Verschwunden

A. ist nach Beendigung ihrer Reha wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Zu einem Treffen ist es nicht mehr gekommen, sie hat sich auch nicht wieder gemeldet. Mein soziales Frühwarnsystem hat mir schon zeitig gemeldet, dass was nicht stimmt. Ist auch nicht schlimm. Man muss den Kontakt nicht künstlich und verkrampft am Leben erhalten. Good night, good luck and thanks for coming.

Einzelgänger

Ein wenig Urlaub jetzt. Ich fahre in der Gegend umher und fotografiere. Soziale Aktivitäten meide ich weitgehend, sie gehen mir zu sehr auf den Sack. Als zu große Zumutung erscheinen mir die meisten Menschen. Es gibt Ausnahmen aber die sind schwer zu finden. Morgen treffe ich mich mit N., wir machen einen Ausflug. Sie ist zum Beispiel so eine Ausnahme.

Beobachtungen

Ein totes Huhn liegt in der Astgabel eines Baumes an der Elbe bei Strehla. Nanu? Zwei Eisvögel sitzen auf einem Anleger ganz in der Nähe, wenn sie sich nicht hin und her jagen. Auch die Schwalben kacheln noch über die Weinberge und das Elbtal bei Meißen. Die Bienenfresser allerdings sind über alle Berge. Große Starenschwärme allenthalben. Ich sitze am Steilhang in der Sonne und esse alte Apfelsorten von den verwilderten Streuobstwiesen ringsum.

Unbehagen

Tagsüber schlafen und nachts arbeiten. An den freien Tagen vormittags erledigen was liegen geblieben ist. Nachmittags bis zum Abend ruheloses herumwandern bis zur Erschöpfung in der ländlichen Umgebung.

Audiatur et altera pars

Ein Interview, welches der Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle Christian Thielemann der Zeitschrift CORPS (Gott sei bei uns!) anlässlich seines sechzigsten Geburtstages gab, lässt mich den Mann, den ich früher eher kritisch sah, in einem positiven Licht erscheinen. Man muss seine Position zum Elitegedanken nicht teilen, obwohl ich finde, dass er selbst da recht hat, aber seine Aussage zur Bedeutung von Arbeitsethos, Disziplin und Zuverlässigkeit ist unwiderlegbar. Mit Jammern, Gegreine und Schludrigkeit bekommt man gar nichts hin im Leben.

Wir alle sollten eigentlich Preußen sein“ (PDF)

In der Rehaklinik

Gestern zum zweiten Mal A. in der Rehaklinik besucht. Einen ganzen Nachmittag mit ihr verbracht. Kaffee getrunken, in ihrem Zimmer unterhalten und eine lange Runde über die Gänge und Flure gemacht. Sie läuft an ihren Krücken schon stabiler als zuletzt. Jedoch müssen die gesamten Bewegungsabläufe neu eingeübt werden – aufstehen, hinsetzen, laufen, Treppen steigen etc., das dauert. Durch die Operation wurde die Hüftstellung korrigiert und die sich über die Jahre eingeschliffenen „falschen“ Bewegungsabläufe müssen jetzt raus aus dem Kopf. Ich habe sie nach meinen Möglichkeiten motiviert dann aber aufgehört, weil ich Angst hatte, sie fällt vor Lachen um. Ihre mentale Stärke und ihr starker Wille beeindrucken mich immer wieder. Ein schöner Nachmittag.

Soziales und Asoziales

Heute noch einmal Besuch bei A. in der Rehaklinik. Am Wochenende ist da immer die Hölle los, weil Hinz und Kunz ihre Angehörigen besuchen kommen. Es ist dennoch sinnvoll A. am Wochenende zu besuchen, weil sie von Montag bis Freitag dauernd irgendwelche Therapien hat und ich als rücksichtsvoller Mensch den Behandlungserfolg natürlich nicht gefährden will.

Heute und besonders Morgen unglaubliche Hitze. Gestern zufällig an einem Freibad vorbeigekommen – unerträglich das Gedränge und Geschrei. Wie können sich normale Menschen so etwas antun? Es gibt nur eine Erklärung – alles Idioten. Ich kann den Tag kaum erwarten an dem die Spezies Mensch von diesem Planeten endlich verschwindet. Der Erde kann gar nichts Besseres passieren.

Ausflug

Mit N. in den Kammlagen des Osterzgebirges gewandert, rund um die Galgenteiche und auf den Kahleberg. Gegenüber dem Dresdner Umland sind die Temperaturen da oben wesentlich angenehmer. Auf dem Dammweg des Großen Galgenteiches auf einer Bank gesessen, unterhalten und dabei kleine Entchen beobachtet. Später auf den Kahleberg hinauf und die Aussicht über das Osterzgebirge bis nach Dresden genossen. Nur wenige Menschen da oben. Ganz wunderbar. Auf dem Rückweg in Bärenfels zu Abend gegessen und wieder zurück nach Dresden.

Fortschritte

Gestern A. in der Reha-Klinik besucht. Wir haben eine Runde durch das Haus gemacht – ich freihändig, sie langsam an zwei Krücken. Sie zeigt gute Fortschritte aber es ist noch ein weiter Weg. Lange in ihrem Zimmer unterhalten und vor dem Abendbrot noch einen Abstecher zum Raucherpavillon gemacht. Ihr Ehrgeiz und ihre Power sind beeindruckend. Ich durfte sie nicht mal in ihrem Rollstuhl den Berg hochschieben. Ein starker Wille ist mehr als die halbe Miete. Daran gebricht es heute vielen. Vielleicht gefällt sie mir deshalb so, weil sie keine jammernde Heulsuse ist – obwohl sie Gründe dafür hätte -, sondern sich durchbeißt und einen lagen Atem hat.

Los gehts

Urlaub schon wieder vorbei. Gewohnheitsmäßig nutzte ich diesen dazu liegen gebliebene Angelegenheiten abzuarbeiten. Wie gewohnt gelang das nur zum Teil. Das macht mir aber wie gewöhnlich nichts.

A. hat inzwischen ihre Reha angetreten. N. erholt sich vom Ausgraben. Ich starte wieder in den Nachtdienst.