Kriegstagebuch

„ Sonntag, den 16. August 1914

… Durch die sternenhelle Nacht flogen irdische Meteore aus den Leuchtpistolen, der Kanonendonner verhallte langsam, am Horizont wetterleuchtete es, Lichtsignale wurden gegeben – die Schwarmpfeifen der Grillen verstummten für einen Augenblick – Sternschnuppen und vereinzeltes Aufblitzen der Gewehrmündungen – Morgennebel und Kanonenruhe – man wußte nicht, wo der Friede der Natur begann und der Krieg der Menschen aufhörte. Mein Schreibtisch ist die Brustwehr der Schützendeckung.“

Egon Erwin Kisch, Schreib das auf Kisch!

 

Exitus

„Dort im Bette in der Ecke verstummt plötzlich das Röcheln, das bislang hörbar war. Der Arzt geht hin und leuchtet dem wachsbleichen Mann unter das Augenlid. Die Irren sammeln sich rings um das Bett und stieren auf den Alten. ‚Exitus‘, konstatiert der Arzt leise.“

Egon Erwin Kisch, Die Irren

Vorstellung

Lese mit großem Vergnügen einige frühe Reportagen von Egon Erwin Kisch, auch mit Blick auf aktuelle Vorgänge in der Weltpolitik durchaus ein Gewinn.

„‚Eines müssen Sie sich für Ihr ganzes Leben merken, junger Freund, hohe Politik wird nicht so gemacht, wie sich’s der kleine Moritz vorstellt.‘
Der Chefredakteur äußerte das mit Nachdruck, …, und ich habe mir seinen Lehrsatz gemerkt, wenn auch mit einer kleinen Variante, die ich schon nach wenigen Stunden machte, mit der Variante, das Wörtchen ‚nicht‘ aus dieser Maxime fortzulassen.“
 
Egon Erwin Kisch, Die unabsehbaren Konsequenzen