Neuankömmlinge

Die ersten Mädchen sind eingezogen in das, was ich einfach Kinderheim nenne eigentlich aber therapeutische Wohngemeinschaft heißt. Sie machen Seifenblasen auf der Feuertreppe, hüpfen mit Springseilen im Hof herum oder sitzen weinend auf den Pflastersteinen. Sie tun mir leid und sie rühren mich. Keine Familie zu haben oder bestenfalls eine dysfunktionale ist keinem Kind zu wünschen. Ich würde gerne eins oder zwei adoptieren, verstehe allerdings nichts von der Kinderaufzucht. Sie kämen vermutlich vom Regen in die Traufe.

Erschwerte Vergrämung

Ein Amselmädchen wühlt im frisch bepflanzten Balkonkasten herum. Sie klaubt Fasern zusammen und trägt sie in ihrem Schnabel davon um ihr Nest auszukleiden. Die nicht benötigten Erdbrocken verteilt sie großflächig auf dem Balkon. Ich habe ihr aufgelauert, ihr Tun getadelt und es ihr verboten, an die Scheibe geklopft und mit dem Finger gedroht. Es ist ihr egal. Das Nest muss fertig werden. Die Idee, die Erde im Balkonkasten mit einem Vlies abzudecken, hatte nicht die erhoffte abschreckende Wirkung. Sie zupft es einfach beiseite. Jetzt habe ich in der Kinderabteilung alberne kunterbunte Windräder gekauft und im Kasten installiert. Sie drehen sich eifrig und quietschen furchtbar dabei. Mir beginnen sie bereits auf die Nerven zu gehen, hoffentlich dem Amselmädchen auch.

Brüllaffe

Gegen 04:00 Uhr verwirrt aufgewacht, weil ein Idiot auf der Straße herumschrie. Der Idiot fuhr irgendwann mit seinem Auto weg und ich konnte lange nicht wieder einschlafen. Am Morgen erfahren, dass Ch. früh gegen 04:00 Uhr im Krankenhaus verstorben ist. Zufällige Koinzidenz. Als rationalem Menschen ist mir esoterisches Geraune vollkommen fremd, trotzdem ein seltsamer Zufall.

Heute mal wieder als Fingerübung eine Bewerbung für eine im Bau befindliche Pflegefabrik abgeschickt. Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der meint, dort sei alles besser, vieles besser, manches besser. Ganz sicher, vielleicht, hoffentlich. Ja, genau. Es geht nichts über präzise Informationen für die Entscheidungsfindung.

Ponyhof?

Der benachbarte alte Gasthof, der sich früher einmal in unserem Familienbesitz befand, wird zum Kinderheim umgebaut. Mädchen zwischen 8 und 18 Jahren sollen da im Sommer einziehen. Statt Biergartenbetrieb, Adoleszenzbetrieb. Bin gespannt, wie sich das gestaltet.

Querfeldein

Heute wurden die Schneeschuhe geliefert, eher als gedacht. Am Nachmittag gleich ausgiebig im Gelände getestet. Ich bin bisher sehr zufrieden. Nur einmal bin ich umgefallen beim Übersteigen eines Weidezaunes. Meine Reichweite in verschneiter Landschaft abseits der Wege hat sich immens gesteigert und ich bin nicht halb so kaputt wie bislang. Einige gute Aufnahmen gemacht, hoffe ich.

Jahreswechsel

Silvester: Das hirnlose Rumgeballer hat mich immer schon genervt, das wird mit dem Alter nicht besser. Der Lärm, der Gestank, das lächerliche Gehabe der Menschen! Wobei anzumerken ist, dass sich die umliegenden Anwohner recht manierlich verhalten haben. Die Katze hingegen hat sich erst unauffindbar versteckt und mir dann gegen Morgen als unübersehbares Lebenszeichen in die Stube gekotzt.

Was bringt das neue Jahr? Nur Gutes natürlich. Im Ernst, mir geht es gut. Ich bin dankbar für alles. Mit 20 war ich desillusionierter. Mit dem Alter kommt die Milde, die Erfahrung sowieso. Und die Erfahrung zeigt, wenn es am Ende gut werden soll, muss man selbst die Sachen in die Hand nehmen, auch wenn es schwer fällt. Man muss nicht jeden Scheiß mitmachen, nur weil die Gesellschaft der Meinung ist, in diesem oder jenem Lebensabschnitt habe man diese oder jenes zu tun. Man nimmt diese Antragungen zur Kenntnis, nickt freundlich und geht weiter sein eigenes Ding machen.

Export en dé­tail

In der hintersten Ecke des großen Parkplatzes unweit der Autobahn, dort, wo sich abends die Liebespärchen treffen und die Hundebesitzer ihre Autos abstellen, bevor sie ihre Abkackrunde machen, in einem Haufen leerer Verpackungen eine kleine Kamera und zwei Berliner Autokennzeichen gefunden. Die Polizei war bei Durchgabe des Kennzeichens gleich sehr interessiert. Eine Streife kam vorbei und hat alles mitgenommen. Jetzt bekommt der Berliner von seinem gestohlenen Auto wenigstens die Nummernschilder wieder.