High Potentiels

Demnächst finden hier Bürgermeisterwahlen statt. Ich habe beide Kandidaten bezüglich ihrer Vorstellungen hinsichtlich Ordnung und Sicherheit in einem konkreten Szenario angeschrieben. Der eine schickte viel Text zurück ohne etwas zu sagen, der andere schickte bislang gar nichts. Der Schweigsame ist mir lieber als der „Wir werden gemeinsam die Welt von morgen gestalten und Hand in Hand in den Sonnenuntergang reiten“-Geschwätzige.

Irrsinn

Zu den politischen Zuständen in Deutschland kann nur mit Schaum vor dem Mund oder gar nicht Stellung genommen werden. In meinem Falle also gar nicht. Ich kooperiere nicht. Ich gendere nicht. Ich entschuldige mich nicht. Ich knie mich höchstens vor eine schöne Frau, wenn ich um ihre Hand anhalten will.

Rollback

»Das Gefühl, in einer Welt zu leben, in der althergebrachte gesellschaftliche Strukturen und Hierarchien auf den Kopf gestellt wurden, hatte in Bayern einen massiven Rechtsruck zur Folge.«

Robert Gerwarth, Die Besiegten

Obige Bilanz bezieht sich zwar auf das Ende der kommunistischen Münchner Räterepublik 1919, dennoch liegt darin auch ein Ansatz zum Verständnis aktueller deutscher Entwicklungen. Nichts kommt von ungefähr.

Schöne Geschichte

Man kann nicht wirklich Mitleid mit dem SPIEGEL haben, weil ihm nun sein Kartenhaus aus gefühligen Kitschgeschichten mit moralisch „richtigem“ Anspruch um die Ohren fliegt. Verständlich, dass die Verantwortlichen im Herrn Relotius gern den alleinigen Bösen sehen wollen und nur zu gern verkennen, dass sie ihn erst zu dem gemacht haben was er ist. Sie haben ihm erst ermöglicht mit seiner Schreibe in ihrem vor Sendungsbewusstsein – wir sind die Guten, wir sind das Sturmgeschütz der Demokratie, wer nicht mit uns ist, ist ein Feind der Demokratie, der offenen Gesellschaft, der … – triefenden Hause groß herauszukommen, weil seine Gefühlsepen so perfekt in das eigene Narrativ passten. Gerne würden sie es beim Bauernopfer Relotius bewenden lassen und nach ein bisschen Betroffenheits-Tamtam zur Tagesordnung übergehen. Begriffen, dass es sich hierbei im Wesentlichen um eine „Causa SPIEGEL“ und nur im Minderen um eine „Causa Relotius“ handelt, dass Herr Relotius nur ein Symptom der SPIEGEL-Krankheit ist, haben sie bisher allem Anschein nach nicht.