Hinaus

Der Park von Schloss Seußlitz ist menschenleer. Nur ein paar Eichhörnchen turnen in den Bäumen herum. Die Tür zur Schlosskirche steht offen, es riecht darin nach vergangenen Jahrhunderten. Auf dem alten Friedhof verwittern die Grabsteine längst dahingegangener Adliger. Nirgends ein Mensch. Im oberhalb gelegenen Weinberg zirpen die Grillen.

Läuft

Haben jetzt auch jeweils zwei dieser in Heimarbeit genähten MNS ausschließlich für den Dienstgebrauch erhalten. Das Muster im Sichtbereich entspricht allerdings nicht meinen Wünschen – Totenköpfe waren vermutlich aus. Wir führen auch permanent Listen was so alles desinfiziert wird. Nach allem was man liest, desinfizieren wir nebenbei und zusätzlich zum Tagesgeschäft ziemlich viel. Die gute Nachricht: An Listen ist bisher kein Mangel!

Allein unterwegs

Habe die in der Ausgangsbeschränkung genannte Wohnortnähe für meinen Spaziergang eigenmächtig etwas weit ausgelegt. Fühle mich in meiner neugewonnenen Systemrelevanz offenbar sehr sicher. Zumindest bin ich von Natur aus sozial distanziert – eine meiner Eigenschaften, welche endlich breite gesellschaftliche Anerkennung findet – sitze also allein auf einer Bank in der Sonne am Fuße eines Basaltberges, höre den Vögeln beim Singen zu, den Hummeln beim Brummen und beobachte Schmetterlinge. Die Systemrelevanz hat Pause.

Seuchenliteratur

Rätselhafte Vorkommnisse häufen sich. Die Ratten kommen aus ihren Verstecken und sterben auf der Straße. Ein heimtückisches Fieber greift um sich, bald sterben die ersten Menschen. Die Stadt wird hermetisch abgeriegelt … Die Pest – von Albert Camus ist die perfekte Lektüre in dieser Zeit.

Titel hier eingeben

Immer weniger Lust irgend etwas zu schreiben, nicht einmal für eine Überschrift reicht es noch. Keine Zeit aber vor allem kein Antrieb. Private Banalitäten sind zu privat und zu banal und um das große Ganze kümmern sich schon andere Zeitgenossen mit viel Meinung. Vielleicht noch eine Zeit lang Fotos.

Nicht nur müde

Einzelgängerisches Verhalten scheint zunehmend als protofaschistisch zu gelten. Ich freue mich also mitteilen zu dürfen, dass ich mich morgen seit längerer Zeit wieder einmal mit N. (einer Frau!) treffe. Das letzte Mal hatte sich aus persönlichen Gründen zerschlagen.

Seit einiger Zeit verspüre ich wenig Drang etwas zu schreiben auch zum Fotografieren komme ich kaum. Ich bin erschöpft, das kann man so sagen. Das hysterische gesellschaftliche Klima ist auch nicht förderlich. Eine tiefe und langanhaltende Spaltung Deutschlands kann man nur konstatieren.