Fragen

„Was geschieht mit all dem? Was geschieht mit all dieser Lebensenergie? Mit all dieser Zeit? Wo geht das alles hin? Einen Augenblick lang denkst du, du hättest alle Zeit der Welt noch vor dir, und im nächsten kommst du dir vor, als hättest du sie hinter dir. Einen Augenblick lang kannst du es gar nicht erwarten, daß alles endlich anfängt, und im nächsten zählst du die Jahre, so als würde dir gar nichts anderes mehr übrigbleiben.“

Steven Carroll, Die Kunst des Lokomotivführens

Am Ende

Vor ein paar Tagen brachte ein Mann seine pflegebedürftige Mutter um, dann sich selbst. Die Feuerwehr öffnete die Tür und fand die Leichen. Es gibt keinen Abschiedsbrief, keine Erklärungen außer denen, die offensichtlich scheinen: Überforderung, Aussichtslosigkeit, keine Zukunft.

Frage: Sind das die alleinigen Gründe?
Gegenfrage: Braucht es noch mehr?

Top-down?

Aus dem Freitag, Nr. 37, Im Wendekreis des Discofox – Beim Klassentreffen wird Bilanz gezogen. Was werden sollte. Was daraus geworden ist.

„[…] ‚Du hast doch studiert, was machstn da auf der Straße?‘ Darüber streitet man dann eine Weile. Ob das Studieren eine(n) nicht zwinge, ein ganzes Leben lang studierte Arbeit zu machen.“

Solche Fragen! Darauf weiß ich immer keine Antwort – außer „Quatsch“ zu sagen. Was ich dann doch nicht tue. Ich stelle mir andere Fragen. Auf die ich dann auch keine Antwort weiß. Aber es sind andere Fragen. (Und zu Klassentreffen gehe ich auch nicht mehr.)

Floskel erzeugt Fragenkaskade

Beiläufig las ich im aktuellen SAX eine Annonce. Dabei stellte sich mir die Frage, was wohl „mit beiden Beinen fest im Leben stehend“ zu bedeuten hat. Die gesellschaftlichen Ansprüche zur Zufriedenheit erfüllend? Standard-Bedürfnisse, Standard-Interessen, Standard-Lebenslauf? Keine Zweifel? Festgefügtes Wertesystem? Der Hauptstraßentyp eines Menschen? Interessiert mich so ein Mensch?