Pirna

Gestern mit N. in Pirna unterwegs. Zuerst Schloss, Schlosspark mit Restgebäuden der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt besichtigt. Wir waren auch in der kleinen Ausstellung der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Ich bin da vorher nie drinnen gewesen. Wenn man in der Gaskammer steht, im Leichenraum, im Verbrennungsraum ist das sehr beklemmend. Auf wenigen Quadratmetern wurden in wenigen Monaten fast 15.000 Menschen umgebracht und verbrannt. Ein Vorläufer von Auschwitz mitten im Reich in einer kleinen, hübschen Stadt.

Später durch die Altstadt, an der Elbe lang und rüber auf die andere Elbseite, hoch zum Burglehnpfad mit schönem Blick auf die Stadt. Danach Einkehr in eine urige Kneipe. Im Dunklen durch den Schlosspark zurück zum Auto. Angenehm das Zusammensein, es macht mir Spaß ihr Dinge zu zeigen und zu erklären. Sie ist neugierig und erweitert auch meinen Horizont.

 

Die Zeit, die Zeit

An einem regenfreien Nachmittag im Golkwald unterwegs gewesen. Durch Weinberge gewandert, Katzen und Pferde gestreichelt. Geschichtsträchtige Flur, mehrere Slawenburgen lagen hier, bereits in der Bronzezeit angelegt, verlassen und wieder besiedelt. Bei dem Burgwall bei Löbsal soll es sich um die Reste der Burg Liubusua handeln, Thietmar von Merseburg schrieb vor 1.000 Jahren darüber. Der Fortgang der Zeit ist mir immer mehr tröstlich als beängstigend erschienen.

Tiefes Loch

Im Zuge von Recherchen zu Windkraftvorranggebieten bin ich über Umwege bei den geologischen Bohrungen und der Aufschlussdatenbank des Freistaates Sachsen gelandet. Dabei festgestellt, dass 1953 auf unserem Flurstück eine Bohrung stattgefunden hat, die immerhin eine Endteufe von 437,6 Metern erreicht hat. Alte Leute erzählten mir schon mehrfach, dass im Zuge der Wismut-Erkundungen in den 1950’er Jahren in der hiesigen Gegend an vielen Stellen Bohrtürme gestanden haben sollen. Durch die wilde Bohrerei wären dann viele Wasserquellen versiegt, weil die wasserführenden Schichten durchbohrt worden sind.

1938

„Die Nationalisten hatten inzwischen 500 sowjetische Flugzeuge erhalten. Mit ihnen waren 150 »freiwillige« Piloten der Roten Armee gekommen. Da sie aber nur jeweils drei Monate blieben, verschwanden sie wieder, kaum dass sie die nötigen Erfahrungen gesammelt hatten. 150 bis 200 waren ständig anwesend, sodass schließlich 2000 sowjetische Piloten in China gedient hatten.“

Antony Beevor, Der Zweite Weltkrieg

Das war vor fast achtzig Jahren mitten im Japanisch-Chinesischen Krieg, kommt einem aber heute noch merkwürdig vertraut vor.

Kriegsende

Mitte April 1945 startet ein Flugzeug vom Flughafen Klotzsche, Kurs Westen. An Bord zwei Unteroffiziere, ein Gefreiter und drei Luftwaffenhelferinnen. Die Maschine kommt nicht weit, bereits über Freital in Brand geschossen, schafft sie es noch über den Windberg und stürzt ins benachbarte Poisental. Alle Insassen tot. Und da hört es mit den Fakten schon auf und die Spekulation setzt ein, man munkelt von Desertion. Was steckt dahinter? Ein mysteriöser letzter Auftrag? Eine oder mehrere große Liebesgeschichten? Reiner Überlebenswillen, einfach nicht mit dem tausendjährigen Reich sterben wollen? Man könnte einen hollywoodesken Plot daraus weben.