Zugeflogen

Der Dresdner Zoo vermisst einen neunzig Zentimeter großen Hyazinth-Ara. Er hat ein Loch in seine Voliere geknabbert und ist davon geflogen. Der Zoo bittet um Mithilfe bei der Ergreifung. Erste Sichtungen wurden aus dem Dresdner Süden gemeldet. Gestern als ich morgens vom Nachtdienst kam, saß er in der großen Eiche eines Nachbarn und krächzte komisch. Große Aufregung. Die Zooleute sagten, so lange er im Baum sitzt, kann man nichts machen. Wenn er Hunger hat und schwächer wird, komme er vielleicht auf den Boden herunter, dann solle man eine Decke über ihn werfen, das beruhige ihn. So weit ist es nicht gekommen, als ich aufstand war er fort.

Schnuppen gucken

Nachts, als gerade keiner schreit oder stürzt oder stirbt, sitze ich in einem Korbstuhl auf der Dachterrasse mit dem Kopf im Nacken. Im Norden flimmert die Stadt über mir die Sterne. Ich zähle drei Sternschnuppen. Keine sehe ich direkt. Der Himmelssektor, der von mir angestarrt wird ist just immer sternschnuppenfrei. Aber aus den Augenwinkeln erwische ich sie doch. Da ich nicht so viele Wünsche habe, bringe ich sie mehrfach vor um sicher zu gehen.

Einstellungssache

Gestern Nachmittag ein starkes Gewitter von Osten. Der erste nennenswerte Regen seit langem für nicht einmal eine Stunde, heftiger Wind und Hagel am Anfang. Ein Sturzbach kam die Straße herunter. Kurze Zeit später ging die Sirene. Heute wieder brütende Hitze, vielleicht ein oder zwei Grad weniger als zuletzt. Im Dachgeschoss 29 °C. Ich schlafe seit Wochen schlecht egal ob tagsüber oder nachts.

Die Katze nimmt weiter zu, sie hat schon 300 Gramm zugelegt, bezogen auf den gemessenen Tiefstwert Ende Juni. Die erste T4-Kontrolle ergab Werte im unteren Bereich also wurde die Thyronormdosis etwas zurück gefahren. Sie bekommt jetzt 0,25 ml morgens und 0,5 ml abends. Ich war erst skeptisch und dachte, es wäre besser wenn sie früh und abends die gleiche Dosis bekäme. Es scheint aber auch so zu funktionieren, sie ist ruhig und ausgeglichen. Am 13. August erneute Kontrolle.

Regendefizit

Der Regen der letzten Tage hat das inzwischen entstandene Defizit noch lange nicht wieder aufgefüllt. Bis zwei Meter tief soll die Trockenheit schon reichen, das bisschen Regen ging nach unterschiedlichen Angaben nur zwei bis vier Zentimeter ins Erdreich. Und jetzt geht es wieder sonnig und trocken weiter, höchstens mal ein Gewitterschauer. Der Wald macht stellenweise schon einen herbstlichen Eindruck, die Blätter gelb und braun manche Bäume bereits ganz kahl. Im Neubaugebiet in der Nachbarschaft ist jeder zweite gepflanzte Straßenbaum tot. Kein Mensch hat sie gewässert. Jedes zweite neue Haus hat dagegen eine Klimaanlage.

Dürre

Alles staubtrocken. Die Wiesen grau, im Wald ist es auch nicht besser. Die Felder fangen beim Versuch sie abzuernten Feuer und fackeln ab wie nichts. Keine Ahnung, wann es das letzte Mal richtig geregnet hat. In der Stadt ist es nicht auszuhalten. Die Klimaveränderungen sind eine große Herausforderung für die Stadtplanung. Ein Thema, das mich sehr interessiert.

Tiere

Eine Mehlschwalbenkolonie siedelt an der Staumauer der Talsperre Klingenberg. An der Luftseite der Mauer kleben jede Menge Nester, selbst über der Tür zu einem Inspektionsraum auf dem Mauerweg baut ein Pärchen an einem Nest. Immer wieder kommen sie abwechselnd angeflogen und fügen mit Spucke und Lehm eine weitere Schicht hinzu. Auf dem Rückweg rette ich eine winzige Ringelnatter vorm Überfahrenwerden. Dünn wie ein Bleistift, vielleicht zwanzig Zentimeter lang mit den typischen gelblichen Flecken am Kopf züngelt sie mich an. Sie sonnt sich mitten auf dem Fahrweg. Mit einem kleinen Stock zeige ich ihr den Weg zur Wiese.

Meles meles

Bei der drückenden Hitze kann man sich nur in die Berge flüchten. Ein paar hundert Meter weiter oben, im Kammgebiet des Osterzgebirges lässt es sich noch einigermaßen aushalten. Die blühenden Bergwiesen in Schellerhau, am Geisingberg und im oberen Teil des Tales der Kleinen Biela sind ein Traum. Einen halbwüchsigen Dachs konnte ich auch beobachten, der im Gras herumwirtschaftete vermutlich auf der Jagd nach Insekten, keine zwanzig Meter entfernt von mir. Der Wind stand günstig, er hat mich nicht bemerkt.

Flugwetter

Im Rolladenkasten wohnt ein Wespenstaat. Die Tiere fliegen emsig aus und ein und tun so, als ob noch Sommer wär. Ihre Geschäftigkeit rühre daher, weil sie spürten, dass ihr Ende naht und sie bald sterben müssten – las ich. Nur die begatteten Jungköniginnen verstecken sich und gründen im nächsten Frühjahr an anderer Stelle einen eigenen Staat.

Beobachtungen an der Elbe

Es ist unglaublich heiß. Eine Schafherde weidet auf den Elbwiesen an der Niederwarthaer Eisenbahnbrücke. Einige Tiere fressen, die meisten haben sich vor der Hitze in die Schatten der Pfeiler zurückgezogen und liegen wie tot, nur die Ohren wackeln manchmal. Vor allem die halbwüchsigen Lämmer untersuchen das Flussufer, schnuppern an den Steinen und scheinen sich über das fließende Wasser zu freuen. Sie springen ungelenk herum und blöken, die Alten blöken aus dem Schatten zurück. Hundebesitzer fahren mit ihren Autos soweit sie an den Fluss herankommen und laden ihre Hunde aus. Dann strenge Arbeitsteilung. Die Besitzer der Tiere beginnen Stöckchen und Bälle in den Fluss zu werfen, die Hunde holen sie wieder heraus. Am anderen Ufer baden Mädchen mit ihren Pferden. Sie reiten in den Fluss hinein, gleiten von den Rücken der Pferde und schwimmen mit ihnen wieder ans Ufer zurück. Und dann alles wieder von vorn. Eine Familie Nilgänse schwimmt ungeniert auf dem falschen Fluss.

Flugwesen

Gestern die ersten Mehlschwalben gesehen. Sie zirkelten über dem Regenrückhaltebecken herum, erst eine, dann zwei, zum Schluss vier. Des Weiteren anwesend jeweils ein Pärchen Stockenten und Krähen.