Generelles Unbehagen

Verstimmt, weil mich die Umstände zwingen immer konservativer werden zu müssen. Eine Entwicklung, die ich früher gar nicht für möglich gehalten hätte. Langsam schicke ich mich aber darein. Hysterie – auch gut gemeinte – ist nie ein guter Ratgeber. Als gewesener Naturwissenschaftler bevorzuge ich immer noch das wissenschaftliche Arbeiten, also das kritische Auseinandersetzen mit Themen, eine systematische Herangehensweise und klare Definitionen – kurz eine saubere Arbeitsweise. Moralisches Erhabensein an sich ist kein Argument.

Feststellung

Ich vermisse die Zeit als es noch Stil und Anstand, Höflichkeit und gute Manieren gab. Ich weiß, so hören sich angeblich alte (weiße), frustrierte Männer an. Nur bin ich nicht frustriert, ich bin nur angeekelt. Der heute dominierende rüpelhafte und hysterische Umgangston, in welchem jede noch so belanglose Befindlichkeit ohne Rücksicht laut hinaus gegreint werden muss, geht mir unheimlich auf den Sack – mit Verlaub gesagt.

Soziales und Asoziales

Heute noch einmal Besuch bei A. in der Rehaklinik. Am Wochenende ist da immer die Hölle los, weil Hinz und Kunz ihre Angehörigen besuchen kommen. Es ist dennoch sinnvoll A. am Wochenende zu besuchen, weil sie von Montag bis Freitag dauernd irgendwelche Therapien hat und ich als rücksichtsvoller Mensch den Behandlungserfolg natürlich nicht gefährden will.

Heute und besonders Morgen unglaubliche Hitze. Gestern zufällig an einem Freibad vorbeigekommen – unerträglich das Gedränge und Geschrei. Wie können sich normale Menschen so etwas antun? Es gibt nur eine Erklärung – alles Idioten. Ich kann den Tag kaum erwarten an dem die Spezies Mensch von diesem Planeten endlich verschwindet. Der Erde kann gar nichts Besseres passieren.

Krankenbesuch

An meinem freien Tag A. in der Anstalt besucht und mit ihr nicht über Katzen gesprochen. Das Personal ergeht sich zum Teil bereits in Anspielungen wegen meines augenscheinlichen Interesses, was mir jedoch gleichgültig ist. A. verfügt über einen wachen Verstand, Witz und hat eine angenehme Ausstrahlung. Darüber hinaus gibt es weitere interessante Aspekte an ihr. Leider ist meine soziale Unbeholfenheit nicht gerade von Vorteil.

Da war doch was!?

Wieder einmal Zeitumstellung. Ich hoffe, man trifft die einzig richtige Entscheidung und wählt die Normalzeit als zukünftig dauerhaft geltende. Doch Vernunft steht heute nicht mehr hoch im Kurs. Momentane Befindlichkeiten, das permanente Reden darüber und Gefühlsduseleien haben das Zeitalter der Aufklärung zu einem Ende gebracht. Als gewesener Naturwissenschaftler reibe ich mir verwundert die Augen, Kindereien wohin man blickt. Vielleicht muss ich aber auch nur einmal einen dieser beschissenen Achtsamkeitskurse belegen und gelegentlich mein inneres Kind befragen, was es denn heute so Albernes tun oder lassen möchte und schon ist alles wieder gut.

Seeluft

Cocooning geht auch sehr gut auf den Weltmeeren. Als geeignetes Hilfsmittel hierfür erscheint mir die Bering 77, eine robuste und doch sehr elegante Trawler-Yacht von 23,5 Metern Länge mit großer Reichweite und hoher Seefestigkeit. Sie kann mehrere Wochen auf See bleiben und hat bei einer Geschwindigkeit von 8 Knoten eine Reichweite von mehr als 4.000 Seemeilen. Dieses Boot brauche ich unbedingt für meinen Seelenfrieden. Hoffentlich gibt es so etwas auf Kassenrezept.

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Hilfeschrei

Zu meinem Bedauern muss ich feststellen, immer mehr zum Law and Order Mann und zum Anhänger einer Nulltoleranzstrategie zu werden. Das hat natürlich ausschließlich damit zu tun, dass ich ein verwirrter alter weißer Mann bin, der um den Verlust seiner Macht fürchtet, und nicht etwa mit der unerträglichen um sich greifenden Laissez-faire Einstellung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Diese meine sich entwickelnde falsche Einstellung muss unbedingt bekämpft werden durch den Einsatz mehrerer Sozialarbeiter*innen, ein oder besser zwei Psycholog*innen, um zu lernen über meine Gefühle zu sprechen – immer und immer wieder -, und des Weiteren durch häufig wiederkehrendes Köpfchenstreicheln durch zusätzliche dafür ausgebildete Fachpersonen.

Niedergang

Die Mondfinsternis konnte ich nur kurz beobachten, dann nahm mich wieder die örtliche Finsternis in Form der Psychotiker in Anspruch. Die eine hatte Kreuzottern im Schlüpfer, die andere große Angst vor einem Tier unter dem Bett und dem Mehl im Kopfkissen. Unter den Irren gibt es einfache Charaktere genauso wie Akademiker mit Doktortitel. Alkoholiker haben wir auch, die von Selbstmord faseln dafür aber zu betrunken sind, in ihrer Scheiße liegend den Klosterfrau Melissengeist in großen Schlucken verzehrend. Manchmal habe ich das Gefühl hier im Kleinen den Untergang der menschlichen Zivilisation zu erleben. Alles Agonie, nichts Lebenswertes, nichts Erhaltenswertes. Man wünscht sich nur, dass alles bald vorbei wäre.

Zur Ruhe betten

Gott strafe alle egomanischen und extrovertierten Schreihälse. Wenn nicht anders möglich, gerne durch meine Hand. Ich werde „Deus lo vult“ auf meine natürlich vorzüglich schallgedämpfte Schusswaffe gravieren lassen und mich mit stiller Würde dieser großen Aufgabe widmen.

Wirrkopf

Wie so oft abstruse Träume nach der Nachtdienstsession. Der Körper wehrt sich die erste freie Nacht im Bett mit Schlafen zu verbringen. Er nervt mich mit Kopfschmerzen, Nykturie und wirren Träumen: Ich bin in einer Art hotelartigen Lazarett oder Pflegeheim des Nachts mit vielen bettlägerigen Patienten, endlose verwinkelte Gänge und Säle. Man läuft ewig herum und hat am Ende vergessen, was man eigentlich tun wollte. Dann muss plötzlich evakuiert werden. Alle werden auf ein Feld oder eine Wiese geschleppt und später wieder ins Haus zurück. Man findet nichts mehr, alles durcheinander, das reinste Chaos…