Großer Bogen

Sitze in den Weinbergen und schaue ins Elbtal hinunter. Die Grillen zirpen, meine Freunde die Bienenfresser sind auch wieder da und Starenschwärme nicht minder. Die Sonne scheint zwischen den Wolkenbänken hindurch, ein leichter Wind weht und der Rotmilan dreht seine Runden. Weil Idylle jedoch bekanntlich zu Kitsch führt und dieser abzulehnen ist, weil seiner Natur nach bereits protofaschistich und damit zwingend zu Untergang und Tod führend – aus diesem Grunde nur, um uns davor zu bewahren – hat es dem Winzer gefallen ein übel stinkendes Herbizid als Gegenmittel in seinem Weinberg zu verspritzen. Damit hat er mich, uns alle, Deutschland, die ganze Welt vor dem Verderben gerettet. Muss man sich nur mal richtig vor Augen führen.

Spaziergang an der Elbe

Gestern im Elbtal von Niederwartha nach Gohlis unterwegs. Weidende Gänse auf bestellten Ackerflächen, verschiedene Arten von Enten am Ufer, zwei Grünspechte und jede Menge Krähen angetroffen, dafür nur wenige Radfahrer mit roten Gesichtern auf dem Elbradweg. Der kalte böhmische Wind hat auch mich fast eingefroren.

In Gohlis an jedem zweiten Haus in drei Metern Höhe die Hochwassermarke vom 17.08.2002. Die Deiche wurden infolge ertüchtigt, zum Teil erhöht zum Teil neu gebaut. Zur Elbe hin steht eine Flutmauer, die ein bisschen wie eine zu klein geratene Stadtmauer aussieht. Bis zur Gohliser Windmühle habe ich es geschafft, dann war ich erledigt.

Rundkurs

Gestern eine schöne Tour mit N. durch die Weinberge und an der Elbe entlang gemacht und dabei sehr gut unterhalten. Zufällig lief gerade die Weinernte im Weinberg. Ein paar Touristen, die uns für Mitarbeiter des Weinbaubetriebes hielten, habe ich hinsichtlich der diesjährigen Qualität der Trauben beraten und einen sehr guten 2019’er Jahrgang prognostiziert. Ich glaube recht fachkundig aufgetreten zu sein, obwohl ich keine Ahnung habe. Das ist aber nicht weiter aufgefallen. Später wunderbare Birnen von einen alten Streuobstwiese an der Abbruchkante zum Elbtal geerntet. Auf dem Rückweg beim ersten Einkehrversuch in einer Schänke gescheitert, weil es keine freien Plätze gab. Bei der nächsten Kneipe mehr Glück und bei schönem Blick auf die Elbe gut gegessen. Auf der Rückfahrt noch kurze Station im Stockfinsteren bei N.s alter Ausgrabungsstelle an der EUGAL-Trasse gemacht und über die Zeitläufte siniert.

Beobachtungen

Ein totes Huhn liegt in der Astgabel eines Baumes an der Elbe bei Strehla. Nanu? Zwei Eisvögel sitzen auf einem Anleger ganz in der Nähe, wenn sie sich nicht hin und her jagen. Auch die Schwalben kacheln noch über die Weinberge und das Elbtal bei Meißen. Die Bienenfresser allerdings sind über alle Berge. Große Starenschwärme allenthalben. Ich sitze am Steilhang in der Sonne und esse alte Apfelsorten von den verwilderten Streuobstwiesen ringsum.

Zwischen Dresden und Meißen

In den letzten Tagen unterwegs im sächsischen Elbland und dem Meißner Hochland. Von mir längere Zeit vernachlässigte Landstriche. Am Ufer der Elbe entlang, die links- und rechtselbischen dicht bewaldete Täler hinauf. Oben auf den lößbeeinflussten Hochflächen kleine Dörfer und landwirtschaftliche Flächen. Die Südhänge mit Wein bebaut. In den letzten Jahren wurde viele Flächen wieder aufgerebt. Wieder hinunter an die Elbe, die Niedrigwasser führt. Große Fische springen, kleine Fische wimmeln im warmen, flachen Uferwasser, Frösche quaken und Grillen zirpen. Kaum ein Schiff unterwegs, nur ein paar Ruderer vom Meißner Ruderclub. Überhaupt Meißen, der Fluß, der Dom, die merkwürdigen Einwohner.