Tiefes Loch

Im Zuge von Recherchen zu Windkraftvorranggebieten bin ich über Umwege bei den geologischen Bohrungen und der Aufschlussdatenbank des Freistaates Sachsen gelandet. Dabei festgestellt, dass 1953 auf unserem Flurstück eine Bohrung stattgefunden hat, die immerhin eine Endteufe von 437,6 Metern erreicht hat. Alte Leute erzählten mir schon mehrfach, dass im Zuge der Wismut-Erkundungen in den 1950’er Jahren in der hiesigen Gegend an vielen Stellen Bohrtürme gestanden haben sollen. Durch die wilde Bohrerei wären dann viele Wasserquellen versiegt, weil die wasserführenden Schichten durchbohrt worden sind.

1938

„Die Nationalisten hatten inzwischen 500 sowjetische Flugzeuge erhalten. Mit ihnen waren 150 »freiwillige« Piloten der Roten Armee gekommen. Da sie aber nur jeweils drei Monate blieben, verschwanden sie wieder, kaum dass sie die nötigen Erfahrungen gesammelt hatten. 150 bis 200 waren ständig anwesend, sodass schließlich 2000 sowjetische Piloten in China gedient hatten.“

Antony Beevor, Der Zweite Weltkrieg

Das war vor fast achtzig Jahren mitten im Japanisch-Chinesischen Krieg, kommt einem aber heute noch merkwürdig vertraut vor.

Kriegsende

Mitte April 1945 startet ein Flugzeug vom Flughafen Klotzsche, Kurs Westen. An Bord zwei Unteroffiziere, ein Gefreiter und drei Luftwaffenhelferinnen. Die Maschine kommt nicht weit, bereits über Freital in Brand geschossen, schafft sie es noch über den Windberg und stürzt ins benachbarte Poisental. Alle Insassen tot. Und da hört es mit den Fakten schon auf und die Spekulation setzt ein, man munkelt von Desertion. Was steckt dahinter? Ein mysteriöser letzter Auftrag? Eine oder mehrere große Liebesgeschichten? Reiner Überlebenswillen, einfach nicht mit dem tausendjährigen Reich sterben wollen? Man könnte einen hollywoodesken Plot daraus weben.

Zu spät

Den Besuch der Ausstellung »Silberrausch und Berggeschrey« in Dippoldiswalde, welche die bisherigen Ergebnisse des ArchaeoMontan-Projektes zum mittelalterlichen Bergbau im sächsischen und böhmischen Erzgebirge vorstellt, ursprünglich ganz fest vorgenommen. Doch erst war noch so viel Zeit, dann war das Wetter zu schön, dann hatte ich keine Zeit, dann war wieder das Wetter zu schön und dann war es plötzlich zu spät. Deshalb freue ich mich, dass ich mir wenigstens den wunderbaren Begleitband zur Ausstellung gesichert habe, der nun auch schon wieder vergriffen ist.

Grenzland

Im Kammgebiet des Osterzgebirges jenseits der Grenze. Eine merkwürdige, bedrückende Atmosphäre in diesen verschwundenen Dörfern, in dieser vom Menschen bereinigten Landschaft. Vorderzinnwald, Voitsdorf, Ebersdorf und wie sie alle hießen. Die uralten Lesesteinwälle sind noch da, man erkennt die ehemaligen Hofstellen, die nur noch graue Schutthügel sind mit Salweiden bewachsen, die früheren Hofeinfahrten. Jahrhundertealte Dörfer abgerissen. Kein Mensch mehr da.

Alter Bergbau

Erzgebirge – der Name sagt alles. Geht man mit offenen Augen durch das Gelände, sieht man immer wieder alte Halden, Gruben und Pingen im Wald und auf den Wiesen und Feldern.
Das grenzüberschreitende Projekt »ArchaeoMontan« hat das Ziel, die ober- und unterirdischen Spuren des mittelalterlichen Bergbaus im böhmischen und sächsischen Teil des Erzgebirges in ausgewählten Referenzgebieten näher zu untersuchen. Die Ergebnisse werden dann in der Wanderaustellung »Silberrausch und Berggeschrey« präsentiert, die im Oktober 2014 auch in Dippoldiswalde Station macht. Ich freue mich vor allem auf die Funde, die in Dippoldiswalde und Niederpöbel, meinem unmittelbaren Streifgebiet, gemacht wurden.

Bildungsfernsehen

Volksbelehrung à la ZDF: Unsere Mütter, unsere Väter. Lernziel: Krieg ist schlecht, frisst Ideale und Menschen, NS-Diktatur als Wurzel des Übels. Alles muss hinein, Kriegserleben, Behandlung der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten, Endlösung der Judenfrage, Kommissarbefehl, Partisanen, SS als ganz böse Schergen (Wehrmacht nicht ganz so schlimm), ein wenig Fraternisierung, Heimatfront und fürs Herz ein wenig Liebelei als Kontrapunkt etc. pp. Belehrungskitsch für ganz Doofe.

Wie mich diese seichte Geschichtsbetrachtung anödet, zieht man die bombastisch inszenierten erhobenen Zeigefinger ab, bleibt nur bekannter Lehrbuchstaub übrig. Wer sich für Geschichte von unten interessiert, sollte die Tagebücher von Klemperer lesen oder die Aufzeichnungen des einfachen Soldaten Willy Peter Reese. Wem das nicht eindrücklich genug ist, hat zu wenig Hirnmasse und ist dem Phänomen des Dritten Reiches mit all seinen Facetten sowieso nicht gewachsen.

Vertane historische Chance

Warum ich diese ganzen Weltkriegsfilme, z.B. gestern diesen Rommel-Film, nicht mag, nichts desto trotz aber häufig dennoch ansehe: Mich schmerzt die Verstümmelung Deutschlands in Konsequenz dieser Kriege, von den menschlichen und kulturellen Verlusten auf allen Seiten ganz abgesehen. Ich hänge sehr der bismarckschen Idee des saturierten Reiches an. Die damalige kleindeutsche Lösung, innenpolitisch natürlich entsprechend umfassend reformiert und modernisiert, empfinde ich als nahe am Ideal. Eine »Revolution« von oben. Warum nicht? Der Einigungskrieg 1870/71 hätte der letzte deutsche Krieg sein und bleiben sollen.