Futterspende

Lange habe ich mich darum gedrückt, doch vor ein paar Tagen habe ich das nicht mehr benötigten Katzenfutter und Katzenstreu endlich durchgesehen und zusammengestellt. Es wäre schade gewesen, wenn das Futter verfallen wäre und hätte entsorgt werden müssen. Vier Kisten sind es geworden – ich war selbst überrascht über die Mengen, die sich angesammelt hatten.

Heute habe ich alles nach Maxen in das Katzenseniorenheim geschafft und dafür von der Chefin eine kleine Führung durch die Anlage bekommen. Ungefähr 70 Katzen leben dort, die meisten älter aber auch ein paar jüngere aus Abbruchhäusern oder Gartensparten. Einige haben Gebrechen, nur ein Auge, eine hatte ein neurologisches Problem, eine nur drei Beine. Schon beim Betreten der Anlage kamen ein paar Katzen zur Begrüßung an und umschmusten die Beine, eine sprang gleich auf meinen Schoß.

Hat mir alles sehr gefallen. Und ich bin froh, dass Mme. Lillis Futter dort gerne angenommen wurde. Ich bin dankbar für die Arbeit, die dort geleistet wird und dass jemand den alten Miezen noch ein schöner Lebensabend bereitet.

Mme. Lilli

Wir haben eine kleine Messingplakette für die Grabplatte von Mme. Lilli anfertigen lassen. Als ich sie 2005 aus dem Tierheim holte wurde sie auf ein Alter von ungefähr einem Jahr geschätzt – also geboren irgendwann 2004. Sie war 13 Jahre bei uns, für uns eine schöne Zeit. Und ich glaube, auch Mme. Lilli hat es ganz gut getroffen und sie hat sich bei uns bis zuletzt wohl gefühlt. Jetzt kann sie sich unter der alten Linde ausruhen.

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Lilli

Gestern die angebrochenen Medikamente in die Tierarztpraxis gebracht, die würden gespendet, sagte mir letzte Woche eine der Mitarbeiterinnen. Eine sinnvolle Sache. Auf der Homepage des Tierheimes las ich, dass dort gerne Futterspenden angenommen werden. Besonders Nierendiätfutter würde immer gebraucht. Damit konnte ich reichlich dienen. Ich war selber überrascht, welche Futtermengen sich in kurzer Zeit angesammelt haben. Und von dem normalen Futter habe ich noch viel mehr und Katzenstreu und Katzengras und und und …

Wäre gestern nicht Ruhetag im Tierheim gewesen, ich hätte wahrscheinlich nicht widerstehen können, die dortigen Katzentiere zu besuchen. Die sehen alle so traurig aus auf den Fotos im Internet. Aber es ist besser sich damit Zeit zu lassen. Mme. Lilli ist jetzt genau eine Woche tot und sie fehlt mir sehr. Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass die Entscheidung und der Zeitpunkt richtig waren. Ich denke die ganze Zeit an sie und rede nicht nur im Geiste mit ihr. Abends lasse ich alle Zimmertüren offen – es gibt jetzt keine Notwendigkeit mehr dafür – aber sie zu schließen, fühlt sich einfach falsch an. Die Mieze muss sich frei im Haus bewegen können, wie immer.

Mme. Lilli

Bis zum Wochenende 1./2. September war Mme. Lilli recht stabil. Sie fraß einigermaßen und erbrach kaum noch, dann ging es wieder los. Am 3. September stand erneut ein Bluttest an, ich wollte gleich wieder ein geriatrisches Blutbild mit allen Werten. An diesem Tag sollte sie deshalb sowieso nüchtern bleiben. Schon bei der Blutabnahme Probleme, es kam kaum Blut. So mussten sie ihr beide Beine zerstechen. Auch am Nachmittag und Abend fraß sie fast nichts und auch am Vormittag des 4. September nicht, nur ein bisschen Soße und Päppelpaste. Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten. Sie hatte in kurzer Zeit weiter extrem abgenommen, wog nur noch 2,2 kg.

Also nach dem Nachtdienst wieder mit ihr zum Tierarzt. Auch ohne Situationsschilderung erfasste die Tierärztin sofort den Zustand. Die Ergebnisse des Bluttestes waren auch schon da: Hyperthyreose gut eingestellt, Niereninsuffizienz im Anfangsstadium und keinesfalls verantwortlich für den rasanten Verfall, Leukozyten massiv erhöht und dazu alle möglichen Zellen im Blut, die da nicht hingehören. Das spricht am ehesten für eine unentdeckte Krebserkrankung. Von der Möglichkeit die Mieze mittels Infusionen, Antibiotika- und Cortisongaben kurzzeitig zu stabilisieren, habe ich bei der Prognose abgesehen. Das hätte kurativ nichts gebracht und ihr Leiden nur verlängert, sie wäre innerhalb kurzer Zeit auf unschöne Art eingegangen, denn ihr Herz war ungewöhnlich stark.

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Niereninsuffizienz

Beim letzten Bluttest waren nun auch die Nierenwerte von Mme. Lilli auffällig. Die vom Tierarzt empfohlenen Nierenfutter frisst die edle Dame nicht. Ein frei verkäufliches nimmt sie an – immerhin. Eine Lieferung steht noch aus. Mal sehen. Das Medikament Semintra wurde ihr ebenfalls angetragen. Nach dreimaliger Gabe habe ich es wieder abgesetzt. Mme. Lilli kotzte davon im Strahl, fraß fast gar nichts mehr und hockte vollkommen apathisch in der Ecke. Ich nehme an von der starken Blutdrucksenkung durch die Tropfen. Nicht alles was möglich ist, muss man auch machen. Mir geht es schon von Berufs wegen um eine gute palliative Versorgung der Katzendame. Eine Heilung ist sowieso nicht möglich. Mein Workaround sieht jetzt so aus: Nierennassfutter (protein- und phosphorreduziert), Seniorennassfutter bzw. Adultnassfutter mit geringem Proteingehalt in Verbindung mit einem Phosphatbinder in Pulverform. Mme. Lilli scheint subjektiv damit gut zu fahren, sie ist viel munterer, frisst gut und erbricht wesentlich seltener. Was will man mehr.

Kryptisch

Angeschlagen, Moral zerrüttet, die bisherige Strategie funktioniert nicht. (Hatte ich eine Strategie?) Eine neue muss her. Mehrfrontenkriege überfordern mich seit je. Vielleicht hätte der Oberst Rat gewusst, als alter Militärmann, aber der Oberst ist tot. Nach Ruhe sehnt sich der Krieger und nach Frieden. Ein paar Nocturnes von Chopin als Balsam helfen für den Augenblick.

Später mit N. ein Spaziergang über Stock und Stein, Berg und Tal. Ich mag Frauen sehr, vor allem die stillen und introvertierten. Auch wenn ich ihnen gegenüber etwas befangen bin aber mit der Zeit wird es immer besser. Wenn ich mir dereinst auf dem Sterbebett etwas vorzuwerfen haben werde, dann zu wenig Zeit mit Frauen verbracht zu haben. Mit Sex hat das übrigens nur am Rande zu tun.

Einstellungssache

Gestern Nachmittag ein starkes Gewitter von Osten. Der erste nennenswerte Regen seit langem für nicht einmal eine Stunde, heftiger Wind und Hagel am Anfang. Ein Sturzbach kam die Straße herunter. Kurze Zeit später ging die Sirene. Heute wieder brütende Hitze, vielleicht ein oder zwei Grad weniger als zuletzt. Im Dachgeschoss 29 °C. Ich schlafe seit Wochen schlecht egal ob tagsüber oder nachts.

Die Katze nimmt weiter zu, sie hat schon 300 Gramm zugelegt, bezogen auf den gemessenen Tiefstwert Ende Juni. Die erste T4-Kontrolle ergab Werte im unteren Bereich also wurde die Thyronormdosis etwas zurück gefahren. Sie bekommt jetzt 0,25 ml morgens und 0,5 ml abends. Ich war erst skeptisch und dachte, es wäre besser wenn sie früh und abends die gleiche Dosis bekäme. Es scheint aber auch so zu funktionieren, sie ist ruhig und ausgeglichen. Am 13. August erneute Kontrolle.

Alles wird gut

Gestern Sonografie des Bauchraumes bei Mme. Lilli. Alle Organe visuell in Ordnung nur im vorderen Bauchraum etwas vergrößerte Lymphknoten aber im Vergleich zu den Aufnahmen von vor einem reichlichen halben Jahr insgesamt keine Umfangsvermehrung, sondern sogar etwas kleinerer Durchmesser. Die sympathische Tierärztin – ich behalte mir vor, sie zu heiraten – hält ein Lymphom auch eher für unwahrscheinlich, denn dann wäre der körperliche Verfall im vergangenen Zeitraum größer. Genauso habe ich mir das auch zusammen gereimt. Mme. Lilli trägt jetzt wieder bauchfrei hat damit aber keinerlei Probleme. Eine schöne Katzendame kann nichts entstellen. Nächste Woche erneuter Bluttest zur T4 Bestimmung, in Abhängigkeit vom Ergebnis dann eventuell Dosisanpassung des Thyronorms. Das Lebermedikament erhält sie auch weiter, die auffälligen Werte werden beim übernächsten Bluttest mitbestimmt. Der Allgemeinzustand der Katze hat sich schon sehr gebessert, sie ist ausgeglichen, schreit kaum noch, frisst gut, kotzt selten, das Fell sieht besser aus und das Beste: sie hat in einer reichlichen Woche schon knapp 100 Gramm zugenommen.

Katzencontent

Mme. Lilli hat eine Hyperthyreose. Jetzt bekommt sie Thyronorm, ein flüssiges Schilddrüsenmedikament, früh und abends je 0,5 ml und weil ein paar Leberwerte unspezifisch auffällig sind auch etwas dagegen. Fast bin ich froh, dass es eine Schilddrüsenüberfunktion ist, bei Krebs wäre bald Ende der Fahnenstange gewesen. Nächste Woche trotzdem noch mal Sonografie des Bauchraumes und in ein paar Wochen Überprüfung der Blutwerte. Ich hoffe, dass die dürre Klapperkatze nun endlich wieder zunimmt. Sie soll sich keine Gedanken machen, spreche ich ihr Mut zu, alte Weiber haben immer irgendetwas. Es könnte schlimmer sein.

Schönheitspflege & Diagnostik

Der Katze wurden die Krallen gestutzt, die Zähne gecheckt und die Ohren geputzt. Herztöne klar ohne Nebengeräusche, Bauch weich und ohne Druckschmerz. Einziges Problem das fehlende Gewicht bei gutem Appetit. Also gleich nochmal Blutabnahme vornehmen und ein geriatrisches Blutbild erstellen lassen. Am Montag die Ergebnisse. Alles was den Gewichtsverlust erklären könnte: Gastritis, Pankreatitis oder Endoparasiten halte ich wegen sonst fehlender Symptomatik für unwahrscheinlich bzw. ausgeschlossen. Bleibt noch ein Schilddrüsenproblem bzw. eine krebsartige Entwicklung. Krebs glaube ich auch nicht recht, zum einen wurde Mme. Lilli vor einem halben Jahr ausgeweidet und alle Organe auf links gedreht mit einzigem Befund träge Darmperistaltik und vergrößerter Lymphknoten unklarer Genese im vorderen Bauchraum, zum anderen wäre wahrscheinlich der Verfall bei einer gravierenden Krebserkrankung über den Zeitraum stärker. Viel fällt mir nicht mehr ein. Vielleicht mal Dr. House fragen. Ich behandle symptomatisch weiter mit viel Liebe und Kraftfutter.