Rohrschatten (nicht Rorschach)

Zu Fuß und mit dem schweren Fotorucksack unterwegs auf der EUGAL-Trasse, die sich von der Ostsee kommend durch die sächsische Landschaft Richtung tschechischer Grenze narbt. Mein Hut ist noch nicht eingetroffen, weshalb ich ab und zu meinen Kopf im Schatten der Rohrsegmente herunter kühlen muss bevor der Liquor kocht. Derweil schreibe ich zum Zeitvertreib Dinge ins Internet.

N. gibt an, ihre archäologischen Grabungen entlang der Trasse ohne nennenswerte Funde beendet zu haben: ein paar Münzen aus der frühen Neuzeit, ein Steinbeil und anderer neolithischer Krimskrams – mehr nicht. Keine 2. Himmelsscheibe von Nebra oder vergleichbares. A. hingegen schweigt zurzeit sehr eindrücklich, was ich nicht recht einordnen kann und mich ein wenig traurig macht.

Liquor wieder ok. Weiter gehts.

Freizeitbeschäftigung

Ich bin ja ein ausgesprochener Impf-Befürworter, ich muss mich nur aufraffen. Habe meine Schwerfälligkeit nun endlich überwunden und mich zu einer FSME-Impfsession entschlossen, da mein bevorzugtes Streifgebiet jetzt ebenfalls zum FSME-Risikogebiet zählt und ich jedes Jahr mehrmals von hungrigen Zecken angefallen werde. So verbringe ich meinen Urlaub mit Zahn- und Hausarztbesuchen und mit Fotografieren natürlich, verstärkt wieder mit dem großen Besteck.

Pipeline-Bau

Gestern die Baustelle der EUGAL-Erdgasstrasse bei Brockwitz an der Elbe inspiziert. Im Vorfeld der Bauarbeiten hat N. bei archäologischen Grabungen mitgewirkt. Ein paar bronzezeitliche Funde wurden dort gemacht. Die EUGAL-Trasse verläuft in Sachsen weitgehend parallel zur OPAL-Trasse, die vor ein paar Jahren gebaut wurde. Mich interessiert vor allem die Elbquerung. Leider war gestern das Licht eher ungünstig und heute ist es noch schlechter.

Eine Blende mehr

Einen der frischen Fuji Pro 400H mit 200 ASA belichtet. Das scheint mir für diesen Film die am besten passende Empfindlichkeit zu sein. Bei 100 ASA werden die Farben schon sehr bonbonartig, das kann man in der Nachbearbeitung nur schwer wieder hinbiegen. Im Scan passt es bei Belichtung mit 200 ASA fast auf Anhieb. Der Film ist etwas körniger als der Kodak Portra 400 aber im Rollfilmformat immer noch akzeptabel.

Farbfilme

Unzufrieden mit den Scanergebnissen der beiden zu »Mein Film Lab« geschickten Fuji Pro 400H. Der Beschnitt zu groß, zwei bis drei Millimeter auf jeder Seite, das verändert den Bildeindruck vollkommen, vergleichbar einem Heranzoomen. Ich arbeite in der Regel formatfüllend, statt mit Beschnitt wäre es mir lieber mit Negativrand zu scannen. Und die Farbabstimmung viel zu neutral, rötliches Gestein wird zu grauem. Sieht jedenfalls alles falsch aus. Wahrscheinlich könnte man mit den Leuten reden, zumindest was die Farbabstimmung angeht. Mehr stört mich aber der Beschnitt und der wird als technisch bedingt verkauft.

Also doch wieder selbst gescannt und an den Farben gedreht, was ich mir gerne schenken wollte. Erstaunlicherweise hat mein Consumermodell von Scanner (Epson V700) keinerlei Probleme mit den um zwei Blenden überbelichteten Filmen, keine ausgebrannten Lichter. In der ersten Begeisterung gleich noch 5 Rollen vom Fuji Pro 400H bestellt. Trotzdem fühlt sich Farbe fremd für mich an. Wird die Ausnahme bleiben. Da ich noch ein paar Ilford XP2 Super auf Eis liegen habe, nutze ich erst mal diesen schwarzweißen Farbfilm in der Fuji GW690 III.

HRB Niederpöbel

Könnte mein Geld auch als Baustellenführer auf der Großbaustelle des Hochwasserrückhaltebeckens Niederpöbel verdienen. Vermutlich aufgrund meiner vertrauenerweckenden Erscheinung und meines mitgeführten Equipments werde ich von verschiedenen Menschen angesprochen, die gleich mir am Feiertag illegal auf dem Baustellengelände herumkraxeln. Ich gebe einen Abriss der Hintergründe, die den Bau notwendig erscheinen lassen mit kleinem historischen Exkurs, anschließend einen Ausblick in die Zukunft und äußere zugleich mein Bedauern über die Zerstörung eines der letzten unverbauten Seitentäler mit wertvollem Baumbestand in den mittleren Lagen des Osterzgebirges. Hätte ich einen Hut gehabt, hätte ich ihn rumgehen lassen können. Über die Webcams kann man sich jederzeit ganz legal einen Einblick über den Baufortschritt machen.

Fuji Pro 400H

Im Tiefkühlfach liegen noch einige Rollen des Fuji Pro 400H. Vor Jahren habe ich sie nach einigen wenig erfolgversprechenden Versuchen sozusagen auf Eis gelegt. Jetzt wieder rausgekramt, denn im Frühling kann man auch mal was in Farbe machen. Boxspeed ist ISO 400, der Film gilt aber als lichthungrig – vielleicht der Grund weshalb ich seinerzeit an ihm gescheitert bin – man solle ihn eher mit ISO 200 oder sogar ISO 100 belichten. Ich habe mich für ISO 100 entschieden, weil die Filme schon 2013 abgelaufen sind und trotz Aufenthalt im Eisfach sicher schon etwas an Empfindlichkeit eingebüßt haben. Ich werde sie bei Mein Film Lab entwickeln und scannen lassen, weil mir das Gefummel mit der Farbabstimmung auf die Nerven geht. Ergebnisse dauern noch aber ich bin schon gespannt.

Polaroid

Es ist Teil meines Krankheitsbildes, den Erwerb weiterer Kameras zunächst kategorisch auszuschließen, um dann doch zuverlässig wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Eine wirklich schlimme Krankheit ist das und mir fehlt zudem jegliche Krankheitseinsicht. Vielleicht kann mir Dr. Polaroid helfen! Eine wunderbar aufgearbeitete SLR 680, wie sie dieser kleine feine »Shop« anbietet, ist genau die Medizin, die mich zumindest für einige Zeit ruhig stellen würde, von heilen rede ich schon gar nicht mehr.

Die Polaroid Geschichte nimmt ja wieder Fahrt auf, was mich sehr freut. Die Qualität des Filmmaterials wird immer besser. Jetzt heißt Polaroid sogar wieder Polaroid! Wenn man dort jetzt noch daran denken würde, den Trennbildfilm vom Typ 100 wieder herzustellen, dann könnte man auch eine Land Camera ins Auge fassen… Ach Gott, es wird ein schlimmes Ende mit mir nehmen und ich freu mich.