Türkei

Smells like Reichstagsbrand und Röhm-Putsch. Ich muss ehrlich sein, ich war enttäuscht als der Putschversuch in der Türkei scheiterte. Eine zeitlich begrenzte Militärdiktatur halte ich für das kleinere Übel, als ein Erdogan-Regime auf lange Zeit, die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit eingedenk. Zu glauben, dass eine Demokratie Erdogan’scher Prägung etwas mit einer westlichen Vorstellung von Demokratie zu tun haben könnte ist kindisch. Auf solche Ideen können nur Leute kommen, die auch Putin für einen lupenreinen Demokraten halten. Sehr beängstigend, wenn man als einziges das Militär als Ordnungsfaktor und Garanten für westliche Errungenschaften sehen kann. Man ist gezwungen, die Demokratie mit Füßen treten, um die Demokratie zu retten. Vollkommen absurd. Und nach den anstehenden Säuberungen scheidet nun das Militär als Erdogan-Antidot für lange Zeit aus.

Alternativlose Bastapolitik

Ein Klima der Angst und Einschüchterung, wie im Kleinen so auch im Großen. Menschlichkeit, Mitgefühl, Empathie – nichts davon. Ein erkennbarer Versuch die unerträglichen Zustände wenigstens zu lindern, von generellem Umdenken ganz zu schweigen … Fehlanzeige. Eine trostlose deutsche Gesellschaft, eine trostlose europäische Gemeinschaft.

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Verschwörung

„Die Jesuiten hatten begriffen, was die beste Methode ist, um einen Gegner zu destabilisieren: Geheimsekten gründen, warten, daß die gefährlichen Enthusiasten hineinströmen, und sie dann alle verhaften. Anders gesagt: Wer eine Verschwörung fürchtet, organisiere sie selber, so bekommt er alle potentiellen Verschwörer unter seine Kontrolle.“

Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel

Funktionierte obiger Text auch, ersetzte man »Jesuiten« durch »Verfassungsschutz«? Nur bedingt, denn der Verfassungsschutz hätte nichts unter Kontrolle und es klappte auch mit dem Verhaften nicht.

Bullshit

Diese unsäglichen PEGIDA-Clowns. Unter welchem Stein sind die hervorgekrochen? Und die Erniedrigten und Beleidigten laufen ihnen massenhaft hinterher und erniedrigen und beleidigen andere Erniedrigte und Beleidigte, die für ihre Misere keinerlei Verantwortung tragen. Fatal Error in der Feinderkennung.

Teil des Problems

„Die Betriebswirtschaftslehre ist keine eigenständige Wissenschaft, sie ist ein umfangreicher Anweisungskatalog für Unternehmensführung.

Die Volkswirtschaftslehre ist ein wissenschaftlich verklausulierter Deutungsraum für die ökonomischen Vorgänge in einer Gesellschaft, also auch keine Wissenschaft mit eigenen festen Erkenntnisgrundlagen.

Die Business-Schools und Management-Universitäten sind von der Wirtschaft finanzierte Dressur-Anstalten für optimal funkionierendes Nachwuchs-Menschenmaterial, ein mit allerlei Blendwerk und eindrucksvollen Ritualen angereichertes Einübungssammelsurium für die unbedingte Gewinnmaximierung großer Unternehmen. Bei den Absolventen handelt es sich mehrheitlich um sehr kluge junge Leute mit sehr dummen Lebensträumen.“

Treffender Kommentar zu einem Artikel in der Südeutschen Zeitung über eine Elite-Wirtschaftshochschule (man möchte das in Anführungszeichen setzen) und den autistischen „Elite-Absolventen“ (das muss man in Anführungszeichen setzen), die da produziert werden. Diese Anstalten erscheinen mir wie das vulgärkapitalistische Pendant zur Parteihochschule der SED in der DDR. Ideologieverabreichung zum Auswendiglernen.

Vorstellung

Lese mit großem Vergnügen einige frühe Reportagen von Egon Erwin Kisch, auch mit Blick auf aktuelle Vorgänge in der Weltpolitik durchaus ein Gewinn.

„‚Eines müssen Sie sich für Ihr ganzes Leben merken, junger Freund, hohe Politik wird nicht so gemacht, wie sich’s der kleine Moritz vorstellt.‘
Der Chefredakteur äußerte das mit Nachdruck, …, und ich habe mir seinen Lehrsatz gemerkt, wenn auch mit einer kleinen Variante, die ich schon nach wenigen Stunden machte, mit der Variante, das Wörtchen ‚nicht‘ aus dieser Maxime fortzulassen.“
 
Egon Erwin Kisch, Die unabsehbaren Konsequenzen