht zu erkennen. Montag wieder einmal ein PCR-Test für das Personal, der vierte in meinem Fall und bisher alle negativ. Falls positiv und man nicht krank ist, darf man auf der Isolierstation weiter arbeiten. Häusliche Absonderung ist für Pussies. Realistisch gesehen ist ein Bewohner an den Folgen der Infektion gestorben, hohes Fieber, Lungenentzündung, tot. Die anderen sind einfach so gestorben, die Vereinsamung wird ihren Teil dazu beigetragen haben und das die Krankenhäuser in diesen Zeiten nicht auf alte, multimorbide Leute warten, um Diagnostik wie aus dem Lehrbuch zu betreiben. Bleiben also meist in der Einrichtung, gucken die Wand an und – hoppla – manchmal ziehen sie den kürzeren.