Krankenbesuch

An meinem freien Tag A. in der Anstalt besucht und mit ihr nicht über Katzen gesprochen. Das Personal ergeht sich zum Teil bereits in Anspielungen wegen meines augenscheinlichen Interesses, was mir jedoch gleichgültig ist. A. verfügt über einen wachen Verstand, Witz und hat eine angenehme Ausstrahlung. Darüber hinaus gibt es weitere interessante Aspekte an ihr. Leider ist meine soziale Unbeholfenheit nicht gerade von Vorteil.

Da war doch was!?

Wieder einmal Zeitumstellung. Ich hoffe, man trifft die einzig richtige Entscheidung und wählt die Normalzeit als zukünftig dauerhaft geltende. Doch Vernunft steht heute nicht mehr hoch im Kurs. Momentane Befindlichkeiten, das permanente Reden darüber und Gefühlsduseleien haben das Zeitalter der Aufklärung zu einem Ende gebracht. Als gewesener Naturwissenschaftler reibe ich mir verwundert die Augen, Kindereien wohin man blickt. Vielleicht muss ich aber auch nur einmal einen dieser beschissenen Achtsamkeitskurse belegen und gelegentlich mein inneres Kind befragen, was es denn heute so Albernes tun oder lassen möchte und schon ist alles wieder gut.

Seeluft

Cocooning geht auch sehr gut auf den Weltmeeren. Als geeignetes Hilfsmittel hierfür erscheint mir die Bering 77, eine robuste und doch sehr elegante Trawler-Yacht von 23,5 Metern Länge mit großer Reichweite und hoher Seefestigkeit. Sie kann mehrere Wochen auf See bleiben und hat bei einer Geschwindigkeit von 8 Knoten eine Reichweite von mehr als 4.000 Seemeilen. Dieses Boot brauche ich unbedingt für meinen Seelenfrieden. Hoffentlich gibt es so etwas auf Kassenrezept.

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Hilfeschrei

Zu meinem Bedauern muss ich feststellen, immer mehr zum Law and Order Mann und zum Anhänger einer Nulltoleranzstrategie zu werden. Das hat natürlich ausschließlich damit zu tun, dass ich ein verwirrter alter weißer Mann bin, der um den Verlust seiner Macht fürchtet, und nicht etwa mit der unerträglichen um sich greifenden Laissez-faire Einstellung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Diese meine sich entwickelnde falsche Einstellung muss unbedingt bekämpft werden durch den Einsatz mehrerer Sozialarbeiter*innen, ein oder besser zwei Psycholog*innen, um zu lernen über meine Gefühle zu sprechen – immer und immer wieder -, und des Weiteren durch häufig wiederkehrendes Köpfchenstreicheln durch zusätzliche dafür ausgebildete Fachpersonen.

Niedergang

Die Mondfinsternis konnte ich nur kurz beobachten, dann nahm mich wieder die örtliche Finsternis in Form der Psychotiker in Anspruch. Die eine hatte Kreuzottern im Schlüpfer, die andere große Angst vor einem Tier unter dem Bett und dem Mehl im Kopfkissen. Unter den Irren gibt es einfache Charaktere genauso wie Akademiker mit Doktortitel. Alkoholiker haben wir auch, die von Selbstmord faseln dafür aber zu betrunken sind, in ihrer Scheiße liegend den Klosterfrau Melissengeist in großen Schlucken verzehrend. Manchmal habe ich das Gefühl hier im Kleinen den Untergang der menschlichen Zivilisation zu erleben. Alles Agonie, nichts Lebenswertes, nichts Erhaltenswertes. Man wünscht sich nur, dass alles bald vorbei wäre.

Zur Ruhe betten

Gott strafe alle egomanischen und extrovertierten Schreihälse. Wenn nicht anders möglich, gerne durch meine Hand. Ich werde „Deus lo vult“ auf meine natürlich vorzüglich schallgedämpfte Schusswaffe gravieren lassen und mich mit stiller Würde dieser großen Aufgabe widmen.

Wirrkopf

Wie so oft abstruse Träume nach der Nachtdienstsession. Der Körper wehrt sich die erste freie Nacht im Bett mit Schlafen zu verbringen. Er nervt mich mit Kopfschmerzen, Nykturie und wirren Träumen: Ich bin in einer Art hotelartigen Lazarett oder Pflegeheim des Nachts mit vielen bettlägerigen Patienten, endlose verwinkelte Gänge und Säle. Man läuft ewig herum und hat am Ende vergessen, was man eigentlich tun wollte. Dann muss plötzlich evakuiert werden. Alle werden auf ein Feld oder eine Wiese geschleppt und später wieder ins Haus zurück. Man findet nichts mehr, alles durcheinander, das reinste Chaos…

Auf dem Friedhof

Heute die Beerdigung meiner Tante. Kurze Feierstunde im kleinen Rahmen ohne großes Brimborium. Trotzdem etliche Leute da, die meisten kenne ich gar nicht. Die Chefin des Bestattungshauses jedoch ist eine alte Bekannte; ich habe ihr schon viel Kundschaft gebracht. Sie nickt mir freundlich zu. Wir haben schließlich so was wie eine Geschäftsbeziehung.

Mir wird wiederholt bewusst, dass ich zu viel mit Alter, Sterben und Tod zu tun habe. Dass ich einen Hang zu einzelgängerischem Verhalten aufweise, welches durch die Dauernachtdienste (gewollt) noch verstärkt wird. Ich drifte langsam ins Absonderliche ab. Das ist nicht gut. Ich bin zu müde und lethargisch, was das Erhalten bzw. überhaupt das Herstellen von normalen Sozialkontakten angeht. Mich drängt es auch nicht sonderlich danach. Es ist alles so anstrengend und laut und grell da draußen. Trotzdem würde ich gerne mal wieder eine Frau kennenlernen. Aber ich weiß gar nicht mehr wie das geht und das aufgeblasene Gebalze, was man bei anderen so beobachten kann, ist so unglaublich lächerlich und mir vollkommen wesensfremd.