Huch!

Beim Friseur Schauermärchen über bald erfolgende Flüchtlingseinquartierungen anhören müssen. Dumme, fette, alte Weiber ergehen sich über dann zunehmende sexuelle Belästigungen durch Schwarze oder Araber usw. usf. Davon träumen die vielleicht. Lesen BILD-Zeitung, selbst da nur die Überschriften, und glauben Bescheid zu wissen. Ich wünsche mir, dass sie Opfer eines schwer sexuell verirrten und besonders sadistischen Raubmörders mit stramm nationaler Gesinnung und lupenreinem Arierpass werden.

Unbehagen

Gestern den Chauffeur gemacht. Leute von einer Geburtstagsfeier nach Hause gefahren. Nach der Schicht fuhr ich am Abend dorthin mit einem Blumenstrauß für das schon ältere Geburtstagskind. Von der Ausflugsgaststätte, in der sich die Feier abspielte, hatte man einen schönen Blick auf den Lilienstein und die Festung Königstein. Bevor ich rein ging, saß ich noch eine Weile im Auto und sah mir die von der Abendsonne angestrahlte Festung an. Ich hätte den ganzen Abend so zubringen können.

Dann hinein. Eine u-förmige Tafel, daran vielleicht 35 Personen. Ein Tohuwabohu. Kurz gratuliert, den Blumenstrauß überreicht, banalste „Gespräche“ geführt, dumme Witze angehört, entbehrliche Ratschläge bezüglich Geld und Arbeit erhalten, den starken Fluchtreflex nur mühsam unterdrückt. Nach einer Anstands-halben-Stunde, die zu transportierenden Leute ins Auto gepackt, einen vor der Kneipe angebundenen kleinen Hund zum Abschied gestreichelt – das schönste Erlebnis des Abends, abgesehen vom Blick auf die Berge der Sächsischen Schweiz, – und endlich weg.

Resignation

Der Besinnlichkeitsterror rollt wieder. Wenn sie sich doch nur einmal wirklich besinnen wollten statt sinnentleerte Rituale zu pflegen. Man müsste nun wieder viele böse Worte gegen Handel, Gewerbe und vor allem gegen die einfachen Menschen führen, die das alles „sooo schööön“ finden. Wenn’s nur nicht so sinnlos wäre.