Querfeldein

Heute wurden die Schneeschuhe geliefert, eher als gedacht. Am Nachmittag gleich ausgiebig im Gelände getestet. Ich bin bisher sehr zufrieden. Nur einmal bin ich umgefallen beim Übersteigen eines Weidezaunes. Meine Reichweite in verschneiter Landschaft abseits der Wege hat sich immens gesteigert und ich bin nicht halb so kaputt wie bislang. Einige gute Aufnahmen gemacht, hoffe ich.

Jahreswechsel

Silvester: Das hirnlose Rumgeballer hat mich immer schon genervt, das wird mit dem Alter nicht besser. Der Lärm, der Gestank, das lächerliche Gehabe der Menschen! Wobei anzumerken ist, dass sich die umliegenden Anwohner recht manierlich verhalten haben. Die Katze hingegen hat sich erst unauffindbar versteckt und mir dann gegen Morgen als unübersehbares Lebenszeichen in die Stube gekotzt.

Was bringt das neue Jahr? Nur Gutes natürlich. Im Ernst, mir geht es gut. Ich bin dankbar für alles. Mit 20 war ich desillusionierter. Mit dem Alter kommt die Milde, die Erfahrung sowieso. Und die Erfahrung zeigt, wenn es am Ende gut werden soll, muss man selbst die Sachen in die Hand nehmen, auch wenn es schwer fällt. Man muss nicht jeden Scheiß mitmachen, nur weil die Gesellschaft der Meinung ist, in diesem oder jenem Lebensabschnitt habe man diese oder jenes zu tun. Man nimmt diese Antragungen zur Kenntnis, nickt freundlich und geht weiter sein eigenes Ding machen.

Export en dé­tail

In der hintersten Ecke des großen Parkplatzes unweit der Autobahn, dort, wo sich abends die Liebespärchen treffen und die Hundebesitzer ihre Autos abstellen, bevor sie ihre Abkackrunde machen, in einem Haufen leerer Verpackungen eine kleine Kamera und zwei Berliner Autokennzeichen gefunden. Die Polizei war bei Durchgabe des Kennzeichens gleich sehr interessiert. Eine Streife kam vorbei und hat alles mitgenommen. Jetzt bekommt der Berliner von seinem gestohlenen Auto wenigstens die Nummernschilder wieder.

Transpirationsfrage

Junge, schöne Menschen laufen und rollerbladen in Funktionskleidung an mir vorüber. Irgendein Wettkampf im Gelände der Biathlon-Arena, wo ich eigentlich in Ruhe fotografieren wollte. Mir ein Rätsel, wie die verschwitzten Frauen, die an mir vorbei sporten, immer noch so gut riechen können. Die schwitzen wahrscheinlich gar nicht, die scheiden Sexualpheromone aus.

Selbstversorgung

Eine junge Frau überholt mich auf einem Waldweg mit ihrem Auto. Später treffe ich sie wieder. Ihr Auto steht mit geöffneter Heckklappe mitten auf dem Weg und sie füllt am Wegesrand etliche 20-Liter-Kanister mit Wasser aus einer eingefassten Quelle. Das sollte selbst bei großer Familie für mehr als 10 Tage reichen.

Nächtlicher Besuch

Beim Betreten des Umkleideraumes und Einschalten des Lichtes huscht etwas an der Wand entlang, verschwindet kurz in der Duschkabine, kommt wieder hervor, läuft an den Spinden entlang und zwängt sich schließlich am Ende der Reihe unter den letzten, etwas vom Boden abstehenden Spind. Keine Maus, eine Spitzmaus. Sie muss durch den Lichtschacht gefallen und durch das angekippte Fenster herein gekommen sein. Ich überlege noch, was zu tun ist, da kommt sie wieder hervor, eine große Staubfluse hinter sich her schleppend. Einfangen und freilassen wäre gut. Ich zögere zu lange. Sie sieht sich kurz meine Schuhe an, läuft dann zur Tür, quetscht sich unten durch und trippelt schnurstracks an der Scheuerleiste entlang zur Damenumkleide, um diese zu besichtigen. Auch gut.

Waldspaziergang

Mit P. und ihrem zweijährigen Sohn die Waldwege entlang. Alle paar Meter stehen geblieben, weil der kleine Mann Äste, Steine und Fichtenzapfen untersuchen musste. P. in Art und Wesen kaum verändert trotz der vergangenen Zeit. Gleich wieder verstanden.

Ausflug

P. schreibt mir. Sie will mit mir spazieren gehen, ihren kleinen Sohn bringt sie mit. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, sie noch einmal wiederzusehen. Mir drängte sich zunehmend der Eindruck auf, sie hätte an einem Treffen kein Interesse. Ich wollte nicht wie ein Idiot, der nichts versteht, immer wieder nachbohren. Jetzt also doch. Ich freue mich.