Traumdeutung

Fast jede Nacht und selbst beim Mittagsschlaf Träume von Prüfungen. Prüfungen, für die ich nicht gelernt habe, Prüfungen, die ich komplett vergessen und für die ich erst recht nicht gelernt habe. Ich weiß gar nicht, wo ich diese Träume her habe. Meine letzten Prüfungen liegen Jahre zurück und sind ganz gut gelaufen. Eine sonderlich gesteigerte Prüfungsangst hatte ich nie. Mein vulgärpsychologischer Erklärungsansatz: Vielleicht sind die Prüfungen eine Metapher für das Leben an sich, von dem ich keine Ahnung habe, unvorbereitet bin, mich versuche so durchzumogeln und Angst habe, am Ende nicht zu bestehen.

Die oder ich

Ekel vor der Welt immer größer. Vor der Wahl stehend, den marktschreierischen Zirkus mitzumachen oder sich von allem so weit es geht auf sich selbst zurückzuziehen, ist die Entscheidung einfach. Kontakte zum System nur so weit wie unabdingbar. Ansonsten Distanz und Verachtung. In jeder freien Minute hinaus in die Landschaft. Mein Verhalten nicht pathologischer als das der anderen.

2 x N.

Man drängt mich ungewollt in eine Karriere hinein. Hätte ich an so etwas Interesse, würde ich mich freuen. Man überredete mich sogar mit der Gilde der mittelhohen, hohen und höchsten Chefs für einige Tage eine Messe in der Stadt zu besuchen, in der früher Reichsparteitage abgehalten worden sind. Alles auf Firmenkosten natürlich, Hotel, Essen, Nutten. Höchste Zeit zu kündigen, rät dringend mein innerer Bartleby. Vielleicht aber lieber doch nicht, denn ein wachsender Trost ist mir N., die, seit wir dienstlich einige Nächte verbrachten und uns dabei sehr gut unterhielten, langsam zutraulich wird, worüber ich mich, im Gegensatz zum Vorgenannten, sehr freue.

Cocooning de luxe

Angeekelt von der Welt da draußen. Kurz kam mir der wirre Gedanke, dass in einer waffenstarrenden Welt nur noch mehr Waffen helfen würden. Motto: »Abe Lincoln may have freed all men, but Sam Colt made them equal.« Peacemaker für alle! Natürlich vollkommener Stuss.

Aus Herrndorfs Leseliste zwei Sachen rausgepickt, die ich noch nicht kannte: »Aquis submersus« von Th. Storm und »Der Bericht des Arthur Gordon Pym« von E. A. Poe. Als ob lesen helfen würde.

Time is important

Zu wenig Zeit und zu erschöpft für … eigentlich alles. Fotografie zum Beispiel. Es geht schnell und man liegt als sabberndes, gelähmtes Wrack in seinem Bett – gerade erst wieder erlebt – und eben dachte man noch, man hätte alle Zeit der Welt. Man kaum beeinflussen, dass man wahrscheinlich eines Tages ein sabberndes, gelähmtes Wrack sein wird. Aber man kann seine Zeit bis dahin auf eine Art nutzen, dass man im Rückblick sagen kann: Es war gut so. Auf Berge steigen und sie fotografieren zum Beispiel:

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Lektüre

Von Bernhard erst einmal genug. Er wurde mir zuletzt etwas zu sperrig. Also mit der Gesamtausgabe von Herrndorf begonnen. »In Plüschgewittern« liest sich flüssig, haut mich aber bis jetzt nicht um. Doch für einen Erstling nicht schlecht, man spürt das Potential. Ansonsten schlafe ich viel und werde trotzdem immer müder.

Haushaltung

Keine Kraft etwas zu lesen, etwas zu schreiben, Fotos zu machen oder sonst etwas Produktives. Meine restliche nicht von der Lohnarbeit verzehrte Kraft verwende ich darauf, der Zeit beim Verrinnen zuzusehen. Das ist nicht so schlimm wie es scheinen mag. Mit kopflosem Aktionismus und mangelnder Inspiration bringt man ohnehin nichts Gescheites zu Stande, sondern verplempert nur weitere Energie, mit der man haushalten sollte. Besser ist es also im Gras zu sitzen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen und einen Marienkäfer zu beobachten. (Hat gar keine Punkte und offensichtlich Flugangst.)

Ausbleibende Versuche

Es verletzt die Eitelkeit, wenn der Arbeitgeber, dem man gekündigt hat, darum gar kein Aufhebens macht, es einfach so stillschweigend hinnimmt. Man möchte zu einem freundlichen Gespräch gebeten werden, man möchte, dass sich um einen bemüht wird, man möchte, dass Versuche unternommen werden einen umzustimmen. Man würde alle diese Versuche rigoros ablehnen aber man wünscht sich, dass diese Versuche unternommen werden.

Wiedersehen

Gestern besuchte mich H. auf Arbeit. Ich hatte wenig Zeit, ein Todesfall und ein schwules Bestatterpärchen – was man so alles erlebt – fraßen meine geringen Zeitreserven. Sie sah gut aus und fühlt sich wohl bei ihrer neuen Arbeit. Ich habe ihr von meinen eigenen Plänen erzählt und sie in einer dunklen Ecke kurz in den Arm genommen. Das Anschmiegsame früherer Tage war vollkommen verschwunden. Für weitere Erörterungen keine Zeit, die schwulen Bestatter kamen ihren Kunden abholen. Als sie wieder fort waren, war auch H. verschwunden.