Beobachtungen an der Elbe

Es ist unglaublich heiß. Eine Schafherde weidet auf den Elbwiesen an der Niederwarthaer Eisenbahnbrücke. Einige Tiere fressen, die meisten haben sich vor der Hitze in die Schatten der Pfeiler zurückgezogen und liegen wie tot, nur die Ohren wackeln manchmal. Vor allem die halbwüchsigen Lämmer untersuchen das Flussufer, schnuppern an den Steinen und scheinen sich über das fließende Wasser zu freuen. Sie springen ungelenk herum und blöken, die Alten blöken aus dem Schatten zurück. Hundebesitzer fahren mit ihren Autos soweit sie an den Fluss herankommen und laden ihre Hunde aus. Dann strenge Arbeitsteilung. Die Besitzer der Tiere beginnen Stöckchen und Bälle in den Fluss zu werfen, die Hunde holen sie wieder heraus. Am anderen Ufer baden Mädchen mit ihren Pferden. Sie reiten in den Fluss hinein, gleiten von den Rücken der Pferde und schwimmen mit ihnen wieder ans Ufer zurück. Und dann alles wieder von vorn. Eine Familie Nilgänse schwimmt ungeniert auf dem falschen Fluss.

Kurz und klein

Meine eigene Kurzumtriebsplantage, eher klein und nur aus einer einzigen Korkenzieherweide bestehend, heute wieder auf den Stock gesetzt. Die so gewonnene Biomasse findet reißenden Absatz bei vorbei flanierenden älteren Damen, die sich die Zweige mit nach Hause nehmen, in Vasen stellen und sich daran freuen. Gute Geschäfte wären möglich, nur bin ich kein Kaufmann.

Indianertrick

Gestern Ausflug ins verschneite Gebirge. Der Schnee auf den Wegen immens, man sinkt immer noch bis mindestens zur Wade ein. Abseits der Wege steckt man wenigstens knietief im Schnee fest. Laufen mit Fotoausrüstung über längere Strecken auch bei guter Kondition kaum möglich. Um es mir etwas leichter zu machen, habe ich ein paar Loipen ruiniert. Immer Angst von Skifahrern deshalb Schläge angeboten zu bekommen. Es waren zum Glück keine unterwegs. Nachts im Internet dann Schneeschuhe bestellt, gehobene Mittelklasse, sehr gute Kritiken. Werden bestimmt zum Ende des Urlaubs bzw. pünktlich zur Schneeschmelze geliefert.

HRB Niederpöbel

Das Gebiet des Erzgebirges und speziell das Osterzgebirge wurde in historischer Zeit immer wieder von starken Hochwasserereignissen heimgesucht. Das Gebirge ist klein, das Gefälle der Fließgewässer sehr hoch. Im Kammstau langanhaltende und ergiebige Niederschläge gehen schnell in den oberirdischen Abfluss über. Nach dem Hochwasser 1897 begann man ein System von Talsperren an den größeren Flüssen zum Schutz vor Überflutungen der flussabwärts gelegenen Talbereiche zu errichten.

Weiterlesen

Unterwegs

Ich erweitere mein angestammtes Streifgebiet auf Bereiche östlich der Müglitz. Bei meiner Wanderung durch den Trebnitzgrund wurde ich deshalb vermutlich als Initiationsritus von einer benommenen Wespe in den Bauch gestochen. Später oben auf den Höhenwegen in der Abendsonne entlang gelaufen. Die bewaldeten Hänge des Grundes färben sich schon langsam herbstlich. Kaum ein Vogel ist noch zu hören. Zumindest die Mehlschwalben sind aber noch da. Habe einen Trupp in Neudörfel in eine Unterhaltung vertieft auf der Stromleitung sitzen sehen.

Freundliche Vergrämung

Ich wollte eigentlich den nachts auf einem vorspringenden Balken unter dem Dach sitzenden und meinen darunter liegenden Balkon vollkackenden komischen Vogel dauerhaft durch eine technische Maßnahme vertreiben. Taubenabwehrspikes! Dann tat mir aber der nachts auf einem vorspringenden Balken unter dem Dach sitzende und meinen darunter liegenden Balkon vollkackende komische Vogel leid. Wer solch eine problematische Verdauung hat, braucht nicht auch noch zerstochene Füße. Also vergräme ich jetzt abends vom Balkon aus mit Taschenlampe und in die Hände klatschen. Funktioniert auch. Der auf diese Weise verscheuchte Vogel erschreckt sich derart, dass er mehrere Nächte nicht wieder kommt. Das mein Treiben einen merkwürdigen Eindruck bei meinen Nachbarn hinterlassen muss, ist nicht schlimm, die halten mich sowieso schon für psychisch auffällig.

Rastplatz

Auf dem Dachbalken oberhalb meines Fensters sitzt in der Nacht ein Vogel und scheißt große Haufen auf meinen darunter liegenden Balkon. Erst dachte ich an eine Taube aber dann fand ich auch Gewölle. Als ich vor ein paar Tagen in der Abenddämmerung aus dem Fenster sah, saß da im Zwielicht das Tier. Wir schauten uns eine Weile an, dann flog es weg. Ich konnte nichts erkennen, was zu einer klaren Identifizierung geführt hätte. Auf alle Fälle ein Raubvogelkopf (kein Eulenvogel), Brust gebändert. Auch die Größe in etwa auf einen Sperber passend, eher kleiner.

Kleine Voliere

Gestern eine Bachstelze gerettet. Sie war im Führerhaus einer Planierraupe gefangen. Keine Ahnung, wie sie da hinein gekommen war. Sie stieß wild flatternd gegen die Scheiben und piepte um Hilfe. Die Planierraupe stand mitten in der prallen Sonne, es war Wochenende, der Planierraupenfahrer würde erst Montag wieder zur Arbeit kommen. Ich schwankte zwischen der »Natur ihren Lauf lassen« und »Scheibe einschlagen«. Wie immer unschlüssig.

Auf der anderen Seite: Die Planierraupe war uralt und abgeranzt, sie stand in einem einsamen Steinbruch, den zu betreten verboten ist, woran sich außer mir jeder hält. Wozu so ein altes Gerät abschließen? Nahezu kaputt ist es schon, da klaut niemand was. Vermutlich ist der Schlüssel schon vor zwanzig Jahren verloren gegangen. Und tatsächlich die Tür war unverschlossen. Also dem Tier einen Fluchtweg eröffnet und abgewartet. Wahrscheinlich aus Erschöpfung des Vogels tat sich lange gar nichts. Dann hab ich ihn ein bisschen aufgescheucht, er flog zum Abschied gegen alle drei verbliebenen Glasflächen und schließlich durch die offene Tür davon.