Läuft

Haben jetzt auch jeweils zwei dieser in Heimarbeit genähten MNS ausschließlich für den Dienstgebrauch erhalten. Das Muster im Sichtbereich entspricht allerdings nicht meinen Wünschen – Totenköpfe waren vermutlich aus. Wir führen auch permanent Listen was so alles desinfiziert wird. Nach allem was man liest, desinfizieren wir nebenbei und zusätzlich zum Tagesgeschäft ziemlich viel. Die gute Nachricht: An Listen ist bisher kein Mangel!

Immer so weiter

Und wieder ist ein Tagesgast über den Styx gesetzt. Die Angehörigen sind Tag und Nacht bei ihm gewesen. Sie waren etwas seltsam aber es ist nicht an mir den individuellen Umgang der Angehörigen mir ihrem sterbenden Verwandten zu kommentieren. Habe kein Sendungsbewusstsein und keinen Erziehungsauftrag. Die ruhigen und stillen sind mir naturgemäß lieber als die hysterischen oder esoterischen Familienmitglieder. Aber man muss nehmen was kommt.

Endspurt

Wieder ein neuer Tagesgast, so nenne ich für mich die Palliativpatienten wegen ihres so schnellen Verfalles, diesmal: Pankreaskopfkarzinom mit fortgeschrittener Metastasierung. Ein netter Mensch, der weiß was auf ihn zukommt. Und dann ist da noch der unheimlich fette Patient, ein wirklicher Unsympath, der dem Ende entgegen fault und auf seine Sepsis wartet. Niemand kann ihn leiden. Doch immer zutraulicher und freundlicher wird er mir gegenüber, je schlechter es ihm geht. Ich kann seine Angst vor dem bevorstehenden jämmerlichen Ende erkennen. Nicht einfach ihm wenigstens ein Fitzelchen Würde zu erhalten. Ich kann damit umgehen. Für den Fall, dass dies einmal anders wird, sollte ich jedoch ein kleines Budget für Nutten und Schnaps zurück behalten.

Bitte nicht stören!

Ich muss noch ein wenig über das Polaroid-Paradoxon nachdenken. Das geht am besten in der Nacht, wenn Ruhe ist. Zum Glück habe ich gerade eine Nachtdienstsession vor mir. Hoffentlich stirbt nicht wieder jemand oder spritzt die Bude mit seinem Blut voll, das würde mich nur unnötig ablenken.

Bis zur Bahre

Immer öfter bekommen wir Palliativpflegefälle ins Heim, die nur wenige Tage bis Wochen durchhalten – oft Krebspatienten im Endstadium. Hospizplätze sind noch rar trotz steigender Angebote. So wird das Pflegeheim aus der Not heraus zu einem Hospiz light. Zu einer richtigen Hospizpflege wie sie im Buche steht und gerne in der Öffentlichkeit kommuniziert wird, ist ein Standardheim personell gar nicht in der Lage auch mit Hinzuziehung der mittlerweile etablierten SAPV-Teams nicht. Aber wir tun einfach mal so als ob. Ist einfach besser so. Außer vielleicht für die Palliativpatienten. Aber hey, irgendwas ist immer.

Irritation

Keine Probleme mit dem Aussehen und dem Geruch von Körperausscheidungen aller Art. Ich mache immer Witze darüber zum Ärger meiner zartbesaiteten Kollegen. Nur der merkwürdig dumpfe Geruch von großen Mengen Blut irritiert mich. Es ist ein eigenartig und schwer zu beschreibender Geruch. Mir wird nicht schlecht oder dergleichen, ich habe keine Probleme beim Anblick und funktioniere weiter. Es ist einzig dieser merkwürdige Geruch, der im Raum schwebt und der mir nahe geht und dieses auch erst bei größeren Mengen Blut.

Arbeit der Nacht

Nachts in der Pflegefabrik von einem Igel und Katzen besucht worden. Auch von der Polizei, die einen Entflohenen zurück brachten. Letztens sah ich zudem eine Sternschnuppe, des Weiteren wahrscheinlich die ISS und zusätzlich eine Fledermaus in deutlich niedrigerer Flughöhe. Sonst wurde von den Insassen gestürzt, gestorben und durchgedreht, wie man es von ihnen gewöhnt ist. Sitze jetzt aus Rekreationsgründen in einer sich entwickelnden Wildnis auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Zeithain und hadere mit den Nachwehen meiner Migräne.

Wasserstandsmeldung

Keine Probleme beim Wechsel vom Tag- in den Nachtbetrieb. Um so größere bei der Rückumstellung auf den üblichen Rhythmus – Migräne, Schlafstörungen und wüste Träume sind die Folge. Einer der wenigen Nachteile beim Dauernachtdienst. Für mich überwiegen dennoch die Vorteile.

An freien Tagen jetzt vielfach an der Elbe außerhalb der Städte unterwegs. Gestern zum Beispiel gegenüber von Kreinitz in geschichtsträchtiger Gegend auf einem Baumstamm im Schatten gesessen und Raubfische bei der Jagd beobachtet. Die Opfer – kleine fingerlange Schwarmfischlein – sprangen aus dem Wasser in alle Richtungen davon.

 

Los gehts

Urlaub schon wieder vorbei. Gewohnheitsmäßig nutzte ich diesen dazu liegen gebliebene Angelegenheiten abzuarbeiten. Wie gewohnt gelang das nur zum Teil. Das macht mir aber wie gewöhnlich nichts.

A. hat inzwischen ihre Reha angetreten. N. erholt sich vom Ausgraben. Ich starte wieder in den Nachtdienst.

Auszug

Gestern hat A. ihren temporären Aufenthalt in unserer Anstalt beendet. Sie ist vorerst nach Hause zurück gekehrt, der Beginn der Reha ist noch unklar. Ich habe sie an meinen freien Tagen häufig besucht und wir haben uns auch über Katzen unterhalten aber nicht nur. Eine beeindruckende willensstarke Frau. Sie hat mich eingeladen, mir ihre ungefähr eine Autostunde entfernte kleine Stadt zu zeigen, wenn sie wieder besser laufen kann. Ich freue mich darauf.

Zudem gab es weitere Höhepunkte in meiner geruhsamen Existenz, die in ihrem Erlebniswert aber weit abfallen, dazu zählen zum Beispiel eine 24 Stunden Gastroenteritis und die Behandlung bei meinem Zahnarzt.